Justin Eilers im Interview: "Mental war ich am Ende"

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Im Interview mit liga3-online.de spricht Justin Eilers, Neuzugang bei den Sportfreunden Lotte, über seine schwierigen letzten Monate in der 1. Liga Griechenlands, seine Rückkehr nach Deutschland, seinen Fitnesszustand und seine Ziele.

"Die schwierigste Zeit meiner Karriere"

liga3-online.de: Nach nur einem halben Jahr in der 1. Liga in Griechenland bei Apollon Smyrnis sind Sie nun zurück in Deutschland. Wie würden Sie die letzten Monate beschreiben, Herr Eilers?

Justin Eilers: Als die schwierigste Zeit in meiner bisherigen Karriere. In diesem Verein herrscht pures Chaos. Ein so unprofessionelles Verhalten habe ich wirklich noch nie erlebt.

Erzählen Sie uns mehr.

Nach der frühen Trennung von Trainer Valérien Ismaël (nach dem ersten Spiel, Anm. d. Red.) hatten die Spieler, die Ismaël geholt hatte, keine Chance mehr. Bei den meisten dieser Spieler wurde der Vertrag auf Anhieb vorzeitig aufgelöst. Ich dagegen blieb und durfte dann monatelang nicht mit der Mannschaft trainieren. Ich absolvierte auf Anweisung separate Einheiten, die entweder früh morgens oder nach dem Mannschaftstraining stattfinden. Außerdem wurde ich nicht mehr bezahlt. Das alles war reine Schikane, um auch mich dazu zu bewegen, meinen Vertrag aufzulösen und den Verein zu verlassen.

Sie haben ganz alleine trainiert?

Ja. Als Aufsichtsperson war nur noch der Co-Trainer dabei, damit der Klub rechtlich gesehen keine Probleme bekam.

Und was ist mit Ihrem Geld?

Darüber mache ich mir keine Sorgen. Ich habe einen Profivertrag unterschrieben und das Geld steht mir zu. Das wird mit der FIFA demnächst geklärt.

Insgesamt kann man also festhalten: Viel unglücklicher hätten Ihre sechs Monate in Griechenland nicht laufen können.

Das stimmt. Zu meiner Aussortierung und den ausstehenden Gehältern kam ja auch noch dazu, dass ich mich an der Hüfte verletzt habe und die medizinische Betreuung im Verein mangelhaft war. Deshalb habe ich jetzt enormen Fitnessrückstand und werde noch einige Wochen brauchen, bis ich wieder bei 100 Prozent bin.

Wie froh sind Sie darüber, dass Sie jetzt zurück in Deutschland sind?

Unbeschreiblich froh. Aus finanzieller Sicht hätte ich natürlich bleiben können, ich hatte einen lukrativen Vertrag. Mental war ich aber am Ende. Ich habe es dort nicht mehr ausgehalten, wollte endlich wieder aktiv sein und Fußball spielen. Das war in Griechenland nicht mehr möglich. Also habe ich mich dazu entschieden, nachzugeben, dem Verein den Wunsch der Vertragsauflösung zu erfüllen und auf viel Geld zu verzichten.

 

"Die Freude am Fußball zurückgewinnen"

Beim jüngsten 0:0 beim Halleschen FC gaben Sie Ihr Debüt für die Sportfreunde Lotte. Gab es noch weitere Vereine, die Sie im Winter verpflichten wollten?

Ich hatte einige Anfragen aus dem In- und Ausland. Es gab auch Gespräche mit anderen Vereinen aus der 3. Liga. Lotte war aber die beste Wahl in meiner jetzigen Situation.

Wieso?

Lotte gibt mir die Zeit, die ich brauche, um nach einem schlimmen halben Jahr den körperlichen und konditionellen Rückstand aufzuholen. Ich kann der Mannschaft zwar nicht sofort helfen. Aber sobald ich wieder fit bin, kann ich dem Team im Rennen um den Klassenverbleib eine große Hilfe sein. Und das wissen die Vereinsverantwortlichen. Es ist eine Win-Win-Situation.

In der 3. Liga kennen Sie sich bestens aus, 47 Tore in 100 Spielen für Dynamo Dresden, die U23 des SV Werder Bremen und Eintracht Braunschweig sind eine beachtliche Ausbeute. Was sind nun Ihre Ziele?

Zunächst einmal will ich nach fast zweieinhalb Jahren Abstinenz, in denen ich viel mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte, wieder Fuß fassen und zurück in die Spur kommen. Auch vor meiner Zeit in Griechenland hatte ich ja viel Pech, bei Werder Bremen fiel ich mit Kreuzband- und Innenbandriss, Leisten-, Muskel- und Hüftverletzungen ständig aus. Ich möchte die Freude am Fußball zurückgewinnen, wieder Spaß haben.

Ihr Vertrag läuft zunächst bis Juni. Wie geht es danach weiter?

Das wird man sehen. In Lotte geht es für mich in den kommenden Monaten erst einmal darum, zu beweisen, dass ich es immer noch drauf habe. Ich möchte die letzten Jahre hinter mir lassen und mich zurück ins Rampenlicht spielen.

   
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