FCS-Fans stürmen in den Innenraum: "Völlig übertrieben"

Beim 0:1 gegen Viktoria Köln hat der 1. FC Saarbrücken am Samstag die zweite Niederlage in Folge kassiert und es erneut verpasst, auf den dritten Rang zu springen. Nach der Partie stürmten mehrere Fans in den Innenraum und diskutierten mit der Mannschaft. Während Uwe Koschinat die Anhänger in Schutz nahm, empfand Kapitän Manuel Zeitz die Reaktionen als "völlig übertrieben". 

Zeitz findet deutliche Worte

Würde man es nicht besser wissen, hätte man meinen können, der 1. FC Saarbrücken sei gerade abgestiegen. Genau das vermittelten die Szenen nach Spielende nämlich: Die Partie war gerade abgepfiffenen, als mehrere Fans ein Fluchttor vor dem Block hinter dem Tor öffneten und in den Innenraum liefen. Dort angekommen, rüttelten sie an den Werbebanden, die umzufallen drohten. Als die Mannschaft in die Kurve kam, wurde sie mit Pfiffen und Mittelfinger-Gesten empfangen. Zudem strömten weitere Fans, darunter ein Mann mit einem Kind auf dem Arm, in den Innenraum und diskutierten teils energisch mit den Spielern. Dabei war der FCS nicht etwa abgestiegen, sondern hatte seine erste Heimpleite seit Anfang November kassiert (0:2 gegen Kaiserslautern). Schon damals waren die Fans i den Innenraum gestürmt.

Kapitän Manuel Zeitz konnte über die Reaktionen der Fans angesichts von Tabellenplatz vier nur den Kopf schütteln, als er zum Interview mit "MagentaSport" kam: "Die Reaktionen sind völlig übertrieben. Ich weiß auch, dass es kein überragendes Spiel war, aber nach einem 0:1 den Platz zu stürmen und uns so hinzustellen, als wären wir die absolute Vollidioten und komplette Versager, ist der falsche Weg", fand der 31-Jährige deutliche Worte und mahnte: "Wir sind im zweiten Jahr 3. Liga. Es würde uns in Saarbrücken gut tun, mehr Demut an den Tag zu legen. Man muss akzeptieren, dass wir nicht der Aufstiegsfavorit Nummer 1 sind. Wir haben immer noch eine gute Ausgangslage und mit den unteren Plätzen nichts zu tun. Das sollte in alle Köpfe rein."

Die Mannschaft könne sich "nicht immer 100 Mal entschuldigen oder rechtfertigen, wenn wir mal ein Spiel verlieren", so Zeitz. "Wären wir das Bayern München der 3. Liga und hätten das Zehnfache an Etat, könnte ich die Reaktion verstehen. Aktuell kann ich es nicht." Zwar seien Pfiffe und Kritik okay, "aber es muss im Rahmen bleiben. Langsam geht es unter die Gürtellinie."

Verständnis bei Koschinat

Auch Trainer Uwe Koschinat war in die Diskussionen mit den Fans nach Schlusspfiff involviert und redete zeitweise durchaus energisch auf sie ein, ehe er den Schauplatz sichtlich genervt verließ und eine "Bla-bla-bla"-Handbewegung machte. Angesichts dieser Bilder war es umso erstaunlicher, wie ruhig er sich anschließend am "Magenta"-Mikrofon gab und trotz einiger Zwischenrufe von der Tribüne sogar Verständnis für die heftige Reaktion aus der Fankurve hatte: "Die Fans haben keine andere Möglichkeit, als die Emotionen, die im Fußball dabei sind, über diesen Weg zu entladen. Ich kann verstehen, dass das raus muss. Und dass die Fans die Chance haben, auf den Platz zu laufen, ist nicht ihr Versäumnis." Zwar zeigte er sich von der Art und Weise überrascht, meinte aber: "Damit musst du als Profi umgehen."

Was den FCS-Coach allerdings "massiv" frustrierte, war die Tatsache, "dass jedes Mal der Anschein erweckt wird, als ob wir kein leistungsbereiter Haufen wären. Wir sind in so vielen Spielen über uns hinaus gegangen – auch mit Hilfe der Fans." Entsprechend habe er die "naive Hoffnung" gehabt, dass ein gewisses Miteinander bestehe. "Doch das trifft offensichtlich nicht auf alle zu." Koschinat zufolge gebe es "Gruppierungen, die sich für stärker halten als der Verein". Entsprechend enttäuscht zeigte sich der 50-Jährige – und hatte auch eine Vermutung, warum einige Fans so extrem auf die Niederlage reagiert haben: "Wir haben wohl den Anspruch vermittelt, oben mitzuspielen. Dann ist ein 0:1 gegen Köln und die Art und Weise natürlich enttäuschend."

Zu viel Druck?

Einmal mehr verwies Koschinat darauf, dass der FCS in den letzten Wochen "einige Rückschläge" zu verkraften hatte und in dieser Saison noch keine leichte Phase gehabt habe. Und auch gegen Viktoria Köln taten sich die Saarländer am Samstag enorm schwer. "Es war nicht unser Spiel, und es ging schon beschissen los", sagte Zeitz und meinte das Eigentor von Dominik Ernst nach nur sieben Minuten. Völlig unbedrängt schlug der 31-Jährige den Ball ins eigene Tor. "Ich muss mit ihm reden, wie er auf so eine Aktion kommt", kündigte Koschinat an. "Das ist untypisch für ihn, denn eigentlich ist er ein sehr zuverlässiger Spieler."

Wie ist ein solcher Blackout also zu erklären? "Vielleicht haben wir uns zu viel Druck gemacht", überlegte der Chefcoach und konnte nicht verhehlen, "dass uns die Neven heute einen Streich gespielt haben". Denn nach dem Gegentreffer ging kaum noch etwas nach vorne. Noch ist der Aufstiegszug für den FCS nicht abgefahren, wenngleich sich die Lage nach zwei Pleiten in Folge wahrlich nicht verbessert hat. "Wir haben keine andere Chancen, als jetzt Leistung zu bringen", blickte Koschinat dem Auswärtsspiel bei Türkgücü München am 28. Februar voraus. Ob die Fans dann wieder ein anderes Gesicht zeigen?

Der Innenraum-Sturm im Video:

 
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