Kommentar: 4:4 in Halle muss dem SC Paderborn Mut machen

Als Sven Michel in der 60. Minute zum 4:1 traf, war der Auswärtssieg des SC Paderborn beim Halleschen FC beschlossene Sache – dachte alle. Doch binnen weniger Minuten gaben die Ostwestfalen die Partie aus der Hand und waren am Ende beim 4:4 der gefühlte Verlierer. Dennoch machte der Auftritt an der Saale Mut. Ein Kommentar.

Unbeirrt nach frühem Schock

Die Partie begann aus Sicht der Paderborner mit einem Paukenschlag. Bereits nach zehn (!) Sekunden zeigte Schiedsrichter Felix Zwayer auf den Punkt, Benjamin Pintol nahm das Geschenk dankend an und netzte zum 1:0 für den HFC an. Noch in der letzten Saison wäre der Bundesliga-Aufsteiger von 2014 nun total eingebrochen und hätte sich nur noch über den Platzt geschleppt – nicht so gegen Halle. Unbeirrt vom frühen Gegentreffer blieb die Elf von Trainer Steffen Baumgart ihrer Linie treu, zog ein feines Kurzpassspiel auf und wurde nur vier Zeigerumdrehungen später mit dem sehenswerten Ausgleich belohnt – das war durchaus beeindruckend und in dieser Form nicht vorhersehbar. Beflügelt durch die schnelle Antwort spielte der SC Paderborn danach groß auf, bot attraktiven und hochklassigen Fußball, drehte das Spiel und zog noch vor der Pause endgültig davon. Mit dem 3:1 zu diesem Zeitpunkt war der Hallesche FC noch gut bedient, vergab Paderborn doch gleich zahlreiche Großchancen.

Auf links gekrempelt

Wann hatten die SCP-Fans zuletzt eine solch starke Halbzeit ihrer Mannschaft erlebt? Man müsste weit in den Geschichtsbücher zurückblättern. Klar ist nur: Steffen Baumgart hat die Blau-Schwarzen in der Sommerpause auf links gekrempelt. Mit dem Anti-Fußball, den der SCP über weite Strecken der vergangenen Saison anbot (die Spiele unter Baumgart ausgenommen), hatte die Partie in Halle überhaupt nichts mehr zu tun – auch, wenn unter dem Strich nur ein Unentschieden steht. Endlich, wird man in Paderborn sagen, stimmen auch Einsatz und Wille. Zwei in der 3. Liga grundlegende Werte, die der Sportclub in der letzten Spielzeit, die bekanntlich mit dem sportlichen Abstieg endete, jedoch quasi nie zeigte. Natürlich war das Verspielen eines Drei-Tore-Vorsprungs in den letzten 15 Minuten naiv und fast schon ein Rückfall in ganz schlimme Zeiten, doch wie der SCP bis zum 2:4-Anschlusstreffer des HFC in der 74. Minute aufgetreten ist, macht viel Mut. Denn mit den pfeilschnellen Vorstößen über die Außenbahnen, dem Kurzpassspiel und der neuen Mentalität wird Paderborn noch viele Konkurrenten vor ernsthafte Probleme stellen – das hat sich am Samstag bereits eindrucksvoll gezeigt. Wenn jetzt noch in der Abwehr an den richtigen Stellschrauben gedreht wird, sollte einer ruhigen Saison im oberen Mittelfeld nicht mehr viel im Weg stehen.

 
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