F.C. Hansa: Was aus den ehemaligen Spielern geworden ist

liga3-online.de blickt zurück auf Publikumslieblinge, Leistungsträger und Persönlichkeiten der Drittligisten, die ihrem Verein aber den Rücken gekehrt haben und ihr Glück bei einem anderen Klub versuchten. Heute im Blickpunkt: Der F.C. Hansa Rostock und der Werdegang seiner Abgänge, unter denen viele aus der eigenen Jugend sind. Neben einem verlorenen Torwarttrio lassen vor allem die Namen Kroos und Pannewitz aufhorchen, aber auch ehemalige Offensivspieler stellen ihre Qualität in verschiedenen Ligen noch immer unter Beweis. 

[box type="info" size="large"]Brinkies, Müller, Hahnel: Torwarttrio geht seine Wege[/box]

Johannes Brinkies: Lange gilt Johannes Brinkies in Rostock als Identifikationsfigur. Der unweit von Rostock in Grevesmühlen geborene Torwart fand im Alter von elf Jahren den Weg in die Jugend der Hanseaten. Gleich im ersten Trainingslager erhielt er den kuriosen Spitznamen "Pommes", weil er sich am Abschlussabend ordentlich an der Beilage bediente. So kurios das Kapitel Hansa Rostock für den Mecklenburger begann, so erfolgreich sollte es weitergehen: Mit guten Leistungen in den verschiedenen Altersklassen empfahl Brinkies sich für die Jugendnationalmannschaften (jeweils ein Spiel für die U16 und U19), schließlich schaffte er 2011 den Sprung zu den Profis. Dort erhielt er allerdings nie die Chance, sich als klare Nummer 1 zwischen den Pfosten zu beweisen. Vor einem Jahr folgte nach einem schweren Abschied der Wechsel zum FSV Zwickau, "Pommes" entwickelte sich dort nicht nur zur Stammkraft, sondern auch zum Leistungsträger. In 51 Spielen machte der 24-Jährige mehrfach mit starken Paraden auf sich aufmerksam.

Kevin Müller: Wie Brinkies stammt auch Kevin Müller aus der Nachwuchsschmiede der Kogge. Mit den A-Junioren feierte er 2010 die Deutsche Meisterschaft, anschließend wurde der Keeper zum Profi befördert. Der gebürtige Rostocker entwickelte zum Stammtorwart, stand insgesamt 66 Mal (3. Liga, 2. Bundesliga, DFB-Pokal) zwischen den Pfosten. Die konstant guten Leistungen blieben nicht unbemerkt, die Konkurrenz horchte auf. Über die Stationen VfB Stuttgart II und Energie Cottbus folgte vor zwei Jahren der Wechsel zum 1. FC Heidenheim. An der Brenz fand Müller sein Glück, mittlerweile hütet er den Kasten des FCH in der 2. Bundesliga Woche um Woche.

Jörg Hahnel: Mit Jörg Hahnel kehrte ein wahres Urgestein Rostock den Rücken: Der Keeper, der 2006 von Erzgebirge Aue an die Ostsee wechselte, hielt Rostock elf Jahre die Treue. Er erlebte noch die glorreichen Bundesliga-Zeiten der Kogge (sechs Einsätze), wenngleich er sich häufig nur auf der Bank wiederfand. Insgesamt standen dennoch 119 Einsätze für die Kogge zu Buche, ehe Hahnel sich vor zwei Jahren dem FC Schönberg anschloss. Im Herbst seiner Karriere wollte der Schlussmann unbedingt nochmal Stammkraft sein. 82 Partien bestritt Hahnel, der der Region sehr verbunden ist, für den Mecklenburger Konkurrenten. In diesem Sommer aber kehrte er nach Rostock zurück. In der Hansestadt steht er seitdem für den Rostocker FC zwischen den Pfosten (neun Spiele). Pikant: Sein Sohn, Julian Hahnel, zuvor noch bei Hansa Rostock in der Jugend aktiv, wechselte ebenfalls zum Verbandsligisten und sorgte so für ein Familientreffen.

[box type="info" size="large"]Sebastian und Bülow: Abwehrbollwerk findet Glück in der 2. Bundesliga [/box]

Tim Sebastian: Auch Tim Sebastian, der aus der Jugend der Kogge stammt und insgesamt 141 Partien für die Hanseaten bestritt, erlebte die Bundesliga-Zeiten noch mit. Nach sechs Jahren an der Ostsee kehrte der Innenverteidiger der Ostsee aber den Rücken und wechselte zum Karlsruher SC. Bei den Badenern organisierte der gebürtige Leipziger nur ein Jahr die Defensive, bevor er in seine Heimat zurückkehrte und das Projekt RB Leipzig begleitete. 125 Spiele absolvierte Sebastian für die Sachsen, bevor er seine Karriere beim SC Paderborn ausklingen ließ. Die Talfahrt der Ostwestfalen konnte der 33-Jährige in 46 Partien aber nicht stoppen, Sebastian hing die seine Fußballschuhe im Sommer an den Nagel.

