"Ich muss jetzt reagieren": Dotchev sortiert acht Spieler aus
Als Reaktion auf die anhaltende Talfahrt der letzten Wochen und das Pokal-Aus bei Viertligist Großaspach greift Ulm-Coach Pavel Dotchev nun hart durch – und sortiert gleich acht Spieler aus.
"Nicht einfach so zur Tagesordnung" übergehen
Groß war sie, die Enttäuschung bei Dotchev über das Ausscheiden im Landespokal. Nachdem der 60-Jährige bereits unmittelbar im Anschluss an die Partie Alarm geschlagen hatte, legte er bei der Spieltags-Pressekonferenz am Donnerstag nochmal nach und betonte, nach dem Spiel am Vorabend und den Ereignissen der letzten Wochen "nicht einfach so zur Tagesordnung" übergehen zu wollen. Eine Formulierung, die Dotchev nicht allein als Floskel bemühte, sondern auch mit Leben füllte: "Wir haben uns dazu entschieden, ab heute in zwei Gruppen zu trainieren, um den Fokus für die letzten Spiele zu haben, qualitativ besser trainieren zu können und die letzte Chance wahrzunehmen."
Der erfahrene Coach machte klar, dass es ihm "sehr wichtig" sei, dass die Mannschaft ihr Gesicht bewahre und sich nicht ständig bei den Fans entschuldigen oder gar schämen müsse. Konkret betroffen ist eine Gruppe von "etwa acht Spielern", wobei Dotchev die Namen nicht nennen wollte, da die Spieler selbst noch nicht informiert worden seien. "Es wäre schlecht, wenn sie das von woanders erfahren."
"Ich sehe, dass etwas gemacht werden muss"
Die acht Akteure werden künftig in einer zweiten Trainingsgruppe mit der A-Jugend trainieren, die durch die Maßnahme gleichzeitig bestärkt werden soll. Wechsel zwischen beiden Gruppen seien im Endspurt laut Dotchev möglich, ebenso haben U19-Spieler die Chance, sich für den Profikader zu empfehlen. Zuletzt hatte Felix Vater den Sprung geschafft, ehe er sich verletzt hatte. Mittlerweile ist der 18-Jährige aber wieder fit. Wie Dotchev betonte, gehe es ihm bei der Maßnahme nicht darum, Spieler als "schwarzes Schaf" abzustempeln und sie zum Sündenbock zu machen. "Aber wir müssen reagieren und jetzt auch konsequent sein", so Dotchev, der eine zweite Trainingsgruppe im Winter mit deutlichen Worten ("Das ist nicht meine Art") noch ausgeschlossen hatte.
"Ich habe gedacht, dass wir das so hinkriegen, aber es ist der Zeitpunkt gekommen, dass man auch handeln muss. Ich mache das nicht gerne. Aber ich sehe, dass etwas gemacht werden muss. Wenn wir gestern gewonnen hätten, hätte ich diese Maßnahme nicht ergriffen", sagte Dotchev und räumte selbstkritisch ein: "Vielleicht habe ich sogar zu lange gewartet." Stammspieler müssen aber nicht fürchten, aussortiert zu werden: "Das, was ich bislang aufgebaut habe, möchte ich nicht auseinandernehmen. Es bringt nichts, wenn ich jetzt anfange, alles neu zu machen. Ich habe jetzt keinen einzigen Spieler draußen gelassen, weil er zu gut ist."
Spiel gegen Verl als letzte Chance
Ob die Maßnahme schon kurzfristig Erfolg hat, wird sich am Sonntag zeigen. Mit dem SC Verl wartet dann allerdings die wohl spielstärkste Mannschaft auf die Ulmer, die in der Hinrunde 0:5-Klatsche gegen die Ostwestfalen hinnehmen mussten. Dennoch rechnet sich Dotchev etwas aus: "Vielleicht ist es ein Spiel, das uns entgegenkommt, weil Verl der klare Favorit ist." Und mit einem Sieg "ist auf jeden Fall noch viel möglich", hofft der 60-Jährige, dass der Rückstand zum rettenden Ufer dann auf fünf Punkte schrumpfen könnte. Gleichwohl blickte Dotchev aber auch der Realität ins Auge: "Mir ist es bewusst, dass wenn wir verlieren und Saarbrücken gewinnt, der Zug abgefahren ist."
Schließlich würde der Rückstand dann auf elf Zähler anwachsen, was in sieben Partien erst recht nicht mehr realistisch aufzuholen wäre. Doch bis dahin lässt Dotchev nichts unversucht: "Ich probiere alles, denn ich möchte das schaffen. Und wir können das noch schaffen." Dafür gelte es nun, den Negativtrend abzustellen und das Kopfproblem zu überwinden. "Wir sind alle ein bisschen gehemmt", sagte Dotchev und vermisste die Überzeugung bei seiner Mannschaft. Auf einen externen Psychologen setzt der Deutsch-Bulgare aber nicht: "Ich bin der Trainer, ich muss das hinkriegen. Und glauben Sie es mir, ich arbeite dran."