F.C. Hansa Rostock: Sieg gegen Halle wirft Fragen auf

Na endlich! Der F.C. Hansa kann nach fast zwei Monaten nicht nur gewinnen, sondern auch wieder ansprechenden Fußball spielen. Das bewies die Mannschaft von Trainer Andreas Bergmann am Samstag mit einer sehr engagierten Leistung im Ostduell gegen den Halleschen FC. Vor rund 11.000 Zuschauern sicherte ein Doppelschlag von Shervin Radjabali-Fardi (12.) und dem genesenen Milorad Pekovic (15.) bereits früh den Sieg. Auch nach den Toren spielte die Kogge weiter auf das Tor der Gäste, allerdings verpasste man mit einem 3:0 den Sack zuzumachen, was an der eigenen Abschlussschwäche und an Halles erneut starkem Torwart Pierre Kleinheider lag. Bei aller Freude über den immens wichtigen Sieg für die Moral und das Punktekonto, warf das Spiel nach Abpfiff mehr Fragen auf, als es eine Niederlage getan hätte:

Kann Hansa nur unter Druck gewinnen?

Sechs Spiele konnte der F.C. Hansa vor dem Spiel gegen den HFC nicht gewinnen. Teams wie Borussia Dortmund II, der 1. FC Saarbrücken oder vergangene Woche die Stuttgarter Kickers schienen zu große Hürden für die Elf von der Ostsee zu sein, gegen Darmstadt 98 setzte es sogar eine 0:6-Niederlage. Möglich, dass die Mannschaft für den Job des Trainers gespielt hat, vermuten lässt das zumindest der Zeitpunkt des Leistungsumschwungs. Allerdings stellt sich die Frage, ob es erst einer existenziellen Bedeutung bedarf, die Mannschaft für eine engagierte Partie zu motivieren. Von Profifußballspielern hätten viele den Knall bereits nach dem Darmstadt-Spiel erwartet. Nun fragt man sich zu Recht, ob die Mannschaft zusätzlichen Druck braucht, um zu gewinnen.

Welchen Charakter besitzt die Mannschaft?

Ein glanzvoller Saisonstart, dann eine sieglose Serie – wie ist die Mannschaft einzuschätzen? Fakt ist, dass es so drastisch wohl nur an der Ostsee zugeht. Bereits im letzten Jahr gewann die Kogge zum Amtsantritt von Marc Fascher die ersten acht aus zehn Spielen zwischen September und November, um dann bis Anfang März kein Spiel mehr zu gewinnen. Nun stand gestern eine völlig andere Mannschaft auf dem Feld der DKB-Arena, allerdings wurden die Parallelen zur Seuchensaison im letzten Jahr schon vor dem Spiel mehr als deutlich. Die Mannschaft muss endlich ein Gesicht entwickeln und ihr Leistungsvermögen klarstellen. Unter Berücksichtigung der bisherigen Saisonergebnisse könnte das sowohl „alles“ als auch „nichts“ sein. Denn auch nach dem Spiel gegen Halle gab es einiges zu kritisieren. Pekovics gelb-rote Karte resultierte aus einer Rettungsaktion für den seit Wochen miserablen Alex Mendy. Brinkies‘ Aussetzer gegen Bertram hätte die nächste rote Karte gewesen sein können und die Kogge war mit dem anschließenden Elfmeter noch gut bedient.

Welche Rolle spielt Milorad Pekovic?

Aus der Bundesliga ins Drittliga-Mittelfeld. Von der montenegrinischen Nationalmannschaft an die Ostsee. Dass Milorad Pekovic in seinem Leistungsvermögen die übrige Mannschaft noch ein paar Zentimeter überragt, ist kein Geheimnis. Auch nicht, dass sich Uwe Vester und Andreas Bergmann vor der Saison von Pekovic die Rolle des Leaders erwartet haben, die dieser auch perfekt ausfüllt. Allein hinter dem verletzungsanfälligen „Peko“ komm kein Ersatz. Tommy Grupe ist kein Vergleich zum Nationalspieler, Haas und Schünnemann zu offensiv, Krauße zu unerfahren und Leemans verletzt. Letzterer sollte schon längst den Backup von Pekovic übernommen haben, reiht sich allerdings nahtlos in die Kette von einfach nicht genesen wollenden Schlüsselspielern beim F.C. Hansa Rostock ein, was auch die alte Kritik an der medizinischen Abteilung des ehemaligen Bundesligisten erneuert. Nun ist Pekovic erst einmal gesperrt und die Suche nach einem Ersatz geht von vorne los.

Was wird aus Andreas Bergmann?

Bei einer Niederlage wäre Bergmann weg gewesen, so viel stand fest. Vor dem Spiel gab Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Abrokat zu Protokoll, die Situation nach dem Halle-Spiel neu bewerten zu wollen und wird sich jetzt an diesen Worten messen lassen müssen, denn weder Mannschaft noch Trainer gaben am Samstag einen Grund für eine Entlassung. Allerdings betreffen die unbeantworteten Fragen auch Andreas Bergmann, denn vor allem die Motivation muss er den Spielern vermitteln und die hat in den vergangenen Wochen ganz sicher gefehlt. Eine verlängerte Frist hat der Sieg gegen Halle dem Coach in jedem Fall eingebracht, allerdings muss der F.C.H. nun in Münster zwingend nachlegen, um den Job des Trainers langfristig zu sichern und sich endlich wieder aus dem vermaledeiten Tabellenkeller zu befördern.

FOTO: Sebastian Ahrens / rostock-fotos.de 

   
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