Eintracht verpasst höheren Sieg

Vor der beeindruckenden Kulisse von fast 18000 Zuschauern im frisch renovierten Stadion an der Hamburger Straße (die Nordkurve wurde in der Sommerpause ausgebaut und überdacht) gelang beim Heimdebut von Eintracht Braunschweig gegen Dynamo Dresden den Hausherren ein beeindruckender 2.1-Erfolg. Nachhaltig war dieser Eindruck für die Stadion- und Fernsehzuschauer (Live-Übertragung vom NDR) hier nicht vom Ergebnis her, sondern von der Art und Weise, wie die in neudesignten blaugelb-gestreiften Traditionstrikots spielenden Löwen sich auf dem Platz vorstellten. Auch die Fans selbst machten einen guten Eindruck und hatten sich besonders in der Südkurve sehr viele optische Hingucker ausgedacht (Banner, Farbspiele mit großen Karten in blau und gelb und aufgeteiltes Outfit: Rechte Südkurvenhälfte blau, linke Südkurvenhälfte gelb). Trainer Lieberknecht vertraute auf dem Platz auf das angestammte eingespielte Team der letzten Saison  – einzig die in der letzten Spielzeit schon sporadisch eingesetzte Nachwuchshoffnung Karim Bellarabi hatte sich in den Vorbereitungsspielen (u.a. beim 2:1-Erfolg über Schalke 04) auf der rechten Mittelfeldseite in die Mannschaft gespielt. Von den wenigen Neuzugängen wurde einzig der Ex-Chemnitzer Julian Reinhardt im Laufe der zweiten Halbzeit eingewechselt, als der Sieg eigentlich schon feststand. Trainer Mausch schickte auf Seiten der Elbestädter ein runderneuertes Team auf den Rasen, das dunkelbraun gekleidet auflief. Dabei verzichtete er zum Erstaunen der Fans erst einmal auf den mit großen Hoffnungen verpflichteten Ex-Unioner Sergo Biran im Sturm und gab in seinem sehr defensiv ausgerichteten Team Neuzugang Sand eine Chance. Auch in der Abwehr standen mit Herzig, Bührer und Franke gleich drei Neuzugänge.
Das diese neue Defensive noch nicht harmonierte und auch zu weit weg von den Gegenspielern stand, zeigte sich sehr schnell. Bellarabi war von Anfang an hellwach, setzte sich über rechts fast ungehindert entscheidend durch und flankte auf den vor dem Torraum freistehenden Kruppke. Dresdens Keeper Keller parierte dessen Schuss, war aber gegen den anschließenden Kopfball vom immer quirligen und reaktionsschnellen Kumbela machtlos (9.Minute).
Die Sachsen, die in den ersten 10 Minuten nicht richtig auf dem Platz waren, kamen danach sehr schnell wie aus dem Nichts zum überraschenden Ausgleich. In Minute 13 trat Schuppan rechts vorm Braunschweiger Strafraum einen der ersten Freistösse in der sehr fairen Partie. Den brachte er nicht direkt  nach vorn in den Strafraum – wo das Braunschweiger Team versammelt war – sondern quer auf den unbedrängt stehenden Kegel. Der zog ab und traf das Tor. BS-Keeper Petkovic hatte hier keine Chance zur Abwehr, da der defensive Mittelfeldmann Pfitzner den Ball unhaltbar nach rechts ins Dreieck abfälschte.