Kai Bülow: Wie Sebastian machte auch Kai Bülow seine ersten fußballerischen Schritte bei der Kogge. Auch der gebürtige Rostocker stieg zum Profi auf und wurde zur Stammkraft. Nach 138 Einsätzen, davon 29 im Oberhaus, trennten sich aber die Wege: Der defensiv variabel einsetzbare Akteur schloss sich 2010 dem TSV 1860 München an, für den er 187 Begegnungen bestritt. Nach dem Untergang in die Regionalliga folgte der Wechsel nach Karlsruhe. Mit dem KSC trifft er nun in der 3. Liga als Konkurrent auf seinen Heimatklub Rostock.

[box type="info" size="large"]Kroos, Pannewitz, Christiansen mit unterschiedlichen Entwicklungen[/box]

Felix Kroos: Der Nachname Kroos ist nicht nur allen Fußballfans bekannt, sondern war vor allem in Rostock lange gegenwärtig: Neben Toni Kroos, der von Rostock zum FC Bayern München wechselte, spielte auch Bruder Felix Kroos im Nachwuchs von Hansa Rostock. Vater Roland Kroos leitete zudem als Trainer die Geschicke der Nachwuchsmannschaften. Mittlerweile sind jedoch alle drei Namen Geschichte: Vater Roland ist mittlerweile als Trainer des Greifswalder FC tätig, Weltmeister Toni dirigiert das Mittelfeld von Real Madrid und Felix Kroos ist Kapitän von Union Berlin. Das große fußballerische Talent war ihm nicht nur in der Jugend anzumerken, sondern auch im Profibereich: Nach nur zwei Saisons in der ersten Mannschaft (28 Spiele in der 2. Bundesliga) der Rostocker zog es den gebürtigen Greifswalder zu Werder Bremen. Nachdem er zunächst in der zweiten Mannschaft Spielpraxis sammelte, spielte er sich auch im Bundesliga-Team fest (70 Spiele). Sogar ein Champions-League Einsatz war ihm gegönnt. Aufgrund mangelnder Perspektiven folgte aber der Wechsel ins Unterhaus. Bei den Eisernen entwickelte sich der heute 26-Jährige zum Führungsspieler und Kapitän. Den Aufstieg ins Oberhaus verpasste Kroos im letzten Jahr nur knapp.

Kevin Pannewitz: Die wohl verrückteste Karriere legte derweil Kevin Pannewitz hin: Als 18-Jähriger debütierte das Mitttelfeldjuwel in der 2. Bundesliga für Hansa Rostock und zeigte starke Leistungen. So positiv er auf dem Rasen agierte, so negativ fiel er allerdings neben dem Rasen auf. Durch zahlreiche Disziplinlosigkeiten hing seine Karriere mehrmals am seidenden Faden. Neben nicht selten stattfindenden Party-Nächten bereitete ihm vor allem sein Appetit Probleme: Pannewitz fiel durch Übergewicht auf. Sein Talent war dennoch unverkennbar, es folgte der Wechsel zum VfL Wolfsburg und Felix Magath. Doch auch dessen eisenharte Trainingsmethoden konnten Pannewitz, der nur drei Spiele für die zweite Mannschaft bestritt, nicht bändigen. Nach nur einem Jahr bei den Niedersachsen war der Mittelfeldmann kurzzeitig sogar vereinslos. Der Goslarer SC jedoch bot ihm eine neue Chance. In der Regionalliga spielte Pannewitz in der Innenverteidung stark, seine Qualität blieb unbestritten, sein hohes Gewicht aber auch. Nach zwei Jahren im Harz beschloss Pannewitz schließlich, den Profifußball abzuhaken. Er kehrte in seine Heimat Berlin zurück, kickte in der 6. Liga für Altglienicke und Oranienburg und arbeitete sogar als Müllfahrer. Dann aber wagte er in diesem Sommer einen weiteren Versuch. Über seinen Kumpel Timmy Thiele fand Pannewitz den Weg nach Jena. Er schuftete hart für sein Comeback und nahm 30 Kilo ab. Nun steht er im Kader des FCC in der 3. Liga und hofft auf ein Wiedersehen mit alten Weggefährten aus Rostock. Ein erster Einsatz lässt aber noch auf sich warten.

