Fünf Gründe, warum die Kogge nach dem Abstieg nicht untergeht

„Für immer und ewig und auch bei Windstärke 10, wir halten zusammen, wir werden nicht untergehn.“ So heißt es in der offiziellen Hymne „Hansa Forever“ – Ein Klassiker an der Ostsee. Die Fans singen ihr Lied vor jedem Heimspiel besonders mit der dazugehörigen Schalparade ist Gänsehautfeeling pur zu spüren. Egal, ob man seit 30 Jahren oder zum ersten Mal dabei ist, man fühlt sich in den Bann gezogen. Der Verein, der seit seiner Gründung im Jahr 1965 eine Institution für viele Menschen ist, steht nach dem Abstieg 2010 nun zum zweiten Mal in der 3. Liga. Hansa stand vor dem Abgrund, nur durch die Hilfe der Fans, der Stadt Rostock, des Landes Mecklenburg-Vorpommern und der Sponsoren können die Hanseaten nun weiter existieren. liga3-online.de erklärt, warum die Kogge auch in der kommenden Saison nicht untergehen wird.

Grund 1: Das Trainerteam

Kontakte machen vieles leichter… Ein erfahrener Trainer wie Wolfgang Wolf verfügt über eine Menge der selbigen und so ist es zu erwarten, dass auch der ein oder andere ehemalige Spieler an Bord der Kogge gelotst werden wird. Er ist bekannt dafür, ein gutes Händchen bei der Entdeckung neuer Spieler zu haben. Gerade ausländische Spieler, wie Mintal, Vittek oder Occean, die unter ihm ihre ersten Schritte in Deutschland machten, schlugen ein. Eines der Hauptprobleme der letzten Saison war die mangelhafte Torausbeute beim F.C.H., so dass Wolf auch dort wieder den einen oder anderen aus dem Hut zaubern dürfte. Mit Johan Plat hat Hansa schon einen niederländischen Stürmer verpflichtet, der das Potenzial dazu hätte und er wird sicher nicht der Einzige bleiben. Außerdem hat Wolf, der als Jugendförderer gilt auch die gute Grundlage des Hansa-Internats. In diesem Zusammenhang ist auch die Personalie von Michael Hartmann, der 2010 mit der A-Jugend Deutscher Meister wurde wichtig, fungiert er als Co-Trainer und Nachwuchskoordinator doch als Bindeglied zwischen Profis und der Jugend. Mit Steffen Baumgart hat auch der zweite Co-Trainer gerade seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. Baumgart, der früher auch an der Ostsee stürmte, hat ein Händchen dafür, Spieler zu motivieren und schiebt auch nach dem eigentlichen Training oftmals Sonderschichten mit einzelnen Spielern. Als vierter im Bunde steht Torwarttrainer Alexander Ogrinc. Der 43-Jährige, der sich seit einem Jahr um die Torhüter des Leistungsbereiches kümmert, hat einen hohen Stellenwert bei den Spielern, da er mit seiner lockeren humorvollen Art positiven Einfluss auf die Stimmung hat. Außerdem ist der Badener ein Vorbild durch und durch, macht er doch jede Übung selbst vor. In der abgelaufenen Saison war seine Handschrift auch schon zu erkennen, denn gerade Torhüter Jörg Hahnel, zeigte sich stark verbessert. Die Mannschaft wird also von einem kompletten Team betreut, das die Kogge mit Sicherheit wieder in besseres Fahrwasser führen wird.

