Hansa: Wer solche Spiele gewinnt, darf vom Aufstieg träumen

Zur Pause 0:2 im Rückstand, am Ende mit 3:2 als Sieger vom Platz gegangen: Der F.C. Hansa Rostock zeigte am Freitagabend im Spiel gegen den SC Verl eine beeindruckende Moral und stellte mit dem fünften Sieg in Folge zudem einen neuen Vereinsrekord auf. Wer solche Spiele gewinnt, darf vom Aufstieg träumen. Ein Kommentar.

Sieg wird Kräfte freisetzen

Jens Härtel ist für gewöhnlich ein ruhiger und sachlicher Typ. Doch nach dem Last-Minute-Erfolg war der Hansa-Coach regelrecht euphorisch: "Das ist schon überragend, besser geht es nicht. So einen emotionalen Moment hatten wir in der letzten Saison nicht." Die Begeisterung des 51-Jährigen war aufgrund der Art und Weise, wie der Sieg letztlich zustande kam, nur allzu verständlich. Dass Philip Türpitz ausgerechnet in seinem ersten Spiel für Hansa in der vierten Minute der Nachspielzeit den Siegtreffer erzielte, war bezeichnend. Keine Frage: So zurückzukommen und dann ganz spät alle drei Punkte mitzunehmen, wird weitere Kräfte freisetzen und die Mannschaft zusammenschweißen.

Natürlich ist die Saison noch lang und der Kandidatenkreis groß: Doch wer über eine derartige Moral verfügt und sich selbst von einem Zwei-Tore-Rückstand nicht aus der Ruhe bringen lässt, darf vom Aufstieg träumen. Auch in den letzten drei Spielzeiten war Hansa jeweils lange ganz vorne mit dabei, am Ende fehlten jedoch stets ein bis zwei Nuancen. Der in der Winterpause mit Lion Lauberbach, Simon Rhein, Tobias Schwede und Philip Türpitz deutlich verstärkte Kader sowie die große Moral könnten nun den Ausschlag geben, um nach neun Jahren 3. Liga endlich in die 2. Bundesliga zurückzukehren.

Paderborn hat es vorgemacht

Wie viel Kraft so ein Last-Minute-Sieg freisetzen kann, stellte beispielsweise in der Saison 2017/18 der SC Paderborn unter Beweis. Die Hansa-Fans werden sich ungern daran zurückerinnern, schließlich war ausgerechnet ein Spiel in Rostock dafür verantwortlich. So lag der SCP im März 2018 zur Pause bereits mit 0:2 hinten, gewann die Partie aber noch mit 3:2 – ebenfalls durch einen Last-Minute-Treffer. Bis zum Saisonende gewann Paderborn dann acht der folgenden neun Spiele und stieg in die 2. Liga auf.

Vor Hansa liegen nun zwar noch 17 Partien, doch knüpft die Kogge an die erfolgreichen letzten Wochen an, kann die Zweitliga-Rückkehr in dieser Saison tatsächlich Wirklichkeit werden. Im Bundesliga-Unterhaus könnte es in der kommenden Saison dann zum Wiedersehen mit Ex-Coach Steffen Baumgart kommen, der seit April 2017 in Paderborn auf der Bank sitzt. "Wenn Hansa aufsteigt, dann freue ich mich doppelt und dreifach. Dann kann ich wieder in meiner Heimat Zweitliga-Fußball sehen", sagte er zuletzt im MDR-Interview – und traut der Kogge den Aufstieg zu. Härtel selbst meinte vor dem Spiel gegen Verl, dass der Aufstieg keine Pflicht sei – die Chance in den vergangenen Wochen aber auch nicht kleiner geworden ist. Seit Freitagabend sind die Chancen noch weiter gestiegen.

   
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