"Heute ist alles scheißegal": So feierte Münster den Aufstieg

Der SC Preußen Münster ist wieder da! 33 Jahre nach dem Abstieg aus der 2. Liga sind die Preußen zurück im Bundesliga-Unterhaus. Mit einem Heimsieg gegen Unterhaching machten die Adlerträger den Durchmarsch perfekt. Mit Abpfiff gab es kein Halten mehr.

Hildmann vergießt Tränen der Freude

Lange, sehr lange musste der SC Preußen auf diesen Moment warten. Und so hielt es viele Fans schon vor dem Schlusspfiff nicht mehr auf den Rängen. Bereits ab der 85. Minute strömten die ersten Anhänger in den Innenraum, warteten aber hinter der Bande. Trainer Sascha Hildmann saß zu diesem Zeitpunkt noch vergleichsweise gemütlich auf seinem Trainerstuhl.

Als er dann aber bereits vor Abpfiff von Haching-Coach Marc Unterberger beglückwünscht wurde und er die vielen Anhänger sah, die unmittelbar hinter ihm standen, konnte er seine Emotionen nicht mehr verbergen und vergoss Tränen der Freude.

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Die letzten Sekunden der Partie zählten die Fans anschließend wie an Silvester runter, und als Schiedsrichter Richard Hempel das Spiel tatsächlich genau nach 90 Minuten beendete, gab es endgültig kein Halten mehr. Binnen weniger Sekunden fluteten die Anhänger unter "Nie mehr 3. Liga-Gesängen" den Rasen.

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Manch einer hatte dabei Tränen in den Augen, konnte es kaum fassen, dass es tatsächlich auf direktem Wege in die 2. Liga geht. Zumal der SCP zur Winterpause noch satte 18 Punkte hinter einem direkten Aufstiegsplatz lag. Doch eine überragende Rückrunde mit 42 Zählern aus 19 Partien (nur Ulm holte noch mehr Punkte) machte die Sensation perfekt. Zum ersten Mal in der Geschichte der 3. Liga sind mit Ulm und Münster zwei Aufsteiger direkt in die 2. Liga durchmarschiert.

Lorenz denkt an den Jahn

"Wir haben Geschichte geschrieben", jubelte Marc Lorenz im Interview mit "MagentaSport". Doch bevor er näher auf den historischen Erfolg eingehen wollte, war es dem 35-Jährigen ein Bedürfnis einen "Gruß in den Süden", konkret an den SSV Jahn Regensburg, zu schicken, der den direkten Aufstieg verpasst hat und nun die Relegation spielen muss: "Ich muss wirklich sagen, ich ziehe den Hut vor Euch, was ihr dieses Jahr geleistet habt, nach einem brutalen Schicksalsschlag", spielte er auf den plötzlichen Tod von Spieler Agyemang Diawusie im vergangenen November an. "Was ihr sportlich geleistet habt. Ihr seid zusammengerückt. Ich wünsche mir nur eins: Haut in den zwei Spielen alles raus und kommt mit uns die 2. Liga. Wir möchten Euch nächstes Jahr wieder hier im Stadion sehen."

Für Lorenz ist es bereits der dritte Aufstieg mit den Preußen in seiner Karriere. "Es ist unbeschreiblich. Als Aufsteiger spielst du eigentlich gegen den Abstieg, jetzt steigst du mit deinem Heimatverein in die 2. Liga auf. Mir fehlen die Worte." Ein Lob richtete er vor allem an die Fans: "Sie haben uns von Anfang an angezündet." Als er diese Worte sprach, kam Hildmann angelaufen und entleerte über dem Kopf des Verteidigers den Inhalt einer Bierflasche. Lorenz schüttelte sich kurz und kündigte dann an: "Heute wird die Stadt auseinander genommen."

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"Das Wunder von Münster"

Hildmann bezeichnete den Aufstieg indes als "Wunder von Münster". Es sei der "absolute Wahnsinn, was wir hier gerade erleben. Man kann es gar nicht begreifen". Schon seit vier Jahren steht der 52-Jährige mittlerweile an der Seitenlinie, auch nach dem Abstieg aus der 3. Liga im Juni 2020 hielt der SCP ihm die Treue. "Der Verein ist so ruhig geblieben. Wir haben super gearbeitet. Danke an das Trainerteam und den Verein. Das zahlt sich aus – und dann bist du plötzlich Aufsteiger in die 2. Liga."

