KFC Uerdingen: Gläubiger stimmen Insolvenzplan zu

Gute Nachrichten für den KFC Uerdingen: Im Rahmen eines Abstimmungstermins am Donnerstag haben alle anwesenden Gläubiger dem Insolvenzplan zugestimmt. Somit kann das Insolvenzverfahren in Kürze abgeschlossen werden, danach wären die Krefelder schuldenfrei und könnten zumindest aus finanzieller Sicht in eine bessere Zukunft schauen.

Gläubiger erhalten bis zu 17,4 Prozent

9,9 Millionen Euro! Auf diese Summe hatte sich der Schuldenberg des KFC Uerdingen nach Jahren der Misswirtschaft unter Investor Mikhail Ponomarev angehäuft. Den größten Außenposten gab es nach "Kicker"-Angaben bei den Kranken- und Sozialkassen (2,6 Millionen Euro), auch ehemaligen Angestellten schuldete der KFC noch 2,4 Millionen Euro – darunter etwa Heiko Vogel, Stefan Krämer und Kevin Großkreutz. Gehen beim Amtsgericht in den nächsten zwei Wochen keine Einsprüche gegen den Insolvenzplan ein, ist dieser rechtskräftig, sodass das Verfahren bis Ende Mai 2021 abgeschlossen werden kann und der KFC anschließend schuldenfrei ist. Die insgesamt 172 Gläubiger erhalten aus der Insolvenzmasse bis zu 17,4 Prozent ihrer Forderungen, der Rest verfällt. Eine Ablehnung des Insolvenzplans hätte zu einer Zerschlagung geführt und wäre wohl mit dem Abstieg einhergegangen. "Wir freuen uns über das positive Votum der Gläubiger und die breite Unterstützung des Sanierungsplans", sagte Insolvenzverwalter Dr. Claus-Peter Kruth.

Zu den Gläubigern gehören auch 1860 München, der MSV Duisburg, der Düsseldorfer Stadionbetreiber D.Live – sowie der Bund. Dabei ging es um Corona-Hilfen in Höhe von 770.000 Euro, die der KFC möglicherweise zu Unrecht erhalten haben könnte. Der Hintergrund: Kruth war laut der "Westdeutschen Zeitung" zu dem Schluss gekommen, dass den Verantwortlichen die Zahlungsunfähigkeit der KFC Uerdingen 05 Fußball GmbH schon weit vor dem März des vorigen Jahres bewusst gewesen sein soll. Allein im Kalenderjahr 2020 soll der KFC ein Minus von 7,7 Millionen Euro verbucht haben, im Bereich "Personalaufwand Spielbetrieb" gab der Klub 7,8 Millionen Euro aus. Demnach sei die Liquidität "bereits vor Ausbruch der Pandemie nicht deckend" gewesen, die durch die Corona-Pandemie ausbleibenden Einnahmen im Vergleich zum Jahresbudget seien als "gering" anzusehen. Entsprechend könne die "evidente Liquiditätslücke" nicht darauf zurückgeführt werden. Den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellte die KFC allerdings erst am 21. Januar diesen Jahres.

Gelingt der Klassenerhalt?

Kruth kam im Rahmen des Insolvenzplans zu der Erkenntnis, dass der KFC insbesondere "von der Finanzierung durch (…) den Investor Mikhail Ponomarev abhängig" gewesen sei. Sponsoreneinnahmen hätten demnach nichtmal zehn Prozent des Etats ausgemacht. "Regelmäßig" seien Budgets überschritten worden – auch weil dem KFC kein eigenes Stadion zur Verfügung stand. Zwar konnte sich der KFC durch eine Patronatserklärung (Liquiditätszusicherung durch Dritte) seitens Ponomarev sicher sei, dass dieser den Großteil der Finanzierung für den Spielbetrieb übernimmt, feste Zahlungstermine soll es allerdings nie gegeben haben. Und da in der Vereinbarung zwischen dem ehemaligen Investor und dem KFC kein Kündigungsrecht vorliege, habe Ponomarev laut des Insolvenzverwalters für "alle Verbindlichkeiten einzustehen". Offenbar soll Ponomarev bis zu 1,5 Millionen Euro an den KFC zahlen. Auch von Spielern hat der Insolvenzverwalter Geld zurückgefordert, weil davon auszugehen sei, dass sie von der finanziell katastrophalen Lage Kenntnis gehabt hätten. Auch vom Finanzamt Krefeld soll Kruth fast 500.000 Euro zurückerhalten haben.

Während es aus finanzieller Sicht nun eine Perspektive für den KFC gibt, ist die sportliche Zukunft noch nicht geklärt. Derzeit belegt der KFC den ersten Abstiegsplatz, hat aber nur einen Punkt Rückstand auf das rettende Ufer. Am Samstag kommt es zum Sechs-Punkte-Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern, anschließend warten noch Magdeburg und Mannheim. Unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit ist aber bereits klar, dass der KFC auch in der kommenden Saison in ein fremdes Stadion umziehen muss, da die Grotenburg aufgrund des Umbaus frühestens im Februar 2022 bespielbar sein wird. Investor Roman Gevorkyan hat derweil angekündigt, den Klub auch im Abstiegsfall finanziell unterstützen zu wollen.

   
  • Theo Berlin

    Wie ist das eigentlich mit den Beiträgen zu den Krankenkassen und Sozialkassen, wie z.B. der Berufsgenossenschaft? Dort sollen dem Bericht zufolge insgesamt 2,6 Mio. EUR Rückstände bestanden haben. Haben diese sich jetzt auch bereit erklärt, lediglich 17,4% der Schuldsumme zu kassieren? Das wäre dann ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht aller redlich wirtschaftenden Vereine und Unternehmen. Was sagt denn der DFB dazu?

  • HowdyM

    Ganz ehrlich, ich mag die Bayern nicht und II. Mannschaften sollten nicht in der dritten Liga spielen dürfen. Aber in der derzeitigen Situation hoffe ich, dass es die Bayern noch schaffen und die beiden Pleitevereine noch da unten reingeschossen werden….

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