Enttäuschung und Zuversicht beim F.C. Hansa Rostock

An der Ostsee nichts Neues. Der FC Hansa wartet weiter auf den ersten Sieg seit nunmehr vier Monaten, selbst das warme Gefühl eines einzigen Pünktchens liegt in der Hansestadt schon drei Monate zurück. Woche für Woche das gleiche Bild, es werden Hoffnungen geschürt, es werden Neuerungen verkündet, es kommen wieder tausende Fans ins Stadion oder reisen durch die Republik, um am Ende der Woche wieder mit leeren Händen da zu stehen. Trainer Marc Fascher versuchte sich nach dem Spiel in diversen Interviews erneut in Realismus, nahm den Spielern etwas die Last von den Schultern, indem er das Spiel als „Bonusspiel“ titulierte. Eine Aussage, die in den Tagen danach kontrovers diskutiert wurde. Der Kredit des Trainers bei den Fans bröckelt gewaltig, auch wenn er sich und die Mannschaft gleich darauf in die Pflicht nahm: Das Nachholspiel am Mittwoch gegen Wacker Burghausen sei ein Pflichtsieg, hier müsse man unbedingt punkten.

Welche Hoffnung bleibt?

Eine Aussage, die vom mittlerweile äußerst unangenehmen Tabellenstand der Hanseaten unterstrichen wird. Fünf Punkte beträgt der Abstand auf Babelsbergs Platz 18 nach wie vor, jedoch bröckelt dieser Abstand bei sechs Niederlagen in Folge erheblich. Gegner Burghausen hat sechs Punkte mehr auf dem Konto, danach geht es am kommenden Sonntag zum Topspiel nach Halle, die ihrerseits gestern eine fantastische Moral bewiesen, das Spiel gegen Darmstadt noch drehten und mit dem Abstieg wohl nichts mehr am Hut haben dürften. Welche Hoffnung bleibt für den FC Hansa? Nach wie vor die Nachholspiele, vor allem gegen die direkten Abstiegskonkurrenten Babelsberg und Darmstadt, welche, zusammen mit dem Spielausfall gegen Burghausen, einen erheblichen Rhythmusverlust bedeuteten, gleichsam aber in ihrer Gesamtheit neun Pflichtpunkte für die Kogge bereithalten, die eine fröhlich vor sich hin lodernde Abstiegsdiskussion sofort ersticken würden.

Die Tücken des Spielplans

Neun Punkte gegen den Abstieg, neun Punkte für die Ruhe im Umfeld, neun Punkte für die Fans und neun Punkte für Marc Faschers auslaufenden Vertrag. So ginge Faschers Rechnung auf, die er dem Team vor dem Spiel gegen Heidenheim mitteilte: Es sind noch 14 Spiele zu absolvieren, entschieden sei somit noch gar nichts. Das Spiel gegen Heidenheim wurde verloren, so wie die anderen drei Spiele seit der Winterpause, die allerdings allesamt gegen Teams stattfanden, die zum Teil erheblich besser in der Tabelle platziert sind, als der FC Hansa. Münster und Heidenheim spielen um den Aufstieg, Wiesbaden müsste es mit den vorhandenen Spielern eigentlich ebenfalls tun, lediglich die Niederlage in Chemnitz war ärgerlich und unverdient, würde aber von miserablem Wetter und einem ungerechtfertigten Elfmeterpfiff begleitet. Die „Entspannungsspiele“ gegen Burghausen, Darmstadt und Babelsberg, zwei Abstiegskandidaten und mit Burghausen ein „overperformer“, fielen denkbar ungünstig aus. Nun stehen noch diese Spiele aus, zusammen mit Spielen gegen Halle, Aachen, Saarbrücken, Dortmund II, Erfurt, die man gewinnen kann und gewinnen sollte. Demgegenüber aber genauso Spiele gegen Bielefeld und Osnabrück, in denen man in dieser Saison nichts mehr erwarten kann als einen Überraschungserfolg. In denen der FC Hansa als Underdog in die Partie geht, ein Gefühl, welches einigen Fans aus zwölf Jahren Bundesliga eigentlich bekannt sein sollte, aber doch irgendwie verloren gegangen zu sein scheint.

Aufruf der Fanszene

Der Trainer, der sich bemüht, Ärgernisse wie die Platzverhältnisse oder fragwürdige Elfmeter-(Nicht-)Entscheidungen gar nicht erst zu thematisieren, spielt seit der Winterpause mit offenen Karten. Vor der Winterpause war die Mannschaft geplättet, die Luft fehlte, was kraftlose Niederlagen gegen die Stuttgarter Kickers oder die SpVgg Unterhaching zur Folge hatte. Nun kommt das Schicksal hinzu, dass Hansa, mit einer vom Trainer nachweislich als zu schwach eingeschätzten Mannschaft gegen starke, eingespielte Teams wie Münster und Heidenheim zwar bemüht war, aber einfach nicht die Qualität hatte, zu punkten. Zudem ist die Moral nach der punktlosen Serie gehörig im Keller, es fehlt ein Erfolgserlebnis gegen einen schwächeren Gegner, was in den Testspielen gegen die Oberligisten zwar simuliert werden konnte, aber kein Ersatz war für die Durststrecke in der Liga. Was fehlt sind die Spiele, in denen die Elf mit breiter Brust auftreten kann, weil der Gegner nachweislich schwächer ist. Spiele, wie gegen die Abstiegskandidaten Darmstadt und Babelsberg. Das weiß der Aufsichtsrat, das weiß der Vorstand, das weiß Marc Fascher. Und das weiß auch ein großer Teil der Fanszene, die ihrerseits in einer ausführlichen Stellungnahme dazu aufrief, den Verein bis zum Saisonende zahlreich, lautstark und kreativ zu unterstützen. Aus dieser geht auch erneut der geplante Weg des FC Hansa hervor: Die Saison 12/13 oberhalb von Platz 18 beenden und sich im Sommer 2013 völlig neu aufstellen, den Verein Schritt für Schritt zu einer Einheit zusammenwachsen zu lassen um womöglich schon in der Saison 13/14 gestärkt anzugreifen. Das war seit der Winterpause immer der Plan und dieser wird durchaus erreicht werden, wenn die Kogge Charakter zeigt und, bei den verständlichen Niederlagen gegen stärkere Teams, zumindest die Pflichtsiege einsammelt, also womöglich schon aus dieser Woche mit sechs Punkten und erholt hervortritt.

FOTO: Flohre Fotografie

   

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