Europapokal-Historie der Drittligisten #1: 1. FC Saarbrücken

„In Europa kennt euch keine Sau“ – treffen Fans von auf internationalem Parkett erfahrenen Fußballvereinen auf Gegner, denen Pflichtspiele über die Landesgrenzen hinaus bisher verwehrt blieben, gehört diese Zeile zu den Klassikern der in Fankurven angestimmten Liedern. In der dritten Liga wird dieser Gesang zur Saison 2012/2013 allerdings so selten wie nie zuvor erklingen. Mehr als ein Drittel der 20 Drittligavereine trat bereits im Europapokal auf. Mit acht einstigen Europacupstartern weist die Spielklasse lediglich zwei Vertreter weniger auf als die zweite Bundesliga. Passend zum Anpfiff der neuen Spielzeit in Champions League und Europa League startet liga3-online.de die Themenwoche „Europapokalhistorie der Drittligisten“. Los geht es mit dem 1. FC Saarbrücken.

Die Geburtsstunde miterlebt

Auf die beiden französischen Journalisten Jacques Ferran und Gabriel Hanot von der traditionsreichen Sportzeitschrift L’Equipe ist die Idee zurückzuführen, die europäischen Landesmeister im Wettbewerb gegeneinander antreten zu lassen. Zur Premierenausgabe des neu geschaffenen Pokals kam es zur Saison 1955/56. Mit von der Partie war der 1. FC Saarbrücken – der sich jedoch nicht als deutscher Meister qualifizierte. Nach dem zweiten Weltkrieg pendelte der Verein zunächst zwischen deutscher und französischer Liga. Die autonome Region Saarland trat der Bundesrepublik im Jahr 1957 nach einer Volksabstimmung bei. In den Jahren zuvor agierte der Saarländische Fußballbund (SFB) als eigenständiges Mitglied der FIFA, inklusive einer eigenen Nationalmannschaft, trainiert vom späteren Bundestrainer Helmut Schön. Zwar nahm der 1. FC Saarbrücken seit 1951 wieder am Spielbetrieb der deutschen Oberliga Südwest teil, dennoch war es dem SFB vorbehalten, den Hauptstadtklub als saarländischen Meister zur Erstausgabe des Europapokals der Landesmeister zu nominieren.

 

Auswärtssieg in San Siro

Als Gegner bekamen die Saarländer in der ersten Runde den italienischen Meister AC Mailand zugelost. Milan, schon damals eine große Nummer, trat unter anderem mit Cesare Maldini, Nils Liedholm und Juan Schiaffino an. Das Tor hütete Lorenzo Buffon, ein Cousin des Großvaters der heutigen italienischen Nummer 1. Das Hinspiel am 1. November 1955 im San Siro beobachteten rund 18.000 Zuschauer. Unter der Leitung des Schweizer Referees Gottfried Dienst erzielte Peter Krieger nach nur fünf Minuten die Führung der Gäste. Die Mailänder zeigten sich allerdings wenig geschockt und verwandelten den Rückstand noch vor der Pause mit drei Toren in eine Führung ihrerseits. Der Anschlusstreffer zum 3:2 durch Waldemar Philippi zwei Minuten vor dem Pausentee gab den Saarbrückern allerdings neue Hoffnung. Tatsächlich gelang durch einen Doppelschlag innerhalb von nur drei Minuten im zweiten Durchgang eine erneute Wendung des Spiels. Weitere Treffer sollten nicht fallen, der 3:4 Auswärtssieg versprach somit eine äußerst günstige Ausgangsposition vor dem Rückspiel.

 

Ein Eigentor leitet das Ausscheiden ein

Dieses begann wie das Hinspiel mit einer frühen Gästeführung, Valentino Valli netzte in der 8. Minute für den AC ein. Der Ausgleich noch vor der Halbzeit beruhigte zunächst die Nerven der 15.000 Zuschauer im Ludwigspark, der bis heute genutzten Spielstätte. In der 75. Minute sah sich der FCS jedoch durch Fortuna verlassen: Ein Eigentor von Theodor Puff sorgte für die erneute Gästeführung. Auch wenn das jetzige Ergebnis von 1:2 noch für ein Weiterkommen ausgereicht hätte, zeigte sich in der jetzigen Schlussphase die Auswahl Milans durch den Treffer beflügelt. Schnell legte Valli seinen zweiten Treffer des Tages nach, Eros Beraldo war schließlich der 1:4 Endstand vorbehalten. Somit endete der Europapokalauftritt des 1. FC Saarbrücken nach lediglich zwei Partien, denen bis zum heutigen Tag keine Weiteren folgen sollten.

Morgen: Hallescher FC

FOTO: Flohre Fotografie 

 

   

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