Glanzlos, aber effektiv: RB Leipzig gewinnt Duell gegen Halle

RB Leipzig hat seinen Fans zum Abschluss des Fußballjahres noch einen Derbysieg geschenkt. In der Red Bull Arena besiegten die Sachsen den Halleschen FC vor über 20.000 Zuschauern mit 2:1. Dabei zeigte sich einmal mehr eindrucksvoll, warum die Roten Bullen in der kommenden Saison wohl eine Liga höher kicken werden. Trotz durchwachsener Leistung konnten sich die Leipziger am Ende wie so oft in dieser Spielzeit auf ihre gnadenlose Effektivität verlassen und überwintern mit fünf Punkten Vorsprung vor Darmstadt und Rostock auf dem zweiten Tabellenplatz.

Ernst: "Halle hat uns in der ersten Halbzeit überrumpelt"

Die Hausherren gingen sehr schwungvoll in die Partie und bejubelten bereits nach fünf Minuten den vermeintlichen Führungstreffer durch Kapitän Daniel Frahn. Der Schiedsrichter erkannte das Tor aber mit einiger Verzögerung wegen einer Abseitsstellung nicht an. Im Anschluss verlor die Mannschaft von Trainer Alexander Zorniger mehr und mehr den Faden und überließ den Gästen das Spiel. Zorniger sah bis zum Pausenpfiff eine "mehr als pomadige" Leistung seiner Spieler, die "kaum Aggressivität auf den Platz brachten." Halle dagegen bearbeitete die Sachsen immer wieder aggressiv, kombinierte gefällig und hatte einen gut aufgelegten Akaki Gogia in seinen Reihen, der seine Gegenspieler regelmäßig alt aussehen ließ. Allerdings gelang es den Gästen aus dem Spiel heraus kaum, gefährlich an und in den gegnerischen Strafraum zu kommen. Die einzige echte Gelegenheit hatte der finnische Innenverteidiger Kristian Kojola, der in 15. Minute mit seinem Kopfball nach einer Ecke am Pfosten scheiterte. Trotzdem musste auch Leipzigs Mittelfeldmann Henrik Ernst im Nachgang neidlos anerkennen: "Halle hat uns in der ersten Halbzeit überrumpelt."

Deutliche Steigerung im zweiten Durchgang

Zorniger reagierte zur Pause und nahm den glücklos agierenden Dennis Thomalla vom Feld; für ihn kam André Luge. Der RB-Trainer löste damit die Anspielstation auf der "10" zugunsten einer offensiven Dreierreihe auf, was sich im Nachhinein als cleverer Schachzug erweisen sollte. Der HFC hatte an dieser Umstellung und vor allem am frech aufspielenden Luge ziemlich zu knabbern. Kurz nach dem Wiederanpfiff zappelte der Ball wie schon zu Beginn der ersten Hälfte im Hallenser Netz, Schiedsrichter Daniel Siebert verwehrte dem vermeintlichen Torschützen Daniel Frahn aber erneut wegen Abseitsstellung die Anerkennung des Treffers. Der Leipziger Kapitän blieb damit auch im sechsten Spiel in Folge torlos und sah zudem seine fünfte gelbe Karte, weshalb er im ersten Ligaspiel 2014 zu Hause gegen Burghausen zuschauen muss. In der 56. Minute bewies dann aber Mittelfeldspieler Dominik Kaiser bei seinem Startelf-Comeback seinen in dieser Spielzeit neu gefundenen Torriecher und erzielte bereits sein sechstes Saisontor. Rechtsverteidiger Christian Müller hatte sich zuvor wunderbar durchgesetzt, Kaiser verwertete die abgefälschte Flanke schließlich optimal. Nachdem der eingewechselte Gäste-Stürmer Pierre Merkel die 1000%ige Chance zum Ausgleich kläglich verstolperte, erhöhte RB mit einem Konter wie aus dem Lehrbuch auf 2:0. Nach Kaisers Balleroberung spielte Joshua Kimmich den perfekten Schnittstellenpass auf Yussuf Poulsen, der HFC-Keeper Kleinheider noch austanzte und einnetzte. Gerade mal sechs Ballkontakte benötigte das Leipziger Trio für diesen Treffer und demonstrierte dabei eindrucksvoll das rasante Umschaltspiel, zum dem die Zorniger-Elf in der Lage ist. Der Hallenser Anschlusstreffer durch Sören Bertram per Foulelfmeter (86.) sollte schließlich zu spät kommen und den RB-Sieg in diesem emotionsgeladenen Derby, inklusive einer Rudelbildung nach dem Pausenpfiff auf dem Weg in die Kabine, nicht mehr wirklich in Gefahr bringen.

Zorniger: "Wir gewinnen einfach Spiele"

Während der HFC als Tabellenachtzehnter mit der wenig nützlichen Erkenntnis in die Winterpause geht, bei beiden Saisonniederlagen mit Leipzig auf Augenhöhe gewesen zu sein, überwintert die Zorniger-Elf auf Rang zwei und damit auf einem direkten Aufstiegsplatz. Der Vorsprung auf die punktgleichen Verfolger aus Darmstadt und Rostock beträgt bereits komfortable fünf Zähler. Der Grund für diese unglaublich stabile erste Saisonhälfte des Aufsteigers aus Sachsen ist dabei laut Coach Zorniger denkbar einfach: "Der große Unterschied zu den anderen Mannschaften ist: Wir gewinnen einfach Spiele. Das ist eine außergewöhnliche Qualität, die man nicht trainieren kann." Der Trainer des besten Heimteams der Liga (24 Punkte aus elf Partien) trifft damit den Nagel auf den Kopf. Sammeln die Bullen auch im kommenden Jahr so stabil und unabhängig von der eigentlichen Leistung ihre Punkte, wird am Saisonende der direkte Durchmarsch in die 2. Liga stehen, zumal es in der anstehenden Winterpause noch einige Veränderungen im Kader geben wird. Nach Juri Judt (Ziel unbekannt) und Christos Papadimitriou (per Leihe zum FC Liefering) wird auch Bastian Schulz (VfL Wolfsburg II) im neuen Jahr nicht mehr dabei sein. Der defensive Mittelfeldspieler löste trotz zuletzt geringer Einsatzzeiten etwas überraschend seinen Vertrag auf. Neben dem finnischen Außenverteidiger und Nationalspieler Mikko Sumusalo (von HJK Helsinki) folgen in den kommenden Wochen wohl noch ein Sechser und ein flexibler Offensivspieler. Da Zornigers Stammelf mittlerweile steht und prächtig funktioniert, dürften alle drei Kaderergänzungen auch bereits als Vorgriffe auf die kommende Saison und die wahrscheinlich höheren Aufgaben in der 2. Liga zu verstehen sein.

FOTOS: GEPA Pictures

 

 

   
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