Nun bekam Dresden etwas mehr Spielanteile, da die Braunschweiger dieses Gegentor erst einmal verdauen mussten. Die Elbestädter begingen aber den leichtsinnigen Fehler, dabei etwas aufzumachen und die Braunschweiger wieder mit weiteren Torchancen zurück ins Spiel zu bringen. Dabei zeichnete sich der nach Verletzung wieder zur Verfügung stehende Löwen-Abwehrchef Dogan zweimal aus – indem er jeweils nach Eckball-Standard von Vrancic die Latte des vom dabei machtlosen Keller gehüteten Tores traf (20. und 25. Minute). Nach seinem ersten Aluminiumtreffer hatte sogar Kumbela noch eine 100prozentige Nachschuss-Chance, zog das Leder aber dabei in Rückenlage sehr weit über das Tor. Eine Minute später foulte Strifler Boland links vorm Strafraum. Kruppke schoss den fälligen Freistoss danach nur ganz knapp über Kesslers Tor. Ab dieser Phase nahm Braunschweig wieder komplett das Heft in die Hand – immer wieder angetrieben durch den starken Spiellenker und Balleroberer Vrancic. Sehenswert immer wieder auch die überlegt eingesetzten Kabinett-Stückchen von Bellarabi auf  den rechten Flügel, der seine Gegenspieler mit zusätzlichen schnellen Sprints oft zur Verzweiflung trieb. Trotz gefälliger Ballstafetten waren die Löwen dabei vor dem Tor etwas glücklos. Zum Beispiel passte Kruppke bei einem zu kurzen Rückpass von Franke auf Keller sehr gut auf und hätte den Ball fast noch vor dem Keeper erreicht. Dies war sehr knapp für die Dresdner! Kurz vor dem Halbzeitpfiff kam dann noch das Pech für die Okerstädter hinzu, dass der Schiedsrichter ein klares Handspiel von Bührer im eigenen Strafraum nicht sah und es so mit einem für Dresden sehr glücklichen Unentschieden in die Pause ging.
Dresden hatte sich beim Halbzeittee vorgenommen, nach dem Wechsel Braunschweig gleich als Überraschung einmal unter Druck zu setzen. Die sich dadurch bietenden Freiräume in der eigenen Defensive nutzten die Löwen aber gleich zu brandgefährlichen Kontern. So musste Herzig in der 47. Minute nach einer Kruppke-Flanke über den herausgelaufenen Keller vor dem einschussbereiten Bellarabi vor der Linie klären. Dresden selbst kam nur in der 52. Minute zu einer Chance durch Strifler, nachdem er sich links nach einem Doppelpass mit Jungnickel durchgespielt hatte. In der 54. Minute war es dann der Löwen-Kapitän Kruppke selbst, der den längst verdienten Führungstreffer für Braunschweig erzielte. Wieder einmal Vrancic erkannte die sich bietende Situation, hob den Ball über die Dresdner Defensive auf den auf rechts frei enteilenden  Kruppke. Dem stürzte Torwart Keller in der Hoffnung entgegen, einen vielleicht unpräzisen Schuss abwehren zu können. Der erfahrene ex-Bundesliga-Kicker jedoch schob den Ball aber unter dem Keeper überlegt zum 2:1 ins kurze Eck ein. In der 57. Minute gab es danach gleich wieder eine strittige Entscheidung im Dresdner Strafraum, denn Kumbela war dort eigentlich elfmeterreif gefoult worden.
Nun musste Dresden reagieren – und Mausch wechselte zwei Stürmer ein: Biran für den unauffälligen und glücklosen Sand und zusätzlich Sturmhoffnung Gundersen. Allerdings verpuffte diese Maßnahme, da die Löwen-Defensive beide in den Griff bekam und trotz erhöhtem Druck die Mannen aus Elbflorenz zu wenig kreativ agierten. Im Gegenteil – nun gab es Kontergelegenheiten für Braunschweig en masse, die aber alle leichtfertig vergeben wurden.

Dresden blieb bis zum Schlusspfiff ohne Einfälle und Torchancen – einzig Koch brachte in der 70. Minute eine gefährliche Flanke in den Löwen-Strafraum (geklärt von Fuchs vor Biran). Die Eintracht versagte mehrmals in aussichtsreichen Positionen vor dem gegnerischen Tor. So auch in der 78. Minute, als Kumbela eigentlich nach einer Flanke von rechts das 3:1 hätte machen müssen – sich aber bei der Entscheidung „nehme ich Kopf oder Fuß" verzettelte. Auch der anschließend für Kumbela eingewechselte Löwen-Stürmer Calamita agierte unglücklich, als er in aussichtsreicher Position vor dem Dresdner Kasten zwei besser positionierte Mitspieler übersah und sich eigensinnig in der Dresdner Innenverteidigung festspielte. So blieb es schließlich  beim hochverdienten 2:1-Sieg der Blau-Gelben.
Dresdens Trainer Mausch gratulierte nach dem Spiel Braunschweig zum hochverdienten Sieg. Seine Mannschaft habe die beabsichtigte Defensivarbeit nicht optimal umgesetzt und Braunschweig über die Außen zu viel Platz gelassen. Lieberknecht lobte sein Team, nach Nachfrage besonders persönlich Karim Bellarabi