Hinrunden-Fazit Köln: Die Philosophie der kleinen Schritte

Mit 28 Punkten spielt Fortuna Köln derzeit ihre bislang erfolgreichste Saison in der 3. Liga. Die nervenaufreibenden Hinrunden der vergangenen Jahre, in denen man sich gleich zweimal aus dem Tabellenkeller nach oben arbeiten musste, gehören der Vergangenheit an. Die Kölner befinden derzeit in einer komfortablen Situation. liga3-online.de hat die erste 19 Spiele der Südstädter analysiert.  

Das lief gut

Der Start – Das Trainerteam der Fortuna entschied sich vor dieser Saison für eine wettkampforientiertere Vorbereitung. Diese sorgte dafür, dass der Mannschaft ein perfekter Start gelang. Der Lohn war die Tabellenführung nach zwei Spieltagen – auch nach sechs absolvierten Partien stand die Fortuna noch auf einem Aufstiegsplatz. Das intern ausgegebene Saisonziel, keine zwei aufeinanderfolgenden Spiele zu verlieren, verfehlte das Team zwar. Trotzdem hielt man, anderes als in den vergangenen beiden Spielzeiten, stets einen komfortablen Abstand zum Tabellenkeller. In der gesamten Hinrunde bestand zu keinem Zeitpunkt die Gefahr, dass die Fortuna auf einen Abstiegsplatz rutschen könnte – der minimalste Abstand auf die bedrohte Zone betrug fünf Punkte.

Eine Weiterentwicklung erkennt man auch an der ausgewogeneren Balance zwischen Heim- und Auswärtspunkten. Die Basis dafür liegt an der wiedergewonnenen Stabilität in der Defensive. Die Mannschaft hat es geschafft, die hohe Flut an Gegentoren der letzten Saison abzustellen. Lediglich die 0:6-Niederlage gegen den FSV Frankfurt sorgt derzeit für ein extrem negatives Torverhältnis. Ein nicht unwichtiger Randaspekt ist die Tatsache, dass die Verletzungshäufigkeit durch individualisierte Trainingspläne deutlich reduziert wurde.

Das lief schlecht

Schon jetzt ist das negative Torverhältnis im engen Kampf um eine bessere Platzierung ein großer Nachteil. Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass die Fortuna mit der aktuellen Punktzahl auch vier Plätze weiter vorne hätte stehen könnte. Eine Situation, die Uwe Koschinat bereits vor der Winterpause wurmte. Für die kurze Vorbereitung kündigte der Cheftrainer an einen Trainingsschwerpunkt auf Standardsituationen zu legen. Nach dem Geschmack des 45-Jährigen erzeugte seine Mannschaft in dieser Hinrunde aus diesen Situationen viel zu wenig Torgefahr. Vor allem aber zeigte sich das Team oftmals anfällig bei Standards gegen sich.

Der größte Schwachpunkt der Hinrunde war die vakante Stelle in der Sturmzentrale. Johannes Rahn, Marc Brasnic, Serhat Koruk – keiner der drei dafür eingeplanten Spieler konnte sich nachhaltig für Einsätze in der Startformation empfehlen. Bis zum siebten Spieltag hatte die Fortuna kein einziges Stürmertor auf dem Konto. Koschinat machte schließlich aus der Not eine Tugend und funktionierte Hamdi Dahmani zu einem „Neuner“ um. Auch wenn der 29-Jährige diese Aufgabe laut seinem Trainer „hervorragend“ umsetzte, gilt es für die Rückrunde eine Alternative zu finden. Der einfachste Weg wäre ein Formanstieg von Rahn, Brasnic und Koruk. Auch auf dem Transfermarkt halten die Verantwortlichen die Augen offen.

Die Neuzugänge

Maik Kegel war im Sommer Fortunas Königstransfer. Der ehemalige Kieler erfüllte von Anfang an die in ihn gesetzten Erwartungen und war direkt ein Fixpunkt im Spiel der Kölner – nicht nur auf dem Platz, auch daneben. Seine schwere Verletzung im September (Kreuzbandriss und Teilriss des Innenbandes im rechten Knie) war ein absoluter Schock für die Mannschaft. Die Ruhe und Souveränität welche der 27-Jährige zuvor ausstrahlte, hätte dem Team in manch schwerer Phase der Hinrunde gutgetan. Diese Fähigkeiten wird er in dieser Saison allerdings nicht mehr zeigen können.

Marc Brasnic konnte, mit Ausnahme der ersten Runde im Mittelrheinpokal, noch nicht auf sich Aufmerksam machen. Sein einziges Tor in der Liga resultierte aus einem Elfmeter. Insgesamt kommt der 20-Jährige lediglich auf sieben Einsätze, keiner über 90 Minuten. Zuletzt schaffte es der Leih-Spieler von Bayer 04 Leverkusen gar nicht mehr in den Kader. Für mehr Einsatzzeiten ist eine deutlich Leistungssteigerung in der Rückrunde dringend nötig.

