Hallescher FC: Stadion-Umbau würde 800.000 Euro kosten

Weil die Infrastruktur im Stadion des Halleschen FC den Infektionsschutz nicht hergebe, lehnt Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand Geisterspiele ab. Eine Lösung: ein Umbau des Stadions. Dieser würde allerdings wohl mit 800.000 Euro zu Buche schlagen.

Keine Freigabe ohne Umbau

Auch wenn der Erdgas-Sportpark des Halleschen FC erst vor einigen Jahren komplett neugebaut wurde: Um den Infektionsschutz sicherzustellen, reicht die Infrastruktur wohl nicht aus. "In den Kabinen und Sanitäreinrichtungen können die Regeln des Abstandsgebotes nicht umgesetzt werden", sagte Wiegand im "Spiegel". Es sei praktisch "nicht möglich", den Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Metern einzuhalten. Dabei sei das Abstandsgebot von 1,50 Metern eine "zwingende Voraussetzung" – wohl auch in den kommenden Monaten. Daher steht für Wiegand fest: "Ohne große bauliche Veränderungen können wir das Stadion nicht freigeben." Entsprechend müsste das Stadion umgebaut werden.

Zusätzliche Umkleiden und Duschen könnten etwa außerhalb des Stadions in einem Containerdorf untergebracht werden. Die Kosten dafür werden auf rund 800.000 Euro geschätzt. Geld, das die Stadt nicht hat. Und auch der HFC wird das Geld kaum auf der hohen Kante haben: "Ob das funktioniert und finanziell leistbar ist, kann ich Ihnen noch nicht sagen", sagt Präsident Rauschenbach. Eine alternative Lösung: der Umzug in ein anderes Stadion. Doch diese Option hat der Klub bereits ausgeschlossen, zumal kleinere Stadien im näheren Umfeld die Anforderungen noch weniger erfüllen werden. 

Kritik an Quarantäne-Plänen

Derweil fordert Wiegand, dass die gesamte Mannschaft bei einem Corona-Fall in Quarantäne müsse und nicht nur – wie vom DFB und DFL vorgesehen – die betroffene Person: "Im Falle einer Infektion müssten sich der Spieler und alle Kontaktpersonen in Quarantäne begeben. Darüber entscheidet das Gesundheitsamt auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes – darüber entscheiden nicht der DFB und das Papier seiner Task Force. Es wäre fatal, wenn infizierte Personen das Virus weiter in die Stadt tragen."

   
  • Matthias Mewes

    Der Erdgassportpark ist ein sehr modernes Stadion, genügt auch den Ansprüchen der 2.Bundesliga. Hinsichtlich der Lizenzierung gab es bisher keine Einwände durch den DFB.
    Ein Stadion muss aus meiner Sicht auch nicht den Ansprüchen einer eventuellen Pandemie und allen Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes entsprechen, hierbei handelt es sich klar um höhere Gewalt. Der Fußball versucht sich, vertreten durch die Geldgier des DFB und einige Unbelehrbare, über die Gesellschaft zu stellen. Diese Positionen tuen weder seiner Außendarstellung, noch den derzeitigen anderen Problemen in der medizinischen Betreuung und der Wirtschaft gut. Die Gorenzes, Freymuths, Spitzauers und Sauers sehen das eben nicht so, hier regiert das eigene Ego. Fraglich, ob sich dieser Herren bei schweren Krankheitsfällen im eigenen Umfeld auch so positionieren würden, fraglich, ob sie diese Position auch in anderen europäischen Ländern, in denen die first class (1.Liga) bereits abgesagt wurden bzw. wohl noch werden (Frankreich). Etwas Erdung, Sozialkompetenz und gesellschaftlicher Weitblick täte diesen Personen aus meiner Sicht sehr gut.

    Fraglich, wie sich nun der DFB positioniert, wenn ein Verein mit "lizenziertem Stadion" auf Grund höherer Gewalt dort nicht spielen darf?! Also dann raus aus der Liga mit Jena, Magdeburg und Halle???

    Da werden mit Sicherheit noch einige andere Oberbürgermeister wach, spätestens, wenn es um Haftungsfragen im Zusammenhang mit Menschenleben geht…

    • Michael Vogel

      Matthias, sehr guter Kommentar. Das stimmt alles, was Sie sagen.

    • Mecklenburger

      Die Vereine wird es ohne Geisterspiele eh dann nicht mehr geben. Oder glaubst du man kann dieses Jahr noch mit Zuschauern starten.?

    • Nikita

      Wenn das Stadion jetzt Geisterspiele unmöglich macht, dann wird es auch die
      nächsten mindestens 12 Monate keine Spiele mehr geben. Und danach wird es in
      Halle, Zwickau, Chemnitz, Jena auch keine Spiele mit Fans mehr geben, denn dann werden diese Vereine nicht mehr existieren.

      • weihnachtsmann

        Und mit Geisterspielen ist die finanzielle Situation dann besser?
        Scheinbar nur in Bayern und in Rostock.
        Es spricht nur ein einziges Argument für Geisterspiele: Die Saison wird sportlich beendet.
        Und was bitte kann der Verein dafür, wenn das Gesundheitsamt das Stadion für nicht nutzbar erklärt?

      • Nikita

        OK, wenn die Vereine inaktive Profifußballer dauerhaft vom Staat über Kurzarbeitergeld alimentieren lassen wollen, dann geht die Rechnung vielleicht auf. Ich finde es völlig inakzeptabel, so selbstverständlich den Staat, die Gesellschaft für den Profifußball bezahlen zu lassen!
        Die Alternative ist, dass die Vereine das Defizit durch geringe Einnahmen durch TV-Gelder, Werbung und Sponsoring bei Geisterspielen möglichst klein halten. Dritte Möglichkeit ist die Liquidation.

        Was Vereine, die strikt dagegen sind den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, damit zu tun haben könnten, dass das Rathaus ihrer Stadt ihr Stadion sperrt, führe ich nicht aus, sonst bekomme ich hier sicher wieder einen auf den Döz.

      • weihnachtsmann

        Jens " Du Bernd, unsere Umkleidekabinen sind viel zu klein, da kannst du unmöglich den geforderten Mindestabstand einhalten."
        Bernd: " Ich kümmere mich darum, Jens. Und rufe gleich beim DFB an."

      • Nikita

        Der Startartikel auf kicker.de ist inzwischen: "Kommunaler Doppelpass" in der 3. Liga? (https://www.kicker.de/774798/artikel/_kommunaler_doppelpass_in_der_3_liga_) Darin stellt der Kicker fest, dass exakt die Städte mit Vereinen, die gegen die Fortführung des Spielbetriebs sind, ihre Stadien für ungeeignet halten. Natürlich habe alle Vereine gute Kontakte ins jeweilige Rathaus, das fällt ja wohl nicht unter Verschwörungstheorie.

        Ich glaube aus verschiedenen Gründen nicht daran, dass weitergespielt wird, auch wenn Bundesregierung, DFB und Arbeitsrechtler grünes Licht geben. Größtes Hindernis ist ganz einfach, dass die Vereine, die das verhindern wollen, eine ganze Palette an Möglichkeiten haben.

      • weihnachtsmann

        Ich habe nicht geschrieben, dass es nicht so abgelaufen sein könnte. Und ich widerspreche dir auch nicht.
        Wir könnten so oder so Pleite gehen, ob nun mit oder ohne Geisterspiele.

      • Nikita

        Ach so, dann hatte ich das falsch verstanden.

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