"Grenzt an Volksverarschung": Westklubs kritisieren Reform

Die Aufstiegsregelung von der Regionalliga in die 3. Liga wird reformiert. Dazu verabschiedete der DFB-Bundestag am vergangenen Freitag eine Übergangslösung bis 2020. Doch der Beschluss wird von vielen Vereinen der Regionalliga West scharf kritisiert. Oberhausens Präsident spricht sogar von "Volksverarschung".

Unverständnis über Aufstiegsregel der Regionalliga Nordost

Fast schien eine Einigung ausgeschlossen. Doch am Freitag stimmte der DFB-Bundestag mit großer Mehrheit für eine Übergangslösung, der den Aufstiegsmodus in die Dritte Liga grundlegend verändert. Ab der Saison 2018/19 sollen vier statt drei Mannschaften aus der Dritten Liga absteigen. Zugleich steigen vier Mannschaften aus den fünf Regionalligen auf. Dabei besitzen drei Regionalligen einen festen Aufstiegsplatz (bis auf eine Ausnahme jährlich wechselnd). Der vierte Aufsteiger wird per Relegation ermittelt. Eine, aus Sicht der Regionalliga optimale Regelung, wonach alle Meister automatisch aufsteigen, gibt es vorerst also nicht. Bereits Mario Kallnik, Sprecher der Drittligisten in dieser Angelegenheit, äußerte sich über die Zwischenlösung nur vorsichtig optimistisch. Deutlicher sind die Meinungen der Vereine aus der Regionalliga-West, wie "RevierSport" nun herausfand.

"Einen willkürlich festgelegten zusätzlichen Aufstiegsplatz sowie einen Losentscheid nun auch noch als 'deutliche Verbesserung' zu verkaufen, beweist vielleicht Humor, nicht aber Kompetenz in der Organisation des Spielbetriebs", kritisiert Marcus Uhlig, Vorsitzender von Rot-Weiss Essen das Verhalten des DFB. Vor allem der Umstand, dass der Meister der Regionalliga Nordost in der Saison 2018/19 automatisch aufsteigt, kann Uhlig nicht verstehen: "Wieso plötzlich die Regionalliga Nordost in der kommenden Saison profitieren soll, wird gar nicht erst versucht zu begründen. Oder ist das nun das Resultat daraus, dass der Osten sich in den vergangenen Tagen clever positioniert, mit Klagen gedroht und Pele Wollitz medienwirksam ins Rennen geschickt hat?"

Auch Hajo Sommers, Präsident von Rot-Weiß Oberhausen, macht seinem Ärger Luft: "Erst wird ein Jahr lang die Kuh durch das Dorf getrieben: Wir machen das, wir machen das und das auch noch. Und jetzt? Ja, wir machen das in vier Jahren. Und vorher machen wir das so, was aber niemand so recht versteht." Sommers weiter: "Dieses ganze Getue ist doch nur noch lächerlich, einfach albern und grenzt für mich an Volksverarschung."

Weinhart: Verband muss ein Machtwort sprechen

Für Nikolas Weinhart, Geschäftsführer des KFC Uerdingen, ist das Verhalten des DFB unverständlich. Laut dem 35-Jährigen müsste sich der Verband in der Angelegenheit viel deutlicher positionieren: "Immer wieder gab es da Streit und viele Stimmen. Ich verstehe nur nicht, warum man dann selbst in die Offensive geht und sagt, dass Meister aufsteigen müssen, wenn man das letztendlich von Verbandsseite nicht durchboxen kann. Man hätte sich wirklich ernste Gedanken machen sollen, wie man ein sportliches, faires Aufstiegsmodell mit vier oder fünf Regionalligen, aber auch direkten Aufsteigern, auf die Beine stellt. Da muss man als Verband auch mal ein Machtwort sprechen", sagt Weinhart.

Eine mögliche Lösung des Konflikts bietet Wattenscheids Aufsichtsratsvorsitzender Oguzhan Can: "Fußball muss immer fair und gerecht bleiben. Diese Reform ist nicht für alle gerecht, ich plädiere daher ganz klar für eine nachhaltige Lösung. Ich denke, dass eine zentrale Kommunikationsstelle als Lobby für die regionalen Fußball-Klubs wirken könnte. Zudem könnte eine zentrale Kommunikationsstelle so zu einer transparenten Schnittstelle des DFB und optimalen Ergänzung für die einzelnen Landesverbände sein", so Can.

Es deutet sich also bereits an: Trotz der gefundenen Übergangslösung wird es in den kommenden beiden Jahren weiter Diskussionen um den Aufstiegsmodus geben. Es liegt nun der Expertenkommissio, eine echte Lösung zu finden.

   
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