Klingenburg: "Will endlich beweisen, was ich drauf habe"

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Im Interview mit liga3-online.de spricht Münsters Neuzugang René Klingenburg über seine große Chance beim SC Preußen, gescheiterte Profiversuche bei seinem Ausbildungsverein Schalke 04, zwei Monate in Australien und das Auftaktspiel bei Fortuna Köln.

"Auf dem Papier war ich Profi, im Kopf nicht"

liga3-online.de: Nach einigen Jahren in der 4. und 5. Liga bei der U 23 Ihres Ausbildungsvereins FC Schalke 04, bei Viktoria Köln und bei Rot Weiss Ahlen ist Preußen Münster Ihre erste Station im Profibereich. Eine große Chance für Sie, oder Herr Klingenburg?

René Klingenburg: Das ist es auf jeden Fall. Ich freue mich, dass es mit dem Wechsel geklappt hat und bin davon überzeugt, dass ich genug Qualität habe, um der Mannschaft weiterzuhelfen.

Dabei hatte es schon viel früher danach ausgesehen, dass Sie Profi werden. Beim FC Schalke 04 wurden sie 2012 Deutscher A-Junioren-Meister und erhielten einen Profivertrag. Wieso hat es damals nicht gereicht, um sich in der Bundesliga-Mannschaft durchzusetzen?

Ich hatte fußballerisch zwar das Zeug dazu, um bei Schalke sofort durchzustarten, aber ich war vom Kopf her noch nicht so weit. Auf dem Papier war ich Profi, im Kopf nicht. Ich habe mich neben dem Fußball mit vielen anderen Dingen beschäftigt und war etwas aufmüpfig. Wenn du dann als so junger Spieler Angebote vom FC Bayern sowie vom AC Milan bekommst und einen Profivertrag bei Schalke 04 unterschreibst, ist es nicht einfach, damit richtig umzugehen. Ich habe das nicht geschafft. Mittlerweile ist mir klar, dass damals meine Zeit einfach noch nicht gekommen war. Es ging für mich erst einmal darum, mich menschlich weiterzuentwickeln und zu reifen.

Sie versuchten nach Ihrer Zeit beim Viertligisten Viktoria Köln auch Ihr Glück in Australien. Nach nur zwei Monaten kehrten Sie aber zurück. Wieso ging es dorthin und warum kamen Sie so schnell wieder nach Deutschland?

Nach Australien bin ich gereist, um Abstand zu gewinnen. Ich wollte reflektieren, wieso ich es bis zu diesem Zeitpunkt nicht geschafft hatte, über die 4. Liga hinaus zu kommen. In Sydney hatte ich viel Zeit, nachzudenken und mir zu überlegen, was alles falsch lief. Beim Zweitligisten Sydney Olympic FC konnte ich mich fit halten. Dort hätte ich dann auch einen Vertrag unterschreiben können. Aber das war dann der Zeitpunkt, an dem ich dachte: Ich will nicht nach meiner Karriere zurückblicken und mir vorwerfen, in Deutschland nicht alles für eine erfolgreiche Laufbahn gegeben zu haben. Ich entschied mich dazu, zurückzukehren und lege seitdem eine ganz andere Einstellung an den Tag. Ich verspüre wieder den Ehrgeiz als Fußballer, mit dem ich als Nachwuchsspieler Deutscher Meister geworden bin.

Sie wechselten dann aber wieder in die 4. Liga und landeten bei Rot Weiss Ahlen, obwohl Sie auch andere Angebote aus höheren Ligen hatten. Was war der Grund dafür?

In Ahlen hat das Gesamtpaket gepasst. Ich konnte neben dem Fußball eine Ausbildung als Sport- und Fitnesskaufmann beginnen und stand wieder voll im Leben. Auch, wenn andere den Kopf geschüttelt haben, weil ich Angebote aus der 3. Liga ausgeschlagen habe: Es war für mich der richtige Weg, zunächst einmal zurück in die Regionalliga zu gehen.

 

"Haben mehr Qualität als Köln"

Lange blieben Sie aber nicht in Ahlen!

Das stimmt. Als ich die Möglichkeit bekam, noch einmal nach Schalke zu wechseln, musste ich nicht lange überlegen. Es ist nicht selbstverständlich, bei seinem Heimatverein noch einmal die Chance zu erhalten, sich zu beweisen. Ich musste zwar vorerst meine Ausbildung abbrechen, konnte aber wieder unter Profibedingungen trainieren und meine Karriere als Fußballer in der U23 von S04 weiter vorantreiben.

Hatten Sie die Hoffnung, in den Bundesliga-Kader aufzurücken?

Natürlich war das mein Traum und dafür habe ich hart gearbeitet. Leider hat es aber erneut nicht gereicht. In Münster will ich jetzt meine Chance nutzen und endlich beweisen, was ich drauf habe.

In der 3. Liga spielen viele große Vereine wie der 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig oder der Karlsruher SC. Was ist mit Münster in der anstehenden Saison drin?

Wir haben eine junge Mannschaft mit viel Qualität. In der Vorbereitung sind wir bereits sehr eng zusammengerückt und ich habe ein gutes Gefühl. Wo wir am Ende landen, ist aber schwer zu prognostizieren. Dafür ist die Liga zu ausgeglichen. Wichtig ist erst einmal, dass wir gut aus den Startlöchern kommen.

Zum Auftakt gastiert der SC Preußen am Samstag bei Fortuna Köln. Die Fortuna kennen Sie aus Ihrer Zeit bei Viktoria Köln. Worauf wird es ankommen, um einen gelungenen Saisonbeginn zu feiern?

Ich erwarte ein leidenschaftliches Spiel auf Augenhöhe, in dem viel Feuer drin ist. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir mehr Qualität haben. Es kommt aber vor allem auf die Einstellung an. Wer den Sieg mehr will, geht auch als Gewinner vom Platz.

 

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