HFC-Abwehr schwimmt in Elversberg – Rettungsring Sembolo

Diese Partie war nichts für Schönwetterfußballer. Bei strömendem Regen und auf einem völlig durchweichten Rasenacker trat der Hallesche FC am Sonnabend im saarländischen Elversberg an und musste feststellen, dass nicht jeder Gegner in der 3. Liga mit schnörkellosem Offensivfußball in die Knie gezwungen werden kann. Nach den gegentorlosen Siegen gegen Wiesbaden und Kiel kassierte Halles starker Keeper Pierre Kleinheider nicht nur die ersten Treffer im Jahr 2014, sondern ließ der HFC auch die ersten Punkte dieses Jahres im Saarland. Das der HFC nicht im Regen ertrank, lag einmal mehr an Winterneuzugang und „Rettungsring“ Francky Sembolo, der beide Treffer zum 2:2 beisteuerte.

Elversberg ungemütlich – Halle reagiert überrascht

Die Hausherren fanden zunächst besser ins Spiel, während den Hallensern ein wenig die Verunsicherung darüber, wie man dieses Spiel, vor allem unter diesen Bedingungen, anzugehen habe, anzumerken war. An Offensivfreuden wie zuletzt war auf dem matschigen Geläuf nicht zu denken. So reagierte der HFC zunächst abwartend und ließ den Gegner kommen, was sich schnell als noch schlechtere Option erwies, denn nun brach das Problem hervor, was die Offensivlust der letzten Wochen herrlich kaschieren konnte: Halles Abwehr sitzt alles andere als sattelfest. Folglich wusste man sich nach dieser neuen alten Erkenntnis nur schwer gegen Elversbergs Drang, die Punkte im eigenen Stadion behalten zu wollen, zu behelfen. Die Folge waren von Anfang an zahlreiche Nicklichkeiten, die zu gefährlichen Standardsituationen für die Hausherren führten. Während dem HFC beim Freistoß von Wenzel und dem folgenden Nachschuss von Luz das Glück noch in die Karten spielte (11.), machte es Timo Wenzel nach einem Freistoß des afghanischen Nationalspielers Milad Salem etwas besser und traf allein gegen die komplette Hallenser Hintermannschaft zum 1:0 (23.). Erinnerungen an das fürchterliche Strafraumgewusel vor der Winterpause in Leipzig und gegen Erfurt wurden wach – augenscheinlich auch bei den Abwehrspielern des HFC, die nur zehn Minuten später völlig verunsichert in Person von Patrick Mouaya Keeper Kleinheider in Bedrängnis brachten, der die Situation aber routiniert zu lösen wusste.  Halle schien mehr als überrascht, dass der Aufsteiger aus Elversberg solch eine Arbeitsmoral an den Tag legte und konnte sich erst zum Ende der ersten Hälfte etwas zusammenreißen. Prompt gelang auch der Ausgleich. Nach einer laxen Rettungsaktion der Elversberger flankt Ziebig zurück in den Strafraum, wo Sembolo in bester Knipsermanier per Kopf gegen die Laufrichtung von Torwart Kronholm abschließt. Danach erneut fußballerische Schonkost im Saarland. Symptomatisches Bild kurz vor der Halbzeit: Der spielfreudige Francky Sembolo will dem Regen und dem Acker trotzen und etwas Glanz in die Partie bringen, rammt mit seinem Fallrückzieher aber nicht den Ball, sondern Elversbergs Torhüter Kronholm ins Netz, der danach behandelt werden muss.

Hallenser Fehlpassfestival

Die zweite Hälfte begann dort, wo die erste geendet hatte. Halle hatte keinen klaren Faden im Spiel, Elversberg nicht die Qualität, um das auszunutzen, zudem peitschten Regen und Wind weiter über den Platz. Nun kamen aber auch noch teils hanebüchene Fehlpässe aus den Reihen der Rot-Weißen dazu. Den Auftakt machte Andy Gogia in der 53. Minute, dessen Stotterpass Luz aufnahm und nur knapp am stark parierenden Kleinheider scheiterte. Drei Minuten später war es dann eine Standardsituation, die Halles Hintermannschaft wieder gehörig ins Schwimmen brachte. Felix Luz konnte diesmal seinen Vorteil daraus ziehen und traf zum 2:1. Auch danach wurde Elversberg immer wieder durch Standards gefährlich, auch, weil dem HFC hinten völlig die Zuordnung fehlte. Das 3:1 lag in der Luft, als dem Selbstbewusstsein der Saarländer ein jähes Ende gesetzt wurde. Nach einem dummen Foul von Marc Groß an Ziebig, flog dieser, bereits gelb-verwarnt, völlig zurecht vom Platz. Die Initialzündung für den HFC, der nun deutlich aggressiver und selbstbewusster auf den Ausgleich drückte. Während sich nun alle in den Angriff einschalteten, verließ man sich dabei, alle Abwehrschwächen außer Acht gelassen, auf Pierre Kleinheider, der nicht enttäuschte und den HFC hinten im Spiel hielt, während Sembolo und Co. vorne aus allen Lagen schossen. Mit Erfolg: In der 79. Minute traf der Kongolese erneut zum Ausgleich und sicherte damit auch den Endstand, der insgesamt verdient war. Jeff Gyasi kassierte vier Minuten später noch glatt Rot für ein schweres Foul, der HFC wusste aber daraus kein Kapital zu schlagen. Gut möglich aber auch, dass an diesem Tag und unter diesen Bedingungen der eine Punkt dankbar mitgenommen wurde.

Abwehrschwäche größtes Manko

So reisten die Hallenser nicht unglücklich zurück in die Saalestadt, offenbarten aber, bei aller Spielfreude der letzten Wochen, dass zwar mit Knipser Sembolo ein elementares Problem der Hinrunde gelöst zu sein scheint, die Abwehrschwäche aber weiterhin existent ist. Der Grund liegt dabei im Zusammenspiel, bzw. in der Abstimmung. Allein für sich sind Routinier Daniel Ziebig, der technisch und kämpferisch starke Patrick Mouaya, der von Bundesligist Hertha BSC umworbene Marcel Franke, sowie Florian Brügmann sehr starke Spieler, nur im Verbund gibt es immer wieder Probleme. Allen voran Ziebig scheint zudem die Schwächephase der Hinrunde noch nicht überwunden zu haben, leistete sich als einziger in Wiesbaden grobe Stellungsfehler. Auch die zuletzt zurecht hochgelobten zentralen Mittelfeldspieler Tim Kruse und Björn Ziegenbein dachten in Elversberg zu offensiv, was die Witterung und der Gegner in diesem Spiel einfach nicht hergaben. Allerdings: Elversberg bleibt ein unangenehmer Gegner, der mit Kampfeskraft und technischer Stärke daherkommt und unbedingtes Selbstbewusstsein entgegengesetzt bekommen muss. In diesem Sinne kann man an der Saale mit dem Punkt durchaus zufrieden sein, sollte aber dringend Stabilität in die Abwehr und die eigene Selbstsicherheit bekommen, um nicht von ähnlich giftigen Gegnern übertölpelt zu werden.

FOTO: Marcus Bölke

   

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