Überraschende Kehrtwende bei Türkgücü: Kivran bleibt doch

Überraschende Kehrtwende und erneuter Paukenschlag bei Türkgücü München: Investor und Präsident Hasan Kivran hat seine Entscheidung, den Verein verlassen zu wollen, revidiert. Nach "intensiven Gesprächen" mit der Geschäftsführung des Vereins sei Kivran von einem Verbleib bei Türkgücü München "überzeugt worden", teilte der Klub am Samstag mit. 

Kivran äußert sich

Damit ist die finanzielle Zukunft des ambitionierten Aufsteigers vorerst gesichert. "Die Vereinsführung, die große Unterstützung der Fans sowie infrastrukturelle Fortschritte haben mich meine Entscheidung noch einmal überdenken lassen", erklärt Kivran in einem Statement. "Meine nach wie vor hohe Begeisterung und Leidenschaft für diesen Verein steht außer Frage." Was der 54-Jährige mit "infrastrukturellen Fortschritten" meint, erklärt er bei "Sport1". Demnach habe die Stadt ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) im Südosten von München in Aussicht gestellt. "Ich rede seit drei Jahren mit der Stadt. Eins ist klar: Ohne NLZ kommst du nicht hoch, und wir wollen aufsteigen. Ich habe immer gesagt, dass ich nicht der Verwalter, sondern der Entwickler dieses Vereins bin." Nachdem Türkgücü "lange Zeit mit dem Kopf gegen die Wand gelaufen" sei, "scheint es eine ernst zu nehmende Bereitschaft von der Stadt zu geben, dass wir endlich ein Gelände bekommen. Dort soll dann auch die erste Mannschaft trainieren", so der Türkgücü-Boss.

Am 23. Dezember war bekannt geworden, dass Kivran seine Anteile an der Türkgücü München Fußball GmbH verkaufen will. Entsprechend ungewiss war die Zukunft des Klubs in den letzten Wochen. Eine mögliche Insolvenz oder gar die Einstellung des Spielbetriebs sind durch Kivrans Verbleib nun vom Tisch.

Kothny erleichtert

Geschäftsführer Max Kothny, der zuletzt fieberhaft nach einem neuen Geldgeber suchte, zeigt sich erleichtert: "Während wir Gespräche mit Interessenten an den Anteilen der GmbH geführt haben, war es unsere und auch meine oberste Priorität, die Zusammenarbeit mit Hasan Kivran weiterhin aufrecht zu erhalten. Ich bin froh, dass er sich durch positive Signale aus dem gesamten Vereinsumfeld dazu entschieden hat, den Verein weiterhin zu unterstützen." In den Gesprächen sei klar geworden, "wie sehr ihm der Verein am Herzen liegt". Die Aussichten der Stadt nach einer geeigneten Trainingsanlage stimmen Kothny zuversichtlich, "dass das Projekt Türkgücü München auch in den nächsten Jahren Erfolg haben wird".

Dennoch liege nun "viel Arbeit" vor dem Klub, blickt Kothny voraus. "Lobend möchte ich den Support der Fans erwähnen, die in den letzten Wochen stets einen Lichtblick gegeben haben. Diese ist unabdingbar und muss in dieser Form aufrechterhalten bleiben." Kivran ist im Januar 2016 bei Türkgücü eingestiegen und übernahm 89 Prozent der Anteile. Unter der Regie des 54-Jährigen schafften die Münchner zwischen 2018 und 2020 den direkten Durchmarsch von der sechstklassigen Landesliga in die 3. Liga.

Klub nicht verschuldet

Verschuldet sei der Klub derweil nicht, wie Kivran bei "Sport1" erklärt: "Es gibt ein negatives Ergebnis aus dem vergangenen Geschäftsjahr – da war der Aufstieg in die 3. Liga – dieses beträgt 1,9 Millionen Euro. In der laufenden Saison sind es bisher zwei Millionen Euro." Allerdings seien die negativen Ergebnisse durch gezeichnetes Eigenkapital beziehungsweise Einlagen in die Kapitalrücklage gedeckt. Zwischenzeitlich, so der 54-Jährige, habe die GmbH über 2,2 Millionen Euro Eigenkapital verfügt.

Die Liquiditätslücke in siebenstelliger Höhe will der Klub nun fristgerecht zum 21. Januar schließen. "Das wird in den nächsten Tagen geschehen", so Kivran. Während mit Emre Kurt nach Tom Boere, Thomas Haas, Marco Holz und Marco Raimondo-Metzger ein weiterer Abgang feststeht, soll der Kader bis Ende Monats noch mit zwei, drei Zugängen verstärkt werden, kündigt der Türkgücü-Boss an. Bei einem Spiel weniger liegt der Aufsteiger derzeit nur drei Punkte hinter dem Relegationsplatz. Gelingt am Ende der direkte Durchmarsch in die 2. Bundesliga? Das Heimspiel gegen Tabellenführer Dynamo Dresden am Montagabend wird zur Standortbestimmung.

 
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