Erfolgslos trotz guter Zahlen: Warum der FCS nicht aus der Krise findet
15 Spiele ohne Erfolg, ein immer nervöser werdendes Umfeld und zu allem Überfluss auch noch eine direkte Konkurrenz, die immer mehr Druck macht: Der 1. FC Saarbrücken hat ein echtes Problem. Nur weiß er selbst nicht, wie es behoben wird – und verzichtet auf Mutmacher.
70 Torschüsse für einen Torjubel
Die Zeit der Durchhalteparolen beginnt üblicherweise erst im Frühling. Umso besorgniserregender ist, dass die Spieler des 1. FC Saarbrücken auf genau diese Form der Kommunikation jetzt schon keine Lust mehr haben. "Wir reden jede Woche denselben Mist", sagte Stürmer Dominic Baumann – und das womöglich nicht zum ersten Mal in seiner Karriere, schließlich jagt er gerade den zweifelhaften Rekord, als erster Spieler zum 4. (!) Mal in Folge aus der 3. Liga abzusteigen. Spielt der FCS jede Woche, wie sie reden? Die Antwort ist nicht so eindeutig, denn die 90 vorherigen Minuten gegen den VfL Osnabrück, Endstand 0:1, waren ja nicht desaströs schwach.
Die Schwarz-Blauen waren mutig, aber hilflos. Sie waren engagiert, aber inkonsequent. Ein stetes Bemühen schafft es ins Arbeitszeugnis, die vielzitierten guten Ansätze in den Notizblock des TV-Kommentators. Am Samstag waren es 22 Abschlüsse und 2,98 Expected Goals, die zu genau gar keinem Erfolgserlebnis führten. Der Gegner aus Niedersachsen brauchte ein Viertel dieser erwarteten Tore, um das knappste aller Ergebnisse herbeizuführen.
Ein einmaliges Ereignis? Eher nicht: Acht Tage zuvor, beim 0:2 in Köln, schossen Jürgen Lugingers Ballartisten sogar 24 Mal aufs Tor, 2,56 xG fanden die Statistiker rund um den Kölner Strafraum. Und beim 1:1 daheim gegen Cottbus, dem Jahreseinstand vor zwei Wochen, waren es abermals 24 Abschlüsse (2,38 xG). Chancen für acht Tore, eines erzielt, ein Punkt aus drei neutral betrachtet sehr akzeptablen Auftritten: Das ist schon ein abenteuerliches Verhältnis von Aufwand und Ertrag.
Nicht so schlecht wie Sandhausen, aber …
Üblicherweise sind ein, zwei Siege eine schnelle Medizin gegen dieses Dilemma. Und machen wir uns nichts vor: Auch wenn die Alarmglocken in der Branche traditionell schnell läuten, so hat der FCS nach wie vor genug Zeit – 16 Spiele und 48 zu vergebende Punkte in Zahlen – um den Worst-Case abzuwenden und die Saison danach einfach schnell zu vergessen. Schon die Hälfte dieser Zähler zu holen, brächte die Südwestdeutschen über die 45-Punkte-Marke und damit zu nahezu 100 Prozent ins nächste Drittliga-Jahr. Doch der Druck von außen, noch beschränkten sich die Reaktionen ja auf Pfiffe, nimmt mit jeder weiteren Begegnung ohne dieses ersehnte Gefühl von drei Punkten exponentiell zu. Und mahnende Beispiele, wie es nicht laufen sollte, gibt es genug.
So mancher FCS-Fan hat bereits den Vergleich mit dem SV Sandhausen im Vorjahr gewählt, da die Parallelen unverkennbar sind: Hoher Etat, Aufstiegsambitionen, eine starke Platzierung im Frühherbst – und eben dieser krachende Systemabsturz mit einer Mannschaft, die nie auf den Überlebenskampf ausgerichtet war. Sandhausen hatte übrigens nach 22 Spieltagen bereits 28 Punkte auf der Habenseite, nur sieben weitere sollten noch hinzukommen. Ob dies jemals ein Drittligist wiederholen kann? Saarbrücken scheint trotz aller Widrigkeiten zu gefestigt dafür.
Doch ein Jahr zuvor strauchelte ja mit Arminia Bielefeld ein weiterer Verein, dieser übrigens trotz funktionierender Mannschaft – schließlich stieg diese, leicht verstärkt, im Sommer 2025 in die 2. Bundesliga auf. 12 Monate zuvor brauchte der DSC bis zum vorletzten Spieltag, um den Albtraum Regionalliga zu bannen. Die Bielefelder behielt dabei stets die Fans auf ihrer Seite, wählten allerdings auch den Weg personeller Konstanz auf der Trainerposition, die Saarbrücken seit dem Aus von Alois Schwartz gar nicht mehr nachstellen kann.
Älteste Mannschaft der Liga
Ist es nun der fehlende Impuls an der Seitenlinie, wo die etwas altbackene Lösung gewählt wurde, Sportdirektor Luginger bis Saisonende aushelfen zu lassen? Oder ist es der Kader, der doch gewisse Limits erreicht hat? Bormuth, Sontheimer, Neudecker, Krahn, Vasiliadis, Rabihic, Baumann, Brünker und der omnipräsente Florian Pick, der bereit wirkt, einen ganzen Verein auf seinen Schultern tragen zu wollen: All diese Namen stehen ja für Größeres, oftmals für eine Zweitliga-Erfahrung, für einst besondere Drittliga-Qualität. Aber immer wieder auch für Vergangenheit, und nicht von ungefähr stellt der FCS mit einem Durchschnittsalter von 27,5 Jahren mittlerweile die klar älteste Truppe der Liga. Während aber diverse Konkurrenten Fehler in der Zusammenstellung erkannten und im Winterschlussverkauf nachrüsteten, allen voran Alemannia Aachen und der SSV Ulm, blieben die Saarländer defensiv. Vielleicht auch, weil sie mit 27 Feldspielern nominell mehr als ausreichend besetzt sind.
Eine klare Aussage zur mittelfristigen Zukunft des FCS, der in seinen fünf Drittliga-Jahren seit Wiederaufstieg nie eine schlechte Platzierung als Rang 7 erreichte, lässt sich vielleicht schon in vier Wochen treffen: Es warten direkte Abstiegsduelle bei Erzgebirge Aue (17.), daheim gegen die immer weiter abrutschende Stuttgarter Reserve (13.), in Ulm (18.) sowie beim designierten Absteiger Schweinfurt (20.). In der Hinrunde holte der 1. FC Saarbrücken aus diesen Paarungen alle zwölf Punkte, danach begann die mittlerweile viereinhalb Monate währende Erfolglosigkeit. Setzt sich diese aber fort, hat der Klub mehr als ein ausgedehntes Ergebnisproblem – und wird nicht mehr leugnen können, ein glasklarer Abstiegskandidat zu sein.