Kammerknecht im Interview: "Zeigt, wie verrückt Fußball sein kann"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Claudio Kammerknecht von Dynamo Dresden über seine neu entdeckten Torjägerqualitäten, das hitzige Duell beim Aufsteiger Rot-Weiss Essen und seinen Karrieresprung zum Nationalspieler unter der australischen Fußballikone Tim Cahill.

"Schweißt eine Mannschaft noch mehr zusammen"

liga3-online.de: Das jüngste Heimspiel gegen den VfL Osnabrück hat die SG Dynamo Dresden trotz zwischenzeitlichem 0:2-Pausenrückstand noch für sich entschieden. Was war der Funke, der die Mannschaft in der zweiten Halbzeit noch einmal angetrieben hat, Herr Kammerknecht?

Claudio Kammerknecht: Einen richtigen Funken gab es auch in der Halbzeitpause gar nicht. Der Trainer war mit unserer Leistung im ersten Durchgang schon zufrieden. Einzig die letzte Konsequenz vor dem Tor hat gefehlt. Das ist uns im zweiten Durchgang dann auch gelungen. Danach haben wir uns mit den Fans im Rücken in einen Rausch gespielt.

Sind Spiele wie Osnabrück am Ende einer Saison rückblickend vielleicht genau diese Schlüsselmomente, die eine erfolgreiche Saison krönen?

Das könnte in der Tat so ein Spiel sein. Wenn man nach so einem Rückstand wieder zurückkommt, dann schweißt es eine Mannschaft noch mehr zusammen. Wir sind uns bewusst, dass wir in der Woche zuvor bei der SpVgg Bayreuth nicht unser bestes Gesicht gezeigt haben. Dennoch waren wir in der Lage, immerhin noch einen Punkt mitzunehmen, sodass wir jetzt seit sechs Spielen ungeschlagen sind. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

Sie selbst haben den 3:2-Siegtreffer gegen Osnabrück beigesteuert. Mit Ihrem dritten Saisontreffer sind Sie hinter Ahmet Arslan zweitbester Torschütze der SGD – und das in bester Torjägermanier. Wie fühlt sich der neuentwickelte Torriecher an?

Eigentlich wollte ich durch meinen Lauf in die Tiefe nur den Raum für meine Mitspieler frei machen. Als der Ball dann aber auf mich kam, war es die einzige Möglichkeit, die Kugel mit der Hacke noch auf das gegnerische Tor zu bekommen. Umso schöner ist es, dass der Ball dann auch reingegangen ist. Dass ich nun bereits drei Tore auf dem Konto habe, ist einfach verrückt. In der vergangenen Spielzeit hatte ich kein einziges Tor markiert, nun sind es nach elf Spielen schon drei Treffer. Das zeigt, wie verrückt der Fußball manchmal sein kann.

Seit Ihrem Wechsel von der U23 des SC Freiburg im Sommer sind Sie in Dresden eine feste Größe. Hätten Sie vor der Saison damit gerechnet, einen solchen Traumstart zu erwischen?

Um ehrlich zu sein, habe ich nicht wirklich damit gerechnet, auf Anhieb in der Innenverteidigung gesetzt zu sein. Ich bin – auch wegen meiner drei Tore – mehr als zufrieden mit meinen Leistungen und dankbar, wie es in der bisherigen Spielzeit gekommen ist.

 

"Mit dem Punkteschnitt können wir nicht vollends zufrieden sein"

Nun steht am Samstag (14 Uhr) das Gastspiel beim Aufsteiger Rot-Weiss Essen auf dem Programm. Erneut volles Haus – diesmal allerdings größtenteils in rot und weiß. Ein ungewohntes Bild?

Für mich persönlich ist es gar nicht mal so ungewohnt. Mit der U23 des SC Freiburg habe ich in der letzten Saison auswärts schon regelmäßig vor größeren Kulissen gespielt. Dennoch stehen wir nun in Essen vor einem sehr interessanten und vor allem auch intensiven Auswärtsspiel.

Auch die Formkurve der Essener zeigte zuletzt nach oben. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Rot-Weiss Essen hat sich in den vergangenen Wochen nach und nach in die Liga reingekämpft. Ich rechne mit einem hart umkämpften Spiel auf beiden Seiten. Sowohl kämpferisch als auch läuferisch müssen wir mit allen Mitteln gegen schwierig zu bespielende Essener dagegenhalten. Unser Ziel ist aber klar: Wir wollen auch auswärts unsere Stärken auf den Platz bringen und die drei Punkte mit nach Dresden nehmen.

Ein knappes Drittel der Saison ist absolviert. Wie bewerten Sie die bisherige Spielzeit?

Zu Beginn der Saison war es ein Auf und Ab, bis wir zuletzt etwas Konstanz in unser Spiel gebracht haben. Wir hatten uns das Ziel gesetzt, den Fokus auf die defensive Arbeit zu legen. Nun hatten wir in Osnabrück sowohl die Defensivarbeit als auch unseren Angriff im Einklang. Darauf können wir in den nächsten Wochen aufbauen. Mit dem aktuellen Punkteschnitt können wir allerdings nicht vollends zufrieden sein. Dafür haben wir in einigen Begegnungen unnötig Punkte liegen gelassen.

Seit einigen Wochen sind Sie außerdem Nationalspieler von Sri Lanka. Wie haben Sie die Zeit bei der Nationalmannschaft unter Trainer und früheren Premier League-Profi Andy Morrison sowie Sportdirektor und australische Fußballikone Tim Cahill erlebt?

Es war eine sehr interessante Zeit mit der Nationalmannschaft. Vor allem war es ein besonderes Erlebnis, mit Spielern aus aller Welt gemeinsam auf dem Platz zu stehen. Dass wir dann unter Fußballikonen wie Andy Morrison und Tim Cahill trainieren durften, ist natürlich eine ganz besondere Erfahrung.

Hat der Aufenthalt in Katar mit der Nationalmannschaft Lust auf mehr Einsätze geweckt?

Ja, auf jeden Fall. Besonders die Fußballer aus Sri Lanka haben mich positiv überrascht. Auch wenn sie keine fußballerische Grundausbildung genossen haben wie wir in Deutschland, war das Niveau deutlich höher als ich erwartet habe. Von daher freue ich mich auf weitere Einsätze mit der Nationalmannschaft.

Sie stehen mit Ihren 23 Jahren noch am Anfang Ihrer Kariere. Was wollen Sie unbedingt mal erreichen?

Mir fällt es nicht leicht, im Fußball langfristige Ziele zu formulieren. Dafür gibt es zu viele Faktoren, die weitsichtige Planungen durchkreuzen können. Auf kurzer Strecke will ich mit der SG Dynamo Dresden eine gute Saison spielen. Dabei rede ich aber noch lange nicht vom Aufstieg. Dafür ist die Saison noch viel zu jung. Primäres Ziel ist es, noch mehr Konstanz in unsere Ergebnisse zu bringen.

   
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