Kaufmann: "Sind jetzt nur noch schwer zu schlagen"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Würzburgs Leistungsträger Fabio Kaufmann über den Positivlauf der Kickers, regelmäßige Leistungssteigerungen in der Rückrunde und die kommenden Duelle gegen Mannheim und Meppen.

"Eine gewisse Euphorie"

liga3-online.de: Vier Siege aus den letzten fünf Spielen, darunter der 6:0-Kantersieg in Großaspach. Es läuft bei den Kickers, Herr Kaufmann!

Fabio Kaufmann: Wir sind sehr gut drauf. Nach dem starken Abschluss der ersten Saisonhälfte mit zwei Siegen und einem Remis konnten wir im neuen Jahr an diese Leistungen anknüpfen. Wir sind noch einen Tick effektiver geworden und erspielen uns insgesamt mehr Chancen. Derzeit gibt es wirklich nicht viel zu meckern.

Zuletzt gab es einen 2:1-Erfolg beim FSV Zwickau, obwohl die Gastgeber bis zur 84. Minute in Führung gelegen hatten. Wie haben Sie es geschafft, die Partie noch zu drehen?

Es war ein schweres Spiel bei einem ekligen Gegner, der sehr zweikampfbetont spielt. Dass wir durch eine Halbchance früh in Rückstand geraten sind, hat die Aufgabe natürlich nicht einfacher gemacht. Eine solche Möglichkeit nutzt glaube ich auch nur Ronny König. (lacht) Danach haben wir versucht, uns nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und mit vielen Ballbesitzphasen Zwickau aus der Reserve zu locken. Uns ist dann mit erhöhtem Tempo gelungen, den Gegner unter Druck zu setzen und spät den Ausgleich zu erzielen. Dass wir dann die Begegnung kurz vor Abpfiff sogar noch drehen konnten, war sicher etwas glücklich. Insgesamt haben wir uns damit aber wieder für unseren Aufwand belohnt.

Plötzlich beträgt der Rückstand auf die Spitze nur noch vier Zähler, Platz sieben steht zu Buche. Wie groß ist die Euphorie in Würzburg?

Unabhängig davon, wo wir gerade in der Tabelle stehen: Wenn man seit so vielen Wochen fast nur noch gewinnt, pusht einen das enorm. Die Stimmung in der Mannschaft ist fantastisch und es herrscht auch eine gewisse Euphorie – sowohl im Team als auch im Vereinsumfeld. Dennoch sollten wir weiterhin kleine Brötchen backen. Wir waren diese Saison auch schon Vorletzter und wissen, wie schnell es in der 3. Liga auf- und abwärts gehen kann.

Nach den letzten beiden Spielzeiten, die Würzburg jeweils auf Rang fünf beendete, ist der Aufstieg aber schon Thema, oder?

Es hilft uns nichts, darüber zu sprechen. Klar ist, dass wir das Ziel verfolgen, uns jedes Jahr zu verbessern. 2018 sind wir Fünfter geworden und aus dem bayerischen Landespokal ausgeschieden. 2019 wurde es Platz fünf und der Sieg im Landespokal. Der nächste Schritt wäre, in der Liga weiter oben zu landen. Dass wir das Potential dazu haben, wissen wir.

 

"Nie so nah an der Spitze dran"

Auffällig ist, dass Würzburg regelmäßig eine deutlich bessere Rückserie spielt. 2017/18 holten die Kickers in der zweiten Saisonhälfte elf Zähler mehr, 2018/19 waren es neun Punkte mehr. Jetzt ist Würzburg mit 14 Zählern nach gerade einmal sieben Begegnungen zweitbestes Rückrundenteam. Wie erklären Sie sich das?

Das hat denke ich mehrere Gründe. Es gab in den letzten Jahren im Sommer viele Kaderveränderungen, teilweise auch erst kurz vor Saisonstart. Um unsere Spielphilosophie, die auf offensivbetonten, attraktiven Fußball ausgerichtet ist, zu verinnerlichen, braucht es Zeit. Hinzu kommt, dass sich Neuzugänge aus der Regionalliga erst einmal in der 3. Liga akklimatisieren müssen. Es ist schon eine riesige Umstellung, wenn man vorher noch nie in der 3. Liga aktiv war. Da geht’s dann für einige Spieler erstmals richtig zur Sache. Nach einem halben Jahr hat man sich an den Spielstil in der Liga gewöhnt, wir als Team kennen uns besser und sind ein eingeschworener Haufen. Jetzt – ist in dieser Phase der Saison – sind wir nur noch schwer zu schlagen.

Auch für Sie persönlich läuft es blendend, mit acht Toren und neun Vorlagen sind Sie Top-Scorer der Kickers. Zuvor waren Sie nie als Torjäger in Erscheinung getreten, in 83 Drittliga-Partien kamen Sie auf fünf Treffer zehn Assists. Warum sind Sie auf einmal so torgefährlich?

Das mag zwar wie eine Floskel klingen, aber meine Mitspieler machen mich so stark. Das Mannschaftsgefüge passt und wir haben ein Top-Team, in dem ich meine Qualitäten optimal einbringen kann. Ein weiterer Grund ist, dass ich endlich konstant auf einer Position eingesetzt werde. Ich weiß, dass ich so gut wie immer auf der rechten offensiven Außenbahn spiele und kann mich deshalb perfekt darauf einstellen. Bei früheren Vereinen, wie zum Beispiel Erzgebirge Aue, war ich hin und wieder auch Rechtsverteidiger. Zunächst einmal ist es von der Position aus grundsätzlich schwieriger, Torgefahr auszustrahlen. (lacht) Außerdem ist es dann auch nicht leicht, eine gewisse Routine reinzubekommen. Dieses Problem habe ich jetzt nicht mehr.

Für Würzburg folgen nun Duelle gegen Waldhof Mannheim und den SV Meppen – zwei Teams, die ebenfalls gut drauf sind und oben mitmischen. Sind das Ihrer Meinung nach richtungsweisende Partien?

Absolut. Wenn wir auch gegen diese beiden Teams gut punkten, beißen wir uns oben fest und lassen die untere Tabellenregion komplett hinter uns. Uns ist bewusst, dass wir in den letzten Jahren nie so nah an der Spitze dran waren, wie wir es jetzt sind. Wir haben es in der eigenen Hand, heranzurücken und geben alles dafür, das zu schaffen.

Mannheim ist Dritter, Meppen Vierter. Überrascht Sie die starke Saison Ihrer beiden kommenden Gegner?

Man hatte als Aufstiegsfavoriten eher Vereine wie den 1. FC Kaiserslautern oder Eintracht Braunschweig im Kopf. Dass Klubs wie Mannheim und Meppen nun oben stehen, zeigt einmal mehr, wie eng und spannend die 3. Liga ist und was mit großem Teamspirit alles möglich sein kann. Beide Teams zeichnet ihre Geschlossenheit aus.

   
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