Kommentar: Danke, Ihr Chaoten

Kickers Offenbach-Redakteur Erik Schollenberger über die Vorkomnisse beim Hessenpokalspiel gegen Darmstadt: Was in der Halbzeit des Hessenpokalspiels zwischen Offenbach und Darmstadt am vergangenen Dienstag als normales Derby-Gerangel begann, wird weiter reichende Folgen haben, als wir uns jetzt ausmalen können. Wieso? Es sollte jedem klar sein, dass wir Fans des OFC, nach den Ereignissen gegen Chemnitz, unter besonderer Beobachtung stehen. Vor diesem Hintergrund finde ich es befremdlich, dass einige „Fans“, durch ihr Verhalten, dem Verein – den sie doch so lieben – erneut schaden.

Pufferzone mit Flatterband markiert

Befremdlich war für mich die Tatsache, dass die Gewaltbereitschaft mir in diesem Maße, vorher noch nie aufgefallen ist. Es mag den Anschein haben, dass diese „Fans“ nur wegen der Rivalität gegen Darmstadt im Stadion waren oder sie einfach, in der Masse des Block 2 unter gehen. Doch im Pokal war es anders und für die Sicherheitskräfte so offensichtlich: Eine Gruppe von ca. 50 – 100 „Fans“ stand, nicht wie gewohnt, im Block 2, sondern sichten die Nähe zu den Fans der Lilien, im Block 1 der Waldemar-Klein-Tribüne. Die Sicherheitsmaßnahmen sahen vor, dass – durch Flatterband getrennt – eine Pufferzone entsteht. Flatterband? Als ich dies bemerkte, musste ich schon etwas schmunzeln. Nun denn.

Die Situation eskalierte

Spielerisch bot die erste Halbzeit nichts. Auch das Verhalten beider Fangruppen, würde ich noch als normale Derbyatmosphäre bezeichnen. Fliegende Becher und der Drang, den gegnerischen Fanblock zu erobern, gehören ja dazu. Irgendwie. Doch dann kippte das Ganze. Die oben erwähnten „Fans“ durchbrachen das Flatterband. Sofort marschierte Polizei, vor beiden Blöcken, auf. Was mich an dieser Stelle maßlos ärgert, ist die Tatsache, dass nur wir Fans des OFC, die im Block 1 Standen – und wir waren absolut in der Mehrheit, per Kamera gefilmt wurden. Nicht die Darmstädter, die ebenfalls, mit allerlei Zeug, geworfen haben.

Die falsche Strategie ?

Doch die Situation eskalierte und hat bei mir viele Fragen aufgeworfen. Die Polizei drängte in die Pufferzone und drängte die „Fans“ zurück. Dabei soll Pfefferspray zum Einsatz gekommen sein. Beobachtet habe ich es nicht, allerdings wurde mir von mehreren Stellen unabhängig davon berichtet. Ich werde jetzt nicht auf die Polizei schimpfen und ihr Verhalten verurteilen. Ich möchte lieber die Frage stellen, warum es soweit kommen musste? Hat der Sicherheitsdienst, im Stadion, die Situation unterschätzt? War die Polizeistrategie des „sich im Hintergrund halten“ die Richtige? Beim Ligahinspiel zeigte die Polizei sehr starke Präsenz im Block der Kickers. Und was sollte das mit dem Flatterband? Die Polizei macht sich nicht die Mühe, zwischen den Guten und den Bösen zu unterscheiden. Somit geraten die Guten immer mehr in den Sog der Stadiongewalt, die durch einige verursacht werden.

Polizeikessel nach Spielende

So auch nach dem Spiel. Um die „Fans“ zu isolieren, wurde der Ausgang von Block 1, durch einen Polizeikessel gesichert. Abreise unmöglich. So wie ich mussten viele, unbeteiligte Fans, ausharren. Danke eines netten Polizisten durfte ich, nach ca. 10 Minuten im Kessel, endlich gehen. Das Nachspiel ist doch schon vorbestimmt: Stadionverbote für die Idioten, Strafe für den Verein. Und bei mir bleibt die Erkenntnis, dass es einige Spiele gibt, denen ich einfach fern bleibe, weil es einigen wenigen Idioten zu verdanken ist, dass das Stadionerlebnis zur Freiheitsberaubung wird.

Kind: "Abschaffung der Stehplätze?"

Hannover-Boss Martin Kind, dessen Verein diese Saison über 80.000 Euro Pyro-Strafe zahlte, plant einen Maßnahmen-Katalog: „Wir werden Strafen auf die Nordkurve umlegen, die Eintrittspreise erhöhen. Im äußersten Fall käme es zur Abschaffung von Stehplätzen, um über Sitzplätze bei Vorfällen eine Identifikationsmöglichkeit zu haben.“ Liga-Präsident Reinhard Rauball zu BILD: „Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das gesamtgesellschaftlich bekämpft werden muss. In der vergangenen Woche habe ich mich mit Generalbundesanwalt Range diesbezüglich ausgetauscht. Weitere Gespräche sind geplant.“

FOTOS: www.o-m-d.org/

   
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