Köllner im Interview: "Nach oben schielen wir bestimmt nicht"

Im Interview mit liga3-online.de spricht 1860-Trainer Michael Köllner über die Wintervorbereitung, Rückrundenziele, seinen Ruf als Talentförderer und das Auftaktspiel gegen Eintracht Braunschweig am Sonntag.

Transfers? "Kein Handlungsbedarf"

liga3-online.de: Am Sonntag beginnt für Ihr Team die zweite Saisonhälfte. Wie lief die Vorbereitung – insbesondere das Trainingslager in Spanien, Herr Köllner?

Michael Köllner: Die Vorbereitung lief reibungslos und das Trainingslager war klasse. Wir hatten in La Manga beste Bedingungen und konnten uns optimal auf die zweite Saisonhälfte vorbereiten.

Worauf wurde im Trainingslager der Fokus gelegt?

Wir haben weiter an unseren Spielsystematiken getüftelt, die ich unserem Team seit meinem Amtsantritt im November vermittele. Die beinhalten unser Umschaltspiel, unser Ballbesitzspiel und unser Spiel gegen den Ball. Wir haben die pflichtspielfreie Zeit in den vergangenen Wochen exzellent genutzt, um uns in verschiedenen Bereichen weiterzuentwickeln.

Sie gelten als Talentförderer und wurden Ihrem Ruf zum Start der Wintervorbereitung einmal mehr gerecht, als Sie mit Maxim Gressler einen 16-Jährigen mittrainieren ließen. Wie war Ihr Eindruck von ihm?

Sehr gut. Er war ja nicht der einzige Spieler aus unserem Nachwuchsleistungszentrum, der mittrainiere durfte. Auch der 18-jährige Ahanna Agbowo aus der U19 hat es gut gemacht. Beide Spieler konnten der hohen Belastung im Profitraining standhalten.

Wir gehen davon aus, dass Sie ein Freund davon sind, sehr junge Spieler bereits früh bei den Profis mit ins Boot zu nehmen. Was hat das für Vorteile?

Pauschal würde ich gar nicht sagen, dass ich ein Freund davon bin. Es kommt neben einigen anderen Faktoren darauf an, wie talentiert ein Nachwuchsspieler ist. Bei hochtalentierten Spielern kann es sinnvoll sein, früh neue Impulse zu setzen und sie bereits an den Profibereich heranzuführen. So zeigt man ihnen auch, dass man sie wertschätzt und sie im Verein eine gute Perspektive haben. Ist ein Nachwuchsspieler in der Entwicklung aber noch nicht so weit, muss er nicht unbedingt schon mit 16 oder 17 bei den Profis trainieren.

Es gab in der Winterpause weder Zu- noch Abgänge. Wieso?

Wir sind zufrieden mit unserem Kader und haben keinen Handlungsbedarf gesehen. Außerdem waren wir bisher erfolgreich und mussten noch keine Niederlage hinnehmen (zwei Siege, drei Remis seit Amtsantritt von Köllner, Anm. d. Red.). Wenn überhaupt geben wir noch Spieler ab, unser Kader ist sehr groß.

 

"Klassenverbleib bleibt das Ziel"

Fünf Spiele, keine Niederlage: Wie haben Sie es geschafft, der Mannschaft in so kurzer Zeit Stabilität zu verleihen?

Wichtig war, den Spielern von Anfang an Vertrauen zu schenken. Außerdem wäre es falsch gewesen, im Spielsystem von jetzt auf gleich alles zu verändern. Ich habe immer wieder kleinere Dinge gefordert, die einfach umzusetzen waren. So konnten wir Stück für Stück neue Impulse setzen, Prozesse ansteuern und auf die neuen Spielsystematiken hinarbeiten. Ein wenig Matchglück war natürlich auch dabei, anders geht es in dieser ausgeglichenen Liga nicht.

Müssen sich Ihre Gegner – nachdem Sie nun eine komplette Vorbereitung mit der Mannschaft hatten – nun noch mehr vor den Löwen fürchten?

(lacht) Nein. Erst einmal war die Winterpause recht kurz, ich würde eher von einer verlängerten Länderspielpause sprechen. Und die anderen 19 Mannschaften steckten ja nicht im Winterschlaf, sondern haben ebenfalls hart gearbeitet. Dennoch werden wir natürlich versuchen, an die jüngsten Leistungen aus dem letzten Jahr anzuknüpfen und unsere Serie fortzusetzen.

Der TSV 1860 rangiert auf Platz zehn, Relegationsplatz drei ist gerade einmal vier Zähler entfernt. Schielen Sie nach oben oder sehen Sie eine Platzierung in der oberen Tabellenhälfte schon als großen Erfolg an?

Wenn wir die Saison auf Platz zehn beenden würden, wäre das ein riesiger Erfolg für uns. Wir haben uns ein Polster von neun Punkten auf die Abstiegsränge erarbeitet und wollen es nun weiter ausbauen. Ziel bleibt einzig und allein, den Klassenverbleib so früh wie möglich sicherzustellen und unser Saisonziel, eine sorgenfreie Saison zu spielen, zu erreichen. Nach oben schielen wir bestimmt nicht.

Los geht es gegen Eintracht Braunschweig – einen der großen Aufstiegsaspiranten. Wie schätzen Sie den Gegner ein?

Die Eintracht gehört zu den Top-Teams der 3. Liga und hat sich in der Winterpause namhaft verstärkt. Torjäger Marvin Pourié ist letzte Saison im Trikot des Karlsruher SC mit 22 Toren Torschützenkönig geworden und wird die Mannschaft bereichern. Mit Merveille Biankadi haben sie außerdem einen qualitativ sehr guten Mittelfeldspieler vom 1. FC Heidenheim ausgeliehen. Wir müssen unseren besten Fußball zeigen und brauchen einen perfekten Tag, um Braunschweig zu bezwingen.

   
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