Haching-Kapitän Maximilian Welzmüller: „Wir werden noch besser“

Jung, hungrig, erfolgreich – Mit diesen Worten lässt sich der Kader der Spielvereinigung Unterhaching in der laufenden Drittliga-Saison beschreiben. Die jüngste Mannschaft der Liga begeistert mit Angriffsfußball – das spiegelt sich auch in der Tabelle wieder. Obwohl Unterhaching den geringsten Etat aller Drittligisten hat, ärgerte es bereits Rostock, Münster oder Leipzig – und liegt auf einem starken 10. Platz. Im Gespräch mit liga3-online-Redakteur Markus Ehrlich verrät Kapitän Maximilian Welzmüller, warum es so gut läuft in Unterhaching, was seine Ziele mit der Spielvereinigung sind, wie er seine persönliche Perspektive einschätzt – und warum er kein typischer Fußballprofi ist.

liga3-online.de: Herr Welzmüller, haben Sie vor der Saison damit gerechnet, dass Ihr Team nach elf Spieltagen auf dem 10. Tabellenplatz stehen würde?

Maximilian Welzmüller: Wir haben eine gute Vorbereitung gespielt und gegen höherklassige Gegner wie Nürnberg sehr gut ausgesehen. Da habe ich natürlich schon gehofft, dass wir von Anfang an nichts mit den hinteren Plätzen zu tun haben und ähnlich gut starten, wie in der Vorsaison.

Damals haben Sie 13 Punkte aus den ersten fünf Spielen geholt und waren zwischenzeitlich Tabellenführer.

Die beiden Saisons kann man nicht vergleichen. Letztes Jahr hatten wir viele Spieler, die schon eine oder mehrere Saisons in der dritten Liga gespielt hatten. Die Mannschaft war viel erfahrener und deswegen auch gefestigter. Vor der laufenden Saison sind die meisten erfahrenen Leute gegangen und wurden durch Jungs ohne ein einziges Drittligaspiel ersetzt. Da kann keiner erwarten, dass wir loslegen, wie letzte Saison.

Sie sprechen den holprigen Saisonstart mit nur zwei Punkten aus den ersten vier Spielen an. Woran lag es?

Die Situation war nicht einfach für uns. Wir hatten über zehn Verletzte, darunter mit Mario Erb und Benjamin Schwarz zwei erfahrene Verteidiger, die vorher eine starke Vorbereitung gespielt hatten. Das verunsichert ein junges Team natürlich. Dazu kam, dass wir gar nicht so schlecht gespielt haben und oft einfach nur Pech hatten. Jetzt, wo alle fit sind, herrscht wieder größerer Konkurrenzkampf. Alle Positionen sind doppelt besetzt. Jeder muss sich voll reinhängen, um zu spielen. Das bringt uns weiter.

Der Qualitätsschub ist erkennbar. Zuletzt spielten Sie gnadenlosen Offensivfußball.

Das liegt an unserer Philosophie. Die Handschrift unserer Trainer Manuel Baum und Claus Schromm ist klar zu erkennen. Die meisten Teams sind körperlich robust und spielen mit viel Aggressivität. Wir dagegen nehmen uns vor, die Situationen spielerisch zu lösen. Fehler sind dabei erlaubt.

Warum?

Wir haben viele Spieler, die bei Bayern, Sechzig oder anderen im Nachwuchsbereich führenden Vereinen ausgebildet wurden. Diese Spieler haben das taktische Verständnis, um das umzusetzen, was die Trainer fordern. Wenn die Automatismen in unserem Spiel noch besser greifen und wir uns weiter aneinander gewöhnen, kann es sein, dass wir noch besser werden.

Ist Ihr Spielstil nicht unglaublich anstrengend?

Doch klar. Man braucht eine gewisse körperliche Fitness wenn man permanent anrennt und Gas gibt. Unsere Jugend ist da ein großer Vorteil. Die meisten von uns sind 20 oder noch jünger. Deswegen haben wir Luft für mehr als 90 Minuten.

Auch bei Ihnen persönlich läuft es super. Sie sind Kapitän der Mannschaft und haben schon vier Tore erzielt.

Stimmt. Der Hauptgrund dafür ist mein Fitness-Zustand. Seit ich in Unterhaching bin, behandelt mich Mannschafts-Osteopath Richard Wagner. Er leistet wirklich tolle Arbeit. Ich bin seit fast zwei Jahren verletzungsfrei und kann mich voll auf das Fußballspielen konzentrieren. Dazu kommt, dass ich mich einfach wohl fühle und mit richtig guten Leuten zusammen spielen darf.