Selcuk Alibaz stieß erst Ende August zur Mannschaft – seinen Fitness-Rückstand sollte er spätestens nach der Wintervorbereitung aufgeholt haben. Das wird auch nötig sein, denn er ist einer von ganz wenigen Unterschiedsspielern im Kader der Kölner. Der ehemalige Karlsruher besitzt die Fähigkeiten das spielerische Niveau der Fortuna auf ein höheres Level zu heben. Damit er das beweisen kann, müssen aber bei ihm die Grundlagen für das athletisch anspruchsvolle Spiel der Fortuna gelegt sein. In der Rückrunde könnte seine Zeit kommen.

Die Jugendspieler Jannik Stoffels und Zicos Resvanis (3. Torwart) standen bislang noch gar nicht im Kader und sind deshalb nicht zu bewerten.

Der beste Spieler

Hamdi Dahmani – Der Kölsch-Tunesier ist mit acht Treffern Fortunas Toptorjäger und spielt bislang die Saison seines Lebens. In der Offensive ist Dahmani mittlerweile auf allen Positionen variabel einsatzbar und entwickelt überall Torgefahr. Der Publikumsliebling, der mittlerweile auf 230 Einsätze für die Südstädter kommt, machte in der Hinrunde dem nach ihm benannten Schlachtruf – „Hamdi Dahmani ham die nicht“ – alle Ehre. Vielleicht wurde der diesjährige Formanstieg aber auch von seinem privaten Glück begünstigt. Der 29-Jährige hat im vergangen Sommer geheiratet. So oder so ist er in dieser Form für die Fortuna unersetzlich.

Der schwächste Spieler

Johannes Rahn – Eigentlich war Rahn als Stürmer Nummer Eins eingeplant, allerdings hat der 30-Jährige seine mittlerweile über ein Jahr lang andauernde Formkrise immer noch nicht überwunden. In der Liga wartet der ehemalige Bielefelder mittlerweile seit August 2015 (!) auf einen Torerfolg. Trotz seiner persönlichen Krise ist Rahn aber laut mehreren Aussagen seiner Mannschaftskollegen immer noch eine wichtige Stütze. Es wird Zeit, dass er dies auch wieder dem Platz zeigt. Vielleicht schon im ersten Spiel der Rückrunde gegen den 1. FC Magdeburg. Der Gegner, gegen den Rahn zuletzt getroffen hatte.

Fazit

Die Fortuna spielt ihre bislang beste Drittliga-Saison seit dem Aufstieg 2014. Die 28 Punkte nach 19 Spieltagen sind eine Bestätigung der seit fünf Jahren andauernden Entwicklung unter Trainer Uwe Koschinat. Die Südstädter haben es geschafft, trotz der schwerwiegenden Abgänge von Julius Biada und Marco Königs, eines der unbequemsten Teams der Liga zu bleiben. Die Mannschaft wirkt in dieser Hinrunde insgesamt reifer und souveräner als in den Vorjahren.

Probleme haben die Kölner weiterhin bei Rückständen. Die Fortuna muss lernen mit Negativ-Erlebnissen umzugehen. In dieser Hinrunde gelang es der Mannschaft lediglich zweimal nach einem 0:1-Rückstand noch zu punkten (jeweils ein 1:1 gegen Halle und Osnabrück). Verbesserungspotential gibt es auch bei den Standardsituationen. In puncto Abschluss-Effektivität könnte ein ausgebildeter „Neuner“ in der Sturmzentrale helfen.

Prognose

Vorausgesetzt es brechen nicht sämtliche Leistungsträger weg, wird die Fortuna in dieser Saison zum ersten Mal nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Es gilt, die derzeitige komfortable Ausgangsituation nicht leichtfertig zu verspielen, sondern vielmehr für die Weiterentwicklung der Mannschaft zu nutzen. Gleichzeitig sollte aber ständig der Fokus auf das untere Drittel der Tabelle gerichtet sein. Wie verehrend ein Negativlauf sein kann, haben im vergangenen Jahr die Stuttgarter Kickers erfahren dürfen. Die Fortuna tut gut daran ihre Philosophie der kleinen Schritte weiterzuverfolgen. 50 Punkte sind das ausgerufene Ziel – zudem will die Mannschaft am Ende der Saison den Mittelrheinpokal gewinnen. Natürlich besteht bei der derzeitigen Ausgangsituation (zwei Punkte Rückstand auf den 4. Platz) auch die Möglichkeit sich über die Liga für den DFB-Pokal zu qualifizieren. Um sich bis zum Saisonende in diesen Tabellenregionen zu halten fehlt der Mannschaft aber noch die nötige Konstanz in den Ergebnissen und die Kader-Breite die dafür nötig ist.

   
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