Max Christiansen: Max Christiansen hingegen zeigte, wie man sein Talent ausschöpft: Der gebürtige Flensburger, der nach seiner Jugendzeit in Rostock für die Kogge 24 Spiele in der 3. Liga absolvierte, schloss sich vor zwei Jahren dem FC Ingolstadt an. Mit den Schanzern wurde er auf Anhieb Zweitligameister und stieg in die Bundesliga auf. Im Oberhaus entwickelte er sich zur Stammkraft und stand 30 Mal auf dem Rasen. Auch nach dem erneuten Abstieg ist der 21-Jährige beim FCI gesetzt, in der laufenden Spielzeit stehen vier Einsätze zu Buche.

[box type="info" size="large"]Bartels startet durch, Jänicke plötzlich in Saarbrücken[/box]

FIn Bartels: Auch Fin Bartels konnte sich im deutschen Oberhaus festspielen. Der gebürtige Kieler, der zwischen 2007 und 2010 die Fußballschuhe für Rostock schnürte und mit starken Leistungen in den beiden höchsten Ligen zu überzeugen wusste (83 Einsätze), wechselte zunächst zum Rivalen St. Pauli. Für die Hamburger bestritt Bartels 122 Partien und glänzte als Torschütze und Vorbereiter. 2014 folgte der Wechsel zu Werder Bremen. Für die Grün-Weißen stand er seitdem 105 Mal auf dem Platz, erzielte 23 Tore und legte 18 Treffer auf. In Bremen scheint der 30-Jährige sein Glück gefunden zu haben, als unangefochtene Stammkraft hat er sich in der Bundesliga behauptet.

Tobias Jänicke: Ein echter Rostocker ist Tobias Jänicke: Der gebürtige Neubrandenburger durchlief die Jugend der Hanseaten, stieg zum Profi auf und entwickelte sich zum Publikumsliebling. Mit ihm stieg Rostock 2011 in die 2. Bundesliga auf. Der Außenbahnspieler selbst glänzte mit Toren und Vorlagen und suchte sein Glück anschließend jeweils zwei Jahre lang bei Dynamo Dresden und Wehen Wiesbaden. 2015 erfolgte die Rückkehr in seine Heimat Rostock. Zwar begann das zweite Kapitel dort zunächst gut, als Kapitän und Identifikationsfigur übernahm Jänicke Verantwortung. Allerdings zerschnitt sich das Tischtuch zwischen ihm und dem Verein unter der Regie von Trainer Christian Brand. Bis heute ist ungeklärt, was den Ausschlag dafür gab. Im Sommer kehrte Jänicke dem Klub erneut den Rücken und schloss sich dem 1. FC Saarbrücken an. In der Regionalliga Südwest scheint er bereits angekommen: In zwölf Partien gelangen ihm zwei Tore und drei Vorlagen.

Marcel von Walsleben-Schied: Stürmer Marcel Schied, der mittlerweile geheiratet hat und Namen von Walsleben-Schied trägt, dürfte den meisten Rostocker Anhängern als echter Vorzeigeprofi in Erinnerung geblieben sein: Ebenfalls aus der eigenen Jugend stammend rückte er 2002 erstmals in den Profikader auf. Nachdem er zunächst für je eine Spielzeit nach Osnabrück und Unterhaching ausgeliehen wurde, spielte er sich bei Hansa fest. Während er in der 2. Bundesliga noch regelmäßig zum Einsatz kam und das Vertrauen mit Toren zurückzahlte (55 Spiele, 10 Tore, 9 Vorlagen) fand er sich nach dem Aufstieg in die Bundesliga nur zweimal auf dem Platz wieder. Deshalb entschied er sich zunächst für einen Wechsel nach Jena in die 2. Liga und später nach Braunschweig in die 3. Liga. Mit regelmäßigen Einsätzen und konstant guten Leistungen spielte er sich erneut ins Blickfeld von Rostock. Ab 2009 ging der Angreifer für vier Jahre auf Torejagd für die Hanseaten. Das zweite Engagement für die Kogge sollte aber das letzte sein. Er wechselte zum anderen Ostseeklub, Holstein Kiel, den er mit 19 Toren in der Regionalliga zunächst zum Aufstieg in die 3. Liga schoss. Nach einem weiteren Jahr bei den Störchen in der 3. Liga zog es ihn erneut in die Regionalliga, zwei Jahre stand er bei der TSG Neustrelitz unter Vertag. Dass der mittlerweile 34-Jährige das Toreschießen nicht verlernt hat, stellt er seit einem Jahr in der Oberliga Hamburg unter Beweis. In der vergangenen Saison knipste er für die TuS Dassendorf in 33 Spielen 28 Mal, auch in dieser Spielzeit netzte der Stürmer in neuen Spielen bereits fünfmal ein.

 
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