Würden Sie die Leistungssteigerung zuletzt auch darauf zurückführen, dass Sie vom Mittelfeld in die Abwehr gezogen wurden?

Jeder Einzelne spielt jetzt besser, als am Anfang der Saison. Vor allem defensiv stehen wir deutlich stabiler. Ob das auch an meinem Positionswechsel liegt, weiß ich nicht. Ich persönlich spiele lieber als Sechser, weil ich da viel mehr ins Spiel eingreifen kann. Das habe ich den Trainern zwar gesagt, spiele aber natürlich trotzdem da, wo ich der Mannschaft am meisten helfen kann. Die Außenverteidiger-Position hinten rechts ist für mich auch in Ordnung. Dort habe ich in der Jugend beim TSV 1860 München schon öfter gespielt.

Sie stehen momentan im Tabellenmittelfeld und haben komfortablen Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Korrigieren Sie Ihr Saisonziel?

Nein, auf keinen Fall. Unser Ziel ist der Klassenerhalt, daran ändern auch die letzten guten Spiele nichts. Wir wollen bis zur Winterpause möglichst viele Punkte holen und dann erstmals Bilanz ziehen. Aber klar: Es wäre schon super, wenn wir so schnell wie möglich nichts mehr mit dem Abstieg zu tun hätten.

In den vergangenen Spielzeiten folgte nach guter Hinrunde immer unmittelbar nach dem Ändern des Saisonziels der Absturz. Sind Sie deswegen so vorsichtig?

(lacht) Genau. Deswegen sagen wir jetzt nur noch: Klassenerhalt, Klassenerhalt, Klassenerhalt! Ernsthaft: Die Dritte Liga ist so ausgeglichen, dass eine Prognose gar nicht möglich ist. Jeder kann jeden schlagen. Deswegen halten wir uns lieber zurück.

Unterhaching ist für die meisten Spieler ein Sprungbrett. Immer wieder verlassen die besten Spieler den Verein. Wie schätzen Sie Ihre Perspektive ein?

Das System Unterhaching ist darauf ausgelegt, junge Spieler zu holen, sie zu gestandenen Drittligaprofis zu machen und dann mit Gewinn zu verkaufen. Für mich gibt es aber momentan nichts schöneres, als unmittelbar vor der Haustür Profifußball spielen zu können. Ich bin Münchner und fühle mich in Unterhaching sehr wohl. Bevor ich hier her gekommen bin, war ich drei Jahre weg von zu Hause – erst in Frankfurt, dann in Fürth. Es ist schön, wieder daheim zu sein.

Was fehlt zum vollkommenen Glück?

(lacht) Der Aufstieg mit Unterhaching in die zweite Liga wäre überragend.

Was machen Sie, wenn das nicht klappt?

Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich für den Rest meiner Karriere in der dritten Liga bleiben möchte. Druck mache ich mir aber keinen, man kann das sowieso nicht erzwingen. Ich traue mir die zweite Liga auf jeden Fall zu, mit etwas Glück kann es sogar noch höher gehen.

Sie sind kein klassischer Profifußballer. Sie studieren BWL. Wie vereinbaren Sie beides?

Das ist verdammt schwierig zu vereinbaren. Ich studiere an einer Fern-Uni – und die ist richtig hart. Ich bekomme die Unterlagen für zehn Fächer zugeschickt, muss dann ein halbes Jahr alleine lernen und dann alle Klausuren schreiben. In Kombination mit dem Profifußball ist das schon happig – vor allem, wenn man bedenkt, dass ich in Unterhaching oft einen ganz normalen Acht-Stunden-Tag habe.

Ist Abbrechen eine Option?

Nein, auf keinen Fall. Ich weiß zwar nicht, wie lange ich noch brauche, aber ich ziehe das Studium auf jeden Fall durch. Ich habe schon ein Drittel bestanden, jetzt abbrechen wäre dumm. Außerdem muss ich auch an die Zeit nach der Karriere denken. Ich kann mich nicht darauf verlassen, dass ich nach der Zeit als Fußballprofi genug Geld angespart habe, dass ich davon leben kann. Perfekt wäre, nach der Karriere mit dem Studium fertig zu sein und dann direkt arbeiten zu können – am besten im Sportmanagement.

 

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FOTO: SpVgg Unterhaching

 

 

   
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