Köln: Positive Entwicklung – Kegel-Ausfall bereitet Sorgen

Fortuna Köln war bislang eine der Überraschungsmannschaften der laufenden Drittliga-Saison. Dabei war die Skepsis im Sommer, nach dem schwerwiegenden Qualitätsverlust durch die Abgänge von Julius Biada und Marco Königs, durchaus groß – ein knüppelharter Abstiegskampf wurde den Südstädtern prophezeit. Die ersten acht Spiele belegen aber das Gegenteil. Die Fortuna hat sich mit ihrer speziellen Spielweise im oberen Tabellendrittel festgebissen. Die jüngste Niederlage gegen den FC Hansa Rostock zeigt allerdings auch, dass die schwere Verletzung von Maik Kegel zu einem großen Problem werden könnte. 

Positive Entwicklung unverkennbar

„Katastrophal“ – Fortuna-Trainer Uwe Koschinat reicht ein Begriff um den Ausfall seines zentralen Mittelfeldspielers zu beschreiben. Maik Kegel, erst im Sommer von der Kieler Förde an den Rhein gewechselt, verletzte sich am vergangenen Samstag so schwer am Knie, dass dem 26-Jährigen jetzt sogar das Saisonaus droht. Dabei war Kegel in der aktuellen Spielzeit bislang einer der Fixpunkte bei den Kölnern und hatte entscheidenden Anteil daran, dass die Fortuna annähernd optimal aus den Startlöchern kam. 13 Punkte sammelten die Südstädter in den bisherigen acht Partien, gleichbedeutend mit dem besten Saisonstart seit dem Drittliga-Aufstieg 2014. Im letzten Jahr holte die Mannschaft im selben Zeitraum lediglich acht Zähler, in der Saison davor sogar nur vier! Trotz der jüngsten Niederlage gegen den FC Hansa Rostock, die positive Entwicklung bei den Kölnern ist unverkennbar und basiert auf mehreren Faktoren.

Wettkampfhärte, defensive Stabilität und Flügelspiel

Die Mannschaft profitiert nun von den seit über mehreren Jahren gewachsenen Strukturen. Seit dem Aufstieg im Jahr 2014 wurde das Team lediglich punktuell verstärkt. In der aktuellen Stammformation finden sich mit Cedric Mimbala, Maik Kegel, Selcuk Alibaz und Marc Brasnic nur vier Spieler, die erst kürzlich zum Team dazu gestoßen sind. Zudem hat Uwe Koschinat in dieser Saisonvorbereitung die Abläufe verändert und augenscheinlich die richtigen Hebel gefunden. Der Schwerpunkt im Sommer lag diesmal auf einer hohen Wettkampfpraxis. Die Fortuna absolvierte insgesamt elf Testspiele, stets gegen hochklassige Mannschaften und verschaffte sich so schon vor dem Saisonstart die nötige Wettkampfhärte. Zudem wurde strategisch an den Schwachstellen gearbeitet, vor allem in der Defensive. Die Zahl der individuellen Fehler ist merklich gesunken. Im letzten Jahr stellte man mit 69 Gegentoren noch die Schießbude der Liga – spielte nur sechs Mal zu Null. In dieser Saison hat die Viererkette wieder an Stabilität gewonnen. Dabei ragte bislang vor allem das Innenverteidiger-Pärchen Mimbala/Uaferro heraus. Das Prunkstück in der Offensive ist derzeit das Flügelspiel. Aggressive Balleroberung kombiniert mit blitzschnellem Umschaltspiel auf dem direkten Weg zum gegnerischen Tor – die Mannschaft zelebriert in dieser Saison mehr denn je den typischen Fortuna-Still.

Kegel-Ausfall – ein „immenser sportlicher Verlust“

Darüber hinaus hatten die Verantwortlichen mit Maik Kegel den scheinbar passenden Spieler für das Zentrum gefunden. Mit seiner Passsicherheit nahm der 26-Jährige bislang großen Einfluss auf das Spiel der Fortuna. Kegel kontrollierte das Tempo und agierte auch in hektischen Situationen mit Ruhe und Routine. Allerdings wird die Mannschaft auf Kegels Qualitäten in Zukunft verzichten müssen. „Riss des vorderen Kreuzbandes, Teilriss des Innenbandes sowie eine schwere Knochen-Knorpel-Quetschung im rechten Kniegelenk“ lautete die schockierende Diagnose am Anfang dieser Woche. „Für uns ist sein Ausfall ein immenser sportlicher Verlust. Maik hatte mit seiner Abgezocktheit großen Einfluss auf unser Spiel“, äußert sich Koschinat, der nun von seiner Ursprungsidee abrücken muss. Der Plan des Fußball-Lehrers sah es vor, dass Kegel und Kristoffer Andersen gemeinsam aus der Zentrale heraus den Rhythmus des Fortuna-Spiels diktieren. Dazu wird es in dieser Saison nicht mehr kommen.

Koschinat auf der Suche nach Plan B

Schon in der englischen Woche gegen den FC Hansa Rostock machte sich das Fehlen von Kegel bemerkbar – die Fortuna produzierte eine hohe Anzahl an einfachen Fehlern im Aufbauspiel, agierte größtenteils viel zu hektisch und schaffte es nie das nötige Tempo in ihre Angriffsaktionen zu bringen. Die schwächste Saisonleistung ist gleichzeitig ein Warnsignal für die Mannschaft und den Trainer. Koschinat braucht für die kommenden Wochen und Monate einen Plan B. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Duo Pazurek/Andersen eine gute Dominanz auf den Platz bringen kann – falls der verletzungsanfällige Andersen ausfällt kann auch der laufstarke Hamdi Dahmani ins Zentrum rücken. So oder wird sich aber die Balance des Fortuna-Spiels verändern. Die kommenden Spiele werden zeigen, ob die Mannschaft mit dieser Veränderung zurechtkommt und die positive Entwicklung dennoch fortführen kann.

   
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