Janßen: "Ich dachte: 'Hoffentlich verliere ich die Jungs nicht'"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Olaf Janßen, Trainer von Viktoria Köln, über die Wende in der Liga mit zuletzt vier Siegen in Folge, den Ansporn für einen weiteren Triumph im Mittelrheinpokal, die herausfordernde XXL-Winterpause und Inspirationen während der Weltmeisterschaft.

"Kaum Ausreißer nach unten"

liga3-online.de: Die 3. Liga befindet sich seit dem vergangenen Wochenende in der Winterpause. Nachdem es zuletzt so gut lief mit vier Siegen in Folge hätten sie sicherlich gerne weitergespielt, oder Herr Janßen?

Olaf Janßen: Da hätten wir sicherlich nichts dagegen gehabt. Jetzt aufzuhören, ist ärgerlich, weil wir nicht nur spielerisch und ergebnistechnisch auf einem sehr guten Weg waren, sondern auch die Jungs körperlich in einer hervorragenden Verfassung sind. Aber es ist nun mal so, dass die Weltmeisterschaft in diesem Jahr im Winter stattfindet. Schließlich sind es für aller Mannschaften die gleichen Bedingungen. Damit müssen wir leben.

Zwischenzeitlich wartete Viktoria Köln neun Spiele in Folge auf einen Sieg. Was sind die Gründe, dass es jetzt deutlich besser läuft?

Es gibt verschiedene Gründe, weswegen wir es aus dieser Ergebniskrise geschafft haben. Zum einen gab es in den bisherigen 17 Begegnungen kaum Ausreißer nach unten. Dass wir zwischenzeitlich so lange nicht gewonnen hatten, lag vor allem daran, dass wir einige Partien aus der Hand gegeben haben und am Ende den Platz nicht als Sieger – oder zumindest mit einem Zähler – verlassen haben. Ein weiterer möglicher Grund ist, dass es uns durch eine taktische Umstellung möglich war, in der Offensive mit drei Spielern zu agieren. Dafür haben wir unter anderem mit Jamil Siebert, Lars Dietz und Christoph Greger gute Defensivspieler, die eine solche Umstellung hinten auffangen konnten.

Wie versucht man als Trainer einem solchen Negativlauf mit sechs Unentschieden und drei Niederlagen entgegenzuwirken?

Ich muss gestehen, dass mir in dieser Situation auch mal Gedanken kamen wie: 'Hoffentlich verliere ich die Jungs nicht'. Wenn die Ergebnisse ausbleiben, fängt der eine oder andere schon mal an zu grübeln. Aber es war entscheidend, dass die Spieler an sich selbst glauben. Wir haben viele Einzelgespräche geführt und versucht, den Jungs noch mehr Überzeugung einzutrichtern.

Und dennoch haben es nur vier Teams in dieser Saison geschafft, Viktoria Köln zu besiegen. Woran liegt das?

Vor allem daran, dass wir einen gut besetzten Kader haben. In dieser Liga brauchen wir uns vor kaum einen Gegner zu verstecken. Wir wissen, dass die Mannschaften in dieser Liga extrem eng beieinander sind. Jeden Zähler, den wir auf dem Konto haben, mussten wir uns aber mit harter Arbeit verdienen.

 

"Eine herausfordernde Situation"

Während die meisten Klubs in der Pause sind, muss Ihre Mannschaft nachsitzen. Am Samstag (15.30 Uhr) steht im Rahmen des Achtelfinals im Mittelrheinpokal das Auswärtsspiel beim Oberligisten FC Pesch auf dem Programm. Eine klassische Pflichtaufgabe?

Für mich auf keinen Fall und ich hoffe doch für die Mannschaft auch nicht. (lacht) Unser Gegner wird sicherlich nicht mit Geschenken auf uns warten. Ganz im Gegenteil: Ich erwarte ein kampfbetontes Spiel, in dem der FC Pesch alles reinwerfen wird, um die Überraschung zu schaffen. Am Ende des Tages können wir auch nur schlecht aussehen und uns schlimmstenfalls blamieren. Damit dies aber nicht geschieht, gehen wir das Pokalspiel wie jede andere Partie in der Liga an. Welche Highlights ein möglicher Pokalsieg mit sich bringt, haben wir mit Begegnungen gegen die Bundesligisten FC Bayern München und zuvor der TSG Hoffenheim in den vergangenen Jahren selbst erlebt. Das sind Spiele, die die Jungs so schnell nicht vergessen.

Und danach kommt dann die XXL-Winterpause. Wie wollen Sie diese Phase bis zum Ligastart am 14. Januar füllen?

Es ist für alle Mannschaften in diesem Jahr eine neue Situation. Keiner weiß, welcher Weg der richtige ist. Wir haben uns dafür entschieden, bis zum 9. Dezember weiter auf dem Platz zu stehen und die guten Eindrücke der vergangenen Wochen zu nutzen. Danach dürfen die Jungs in die wohlverdiente Winterpause, müssen währenddessen aber noch paar Hausaufgaben erledigen. Nach den Feiertagen – um genau zu sein am 2. Januar 2023 – starten wir dann in die Vorbereitung auf die Restrunde. Bis zum ersten Spiel im neuen Jahr bleiben uns dann lediglich zwölf Tage. Es ist eine herausfordernde Situation.

Sie selbst waren auch schon unter Berti Vogts als Co-Trainer Aserbaidschans im Einsatz. Wie sehr werden sie die Weltmeisterschaft verfolgen?

Da wir nicht im Fließspielbetrieb sind, wird sich sicherlich die Möglichkeit bieten, die eine oder andere Partie zu verfolgen. Aus Trainersicht ist es eine gute Gelegenheit, sich Inspirationen auf höchstem Niveau zu holen. Vor allem die verschiedenen Spielweisen und -eindrücke der einzelnen Nationen können ganz neue Eindrücke liefern.

Neben Berti Vogts haben Sie auch weiteren Trainergrößen wie Falko Götz, Bruno Labbadia, Ewald Lienen und Jos Luhukay assistiert. Von wem haben Sie am meisten gelernt und wer hat sie am meisten geprägt?

Hinzu kommen noch 16 oder 17 Trainer, unter denen ich als aktiver Spieler trainiert habe. Von daher kann ich gar nicht den einen Coach herausfiltern, von dem ich am meisten gelernt habe. Bei jedem Einzelnen gab es Aspekte, die ich mir gerne abgeschaut habe. Es gab aber auch Trainingsmethoden, von denen ich selber nicht viel gehalten habe. Am Ende des Tages definiert sich ein Trainer ohnehin anhand der Erfahrungen, die er gesammelt hat. Umso mehr Fertigkeiten man mitnimmt, desto schneller kommt man bei seiner Arbeit als Trainer weiter.

   
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