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Auch Simon Scherder blieb während des Interviews nicht von einer Bierdusche verschont. "Das gehört dazu und riecht gut", sagte er mit hörbar angeschlagener Stimme. Darauf angesprochen, meinte der 31-Jährige: "Das ist auch dem Spiel geschuldet. Wir hatten eine unglaubliche Atmosphäre, dann muss man ein paar Kommandos geben. Und das Geschreie in den letzten drei Minuten tat sein Übriges dazu." Die Rückkehr in die 2. Liga habe eine "unfassbare Bedeutung" für den Verein, so Scherder. "Wenn mir jemand vor vier Jahren gesagt hätte, dass wir heute hier stehen und in die 2. Liga aufsteigen, hätte ich gesagt, dass die Leute nicht ganz dicht sind." Was in diesen vier Jahren nach dem Abstieg passiert sei, "ist unglaublich. Die Leute haben es einfach verdient".

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"Wie in einem schlechten Hollywood-Film"

Für Torhüter Maximilian Schulze Niehues war es derweil das letzte Spiel seiner Karriere, in dem er dann auch noch einen Elfmeter parierte. "Das ist ja fast wie in einem schlechten Hollywood-Film", musste der Keeper lachen. "Aber ein schöneres Karriereende kann man sich nicht wünschen." Nach dem Abstieg aus der 3. Liga habe der Verein am Boden gelegen. "Mit viel Arbeit und Mühe haben wir Unfassbares entstehen lassen. Dieser Zusammenhalt war so unfassbar, das sieht man auch in Ulm, was das ausmacht. Ich bin überwältigt und überglücklich, das ist der Wahnsinn. Ich bin unglaublich stolz, was hier passiert."

Dass der Abend zum Tag gemacht wird, dafür will Joel Grodowski sorgen. "Ich weiß, wie man feiert und werde den Kreisliga-Jonny rauslassen. Heute ist alles scheißegal", kündigte der Stürmer an. Noch sei zwar nichts geplant, "aber der Adler wird heute fliegen", machte Grodowski klar. "Einfach nur Gänsehaut, ich habe Pipi in den Augen. Vor fünf Jahren habe ich noch in der Kreisliga gespielt, jetzt bald 2. Liga. Ist das einfach geil." Dass er die Torjägerkanone um einen Treffer verpasst hat, sei "scheißegal. Wir sind aufgestiegen", jubelte der 26-Jährige.

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Die 2. Liga werde zwar – auch angesichts des in die Jahre gekommenen Stadions – eine "riesige Herausforderung", sagte Geschäftsführer Ole Kittner, der zur neuen Saison zum Sportchef aufsteigt. "Aber wir sind bereit." Der 36-Jährige tritt die Nachfolge von Peter Niemeyer an, der den SCP in Richtung Werder Bremen verlässt. Dieser verspürte "puren Stolz" und sagte: "Mit Mentalität und Gemeinschaft kann man was erreichen."

"Es ist soweit, Preußen in Liga zwei"

Als die Bierduschen allmählich abebbten, ging die Mannschaft auf die Haupttribüne hoch und präsentierte sich dort der jubelnden Menge auf dem Feld. "Aufsteiger, Aufsteiger" schallte es den Spielern entgegen, auch das obligatorische "Oh, wie ist das schön!" durfte nicht fehlen. Weil Hildmann zunächst noch auf sich warten ließ, skandierten die Fans: "Wir wollen den Trainer sehen." Und der Erfolgscoach ließ sich natürlich nicht zweimal bitten, kam zu den Spielern hoch, griff sich das Mikro und brüllte: "Es ist soweit, Preußen in Liga zwei". Lorenz heizte die Fans anschließend per "Humba" ein und schrie: "Lasst uns alle diese Stadt abreißen heute Nacht. Feiert bis zum umfallen."

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Auch Schmähgesänge in Richtung von Arminia Bielefeld, dem VfL Osnabrück und Rot-Weiss Essen durften nicht fehlen, genauso wie "You‘ll Never Walk alone". Die Hachinger feierten übrigens mit.

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Rathausempfang am Sonntag

Am frühen Abend ging es dann in die Stadt, wo weiter gefeiert wird – vermutlich bis Sonntagmorgen um 11 Uhr, wenn sich die Mannschaft im Rathaus ins Goldene Buch der Stadt eintragen wird. "Ich bin unendlich gerührt", war Oberbürgermeister Markus Lewe bereits voller Vorfreude und lud alle Fans ein, sich am Sonntag vor dem Rathaus einzufinden. Tausende dürften kommen. Schließlich sind die Preußen wieder da!

   

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