Hansa Rostock: Krise und Konflikt gegen Plan und Ruhe

Stürmische Zeiten an der Ostsee, im Herbst nichts Ungewöhnliches. „Kogge in Seenot“ ist mal wieder eine beliebte Phrase in diesen Zeiten, in denen der F.C. Hansa, trotz seines guten Saisonstartes nun als 15. Der Tabelle in der Krise steckt. Am Wochenende verlor man nach einer unbefriedigenden Leistung mit 2:0 bei den Stuttgarter Kickers, einem Tabellennachbarn. Nicht nur die Niederlage an sich schmerzt, sondern besonders ihre Entstehung: es mangelte an Torgefahr und doch war Hansa die etwas bessere Mannschaft, doch dann man wieder ein böser Aussetzer, der zu einem Elfmeter führte. Zu Beginn der zweiten Hälfte passierte selbiges noch einmal, so dass auch der sechste Elfmeter gegen den F.C.H. in dieser Saison seinen Weg ins Tor fand.

Fokus auf der Entwicklung

Auf einmal werden die Gesetze des Profifußballs wieder aktuell: "Ein Trainer wird an Erfolg und Punkten gemessen". Der gemeine Fußballfan stimmt dem zu und fragt sich, wo jetzt das Problem sein solle, denn so sei nun mal der Profisport. Das Problem ist simpel und doch kompliziert: Beim F.C. Hansa fand nach der verkorksten letzten Saison und dem Beinahe-Abstieg ein Neuanfang, mit einem neuen Kader und neuem Trainerteam. Von Anfang an wurde klar kommuniziert, dass es eine schwierige Saison werden würde und die Entwicklung der Mannschaft im Vordergrund stehen solle. Vielleicht war man in Rostock zu sehr von dem guten Saisonstart verwöhnt, so dass eine zu hohe Erwartungshaltung für das aktuelle Konfliktpotential sorgt. Hinzu kommt, dass einige Lokalmedien momentan sehr aggressiv über den Verein berichten und damit auch für große Unruhe sorgen.

Zwischen Glaubwürdigkeit und Kompetenz

Natürlich soll die Presse objektiv sein und aktuelle sowie vergangene Ereignisse kritisch hinterfragen, doch wenn die Waage irgendwann nur noch zu einer Seite ausschlägt, muss man sich eben auch einmal selbst hinterfragen. Ich selbst frage mich dieser Tage häufig, was hier in Rostock los ist. Das Unverständnis ist da und es wird nicht kleiner. Natürlich fragt sich die Hansa-Welt, was mit der Mannschaft los ist und vor allem, woran es denn liegen könnte? Auf der einen Seite wünscht sich der Hansa-Fan den Erfolg seiner Mannschaft, auf der anderen Seite vertraut man aber der sportlichen Führung um Sportvorstand Uwe Vester und Trainer Andreas Bergmann, denn sie vermittelt wie keine andere der letzten Jahre ein hohes Maß an Kompetenz. Diese Kompetenz sollte man nutzen und ihr Vertrauen schenken, so wie es zu Saisonbeginn gepredigt wurde. Am Montagabend bzw. Dienstagmorgen sorgte dann das Gerücht für Unruhe, dass Bergmann und Vester entlassen werden sollen. Unverständlich, wenn man die Devise „in-Ruhe-arbeiten-lassen“ damit in Verbindung bringt, denn es war von Anfang an klar, dass es Schwächephasen und Krisen geben würde, wenn man eine Mannschaft entwickeln will. Der Knackpunkt ist, dass gerade solche Schwächephasen und Krisen, der Entwicklung eines Teams derart zuträglich sein können, wenn man sie meistert. Coach Andreas Bergmann bleibt professionell und sagte in einem Interview mit dem NDR, dass er „selbst überrascht ist, dass bereits am 13. Spieltag, unter den Voraussetzungen, unter denen wir gestartet sind, bereits so eine Dynamik bzw. Unruhe entstanden ist“. Er arbeitet weiter hart und professionell mit der Mannschaft. Hoffentlich lässt man ihn das auch weiterhin tun!

Weitsicht statt Aktionismus der Vergangenheit

Natürlich gibt es Leute im Umfeld des Vereins, die nun, in dieser Krise, den blinden Aktionismus der Vergangenheit fordern, um wie es heißt, den F.C. Hansa zu retten. Die Standardbegründung… jeder will das Beste für den Verein, doch vielen fehlt einfach der Weitblick. Erwarten darf man diesen Weitblick aber nun vom Vorstandsvorsitzenden Michael Dahlmann und dem Aufsichtsrat, denn auch ihnen ist bewusst, dass die Entlassung der sportlichen Führung nicht nur kontraproduktiv sondern eben auch finanziell problematisch wäre, denn auch die Verträge bis 2015(Bergmann) bzw. 2016(Vester) sprechen die Sprache einer planvollen und nicht geplanten längerfristigen Zusammenarbeit, in der der Hansa Rostock wieder in ruhige See gelangen soll, egal in welcher Jahreszeit!

FOTOS: Sebastian Ahrens / rostock-fotos.de 

 

   
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