Die Ausgliederung bei Hansa Rostock: Eine Stresssituation

Der F.C. Hansa Rostock steht vor einem einschneidenden Tag der Vereinsgeschichte. Am Sonntag, den 10. Mai, stimmen die Mitglieder der Kogge darüber ab, ob die der Profiabteilung in eine “GmbH & Co. KGaA”  ausgegliedert werden soll. Diese Umwandlung, die bei Zustimmung seitens der Mitglieder zum Jahresende vollzogen werden würde, soll den Einstieg von Investoren ermöglichen. Diese sind wiederum notwendig, um die Lizenz-Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die kommende Saison zu erfüllen. Wie der Vorstandsvorsitzende Michael Dahlmann auf einer Pressekonferenz vor einer Woche deutlich machte, sei dieser Schritt alternativlos, um eine Insolvenz zu verhindern. Deutlich Worte, dennoch gestaltet sich die Entscheidung für viele Fans nicht so leicht. Schließlich gibt Hansa Rostock mit der Umwandlung in eine GmbH ein Stück weit das auf, was ihn von Vereinen wie RB Leipzig, Bayer Leverkusen und den VfL Wolfsburg abgrenzt hat: die Tradition. Nach außen wird sich zwar nicht viel ändern, doch hinter den Kulissen befürchten viele Anhänger und Mitglieder, vom eigenen Verein abgekoppelt zu werden.

Fanszene will Ausgliederung zustimmen

Am Donnerstag meldete sich die "Fanszene Rostock" in einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort. Darin erklären sie sich nach Abwägung aller Vor- und Nachteile bereit, den geplanten Weg der Ausgliederung mitzugehen. "Die Folgen einer Insolvenz sind einfach unkalkulierbar, im schlimmsten Fall droht die Löschung des Vereins aus dem Vereinsregister. Dieses Szenario ist keine Alternative für die Fanszene Rostock und unser Anspruch ist mit Sicherheit auch nicht, in die totale sportliche Bedeutungslosigkeit zu verschwinden", heißt es. Um der Ausgliederung zuzustimmen, möchten sie jedoch garantiert wissen, dass Mitgliederrechte in vollen Umfang erhalten bleiben, Investoren kein Stimmrecht erhalten und dass Werte wie Wappen, Namen und Stadion im Verein verbleiben.

Stresssituation – für den Verein

Mit dem Finanz- und Immobilienexperten Rolf Elgeti ist mittlerweile ein erster Name eines Investors an die Öffentlichkeit gedrungen. Wie der 38-Jährige, der seit über zehn Jahren Mitglied beim F.C. Hansa ist, im Interview mit den "Norddeutschen Neusten Nachrichten" erklärt, gehe es ihm darum, "dass wir eine langfristige Lösung für die finanziellen Probleme hinbekommen." Verbrennen möchte er sein Geld zwar nicht, doch es sei dem Verein auch nicht geholfen, dass "er jedes halbe Jahr oder nach einer Saison wieder in eine Stresssituation kommt."

Stresssituation – für die Mitglieder

In eine Stresssituation werden am Sonntag auch die Hansa-Mitglieder kommen. Sie wissen: Stimmen sie der Ausgliederung zu, retten sie vermutlich ihren Verein vor der Insolvenz und dem damit verbundenen Zwangsabstieg, eröffnen damit aber den Einstieg für Investoren, was in Rostock bisher verpönt war. Stimmen sie der Ausgliederung nicht zu, bleibt das hohe Gut der Tradition zwar bestehen, jedoch verschwindet ihr Verein in der Bedeutungslosigkeit. Letztendlich wird es darum gehen, was ihnen wichtiger ist. Um weiterhin in der 3. Liga antreten zu können und mittelfristig die Rückkehr in die zweite oder gar erste Bundesliga zu schaffen, ist die Ausgliederung wohl alternativlos.

 

   
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