Grund 2: Die Jugend

Bereits in der Rückrunde der letzten Saison integrierte das Trainerteam immer wieder jüngere Spieler ins Team. Ob Edisson Jordanov, Tommy Gruppe(zu Preußen Münster) oder Manfred Starke, es gab immer wieder junge, unverbrauchte Spieler die zum Team kamen und dort gute Leistungen zeigten. Auch wenn Tommy Gruppe nach nur einem Profispiel den Verein verlässt und auch Edisson Jordanov trotz gültigem Vertrag das Interesse anderer Vereine geweckt hat, wird die Jugend wie beispielsweise Manfred Starke, der seinen Vertrag um ein Jahr verlängert hat ein wichtiger Faktor für den angestrebten Wiederaufstieg sein. Spieler, wie Max Kremer oder Rico Gladrow, die in der letzten Saison in der zweiten Mannschaft glänzten und souverän Meister in der Oberliga Nordost wurden, könnten den  Sprung in die Lizenzmannschaft schaffen und würden auch dort sicherlich den ein oder anderen positiv überraschen. Die U19 des Vereins, die 2010 Deutscher Meister und letztes Jahr Vize-Pokalsieger wurde, belegte in der vergangen Saison den 4. Platz und das obwohl sie mit Jordanov ihren besten Mann an die Profis verloren. Besonders die beiden Stürmer Sargis Adamyan und Nils Quaschner sowie Innenverteidiger Andreas Pfingstner haben das Zeug für die erste Mannschaft und werden mit Sicherheit auch mittelfristig dort ihren Platz finden.

Grund 3: Die Führungsetage

Es gab Zeiten, da herrschte in Rostock ein Führungschaos, welches verantwortlich für die momentane kritische finanzielle Situation des Vereins ist. Die damals handelnden Personen klebten an ihren Stühlen, egal ob im Präsidium oder im Aufsichtsrat. Keiner wollte Fehler gemacht haben, doch die Fakten sprechen eine andere Sprache. Man hat zwar eine erstligareife Infrastruktur und gute Bedingungen geschaffen, aber die Nachhaltigkeit aus den Augen verloren. Zehn Jahre am Stück war der F.C. Hansa in der höchsten deutschen Spielklasse zugegen und galt als Aushängeschild aus den „neuen Bundesländern“, doch man nutzte diese hervorragende Situation nicht aus, verpasste es Rücklagen zu bilden oder eine erstligawürdige Vermarktung auf die Beine zu stellen. Die Hypothek dieser Altlasten hat die derzeitige Führungsriege um den Vorstandsvorsitzenden Bernd Hofmann heute zu schultern. Nach dem erstmaligen Abstieg in die Drittklassigkeit 2010 übernahm der heute 43-Jährige die Führung und baute mit Sigrid Keler(70), der ehemaligen Finanzministerin Mecklenburg-Vorpommerns, eine Frau mit sehr viel Fachkenntnis und guten Kontakten zur Politik in sein Team ein. Des Weiteren gehört mit Dr. Peter Zeggel(53) ein Mann zum Team, der in punkto Marketing mit kreativen Ideen in Zusammenarbeit mit der Firma Infront dafür sorgt, dass die Einnahmen aus diesem Bereich sogar höher sind als vor drei Jahren in der 2.Bundesliga. Als viertes Mitglied des Vorstandes ist mit Stefan „Paule“ Beinlich als Manager jemand für das Sportliche zuständig, der das, früher von anderen Offiziellen oft betitelte „Hansa-Herz“, wirklich in sich trägt und alles für den Verein tut. Wie schon früher als Spieler an Bord der Kogge bringt er mit seinem hohen Engagement und seinem Verstand auch seine Erfahrung aus 17 Jahren als Profi mit ein. Auch hier funktioniert also das Team und es ist zu erwarten, dass der Verein auch hier weiter professionell nach vorne gebracht wird.

Grund 4: Die Erinnerung

Am 17. Mai 2010 stand der F.C. Hansa mit dem ersten Abstieg in die Drittklassigkeit  in der Vereinsgeschichte vor dem Gang ins Ungewisse. Der Abstieg war ein Ende, doch irgendwie auch eine große Chance, die Chance auf einen Neuanfang! Auf diesen Neuanfang hat man lange Zeit gewartet und dann war es endlich soweit. Es gab eine neue Führungsetage, einen neuen Trainer und letztlich ja auch eine (fast) neue Mannschaft. Man hat damals mit der Neuaufstellung im Vorstand einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Diesen Weg geht man seitdem  immer weiter und es ist davon auszugehen, dass der Verein mittel- bis langfristig auch wieder bessere Zeiten erleben wird. Die letzte Saison in der 3. Liga war dann eine überraschende. Niemand rechnete damit, dass die neue Mannschaft mit ihrem, wie sich herausstellen sollte, genialen Mittelfeld-Trio(Jänicke, Lartey, Ziegenbein) und großartiger mannschaftlicher Geschlossenheit, den sofortigen Wiederaufstieg schaffen würde. Doch so kam es. Die Freude kannte keine Grenzen, war der Weg doch ein sehr schwerer. Nun ist es eben so, dass man wieder recht unbekannte Neuzugänge hat, der Trainer ist mit Wolfgang aber ähnlich „aufstiegserfahren“ wie Peter Vollmann. Gerade in den vergangen Wochen, als die Hansa-Kogge um ihre Existenz kämpfen musste, zeigte sich wieder eines: Wenn man sich an etwas erinnert, was gut war, so kann man daraus die Kraft ziehen, etwas Neues, Gutes auf die Beine zu stellen. Auch die Statistik macht Mut, wenn man bedenkt, dass Hansa nach einem Abstieg in die 3. Liga bisher immer den direkten Wiederaufstieg geschafft hat

Grund 5: Das Umfeld/ Die Fans

Es heißt: „In guten, wie in schlechten Zeiten“. Gerade durch die angespannte finanzielle Situation und die damit verbundenen Ängste ist das Umfeld des Vereins noch einmal weiter zusammengerückt. Fotos aus aller Welt, Zusprüche und „Ja-zum-F.C.H.“-Botschaften ebenfalls rund um den Globus setzten ein deutliches Zeichen, was der Klub von der Ostsee für ein Fanpotential hat. Der Verein ist eben nicht nur ein Verein, sondern eine Lebenseinstellung. Hansa ist eine Marke, die keine Ländergrenzen kennt. Wenn man etwas gelernt hat, dann ist es, dass man nur gemeinsam stark ist. In der Vergangenheit vielen leider immer wieder einige der sogenannten „Anhänger“ des F.C. Hansa durch Gewalt und Pyrotechnik auf. Das ehemals gute Image hat sehr darunter gelitten, doch auch der Aufwärtstrend ist klar zu erkennen. Zwei, selbstorganisierte, Demonstrationen innerhalb kurzer Zeit, die friedlich abliefen und ein Bild von treuen Fans zeigen, die ihren Verein lieben und alles dafür tun, um ihn zu unterstützen. Fans sind eine Macht und gerade die wahren Hansafans, die Woche für Woche ihren Verein, egal ob zuhause oder auswärts, nach vorne peitschen, sind ein Werbung für den Sport. Man hat durch die katastrophalen Ereignisse der Vergangenheit gesehen, wie es nicht sein soll. Man hat gelernt, was man tun muss, um wirklich seinen Verein zu unterstützen. Nun zeigt die Vereinsführung auch wieder Gesprächsbereitschaft, den Fans ihre Heimat, die Hintertortribüne auf der Südseite der Arena, zurückzugeben. Bleibt zu hoffen, dass der Aufwärtstrend so weiter geht.

Volle Fahrt voraus!

Fazit: Der F.C. Hansa Rostock ist ein besonderer Verein, der auch in der neuen Saison die Chance hat, erneut den sofortigen Wiederaufstieg zu schaffen. Die Aufwärtstrends sind sowohl sportlich und wirtschaftlich als auch in der Fanszene zu erkennen, müssen aber eben wie ein Schiff gepflegt werden. Möglicherweise ist die 3.Liga auch genau die richtige Werft um die Kogge wieder fit zu machen. In diesem Sinne: Volle Fahrt voraus!

FOTO: Flohre Fotografie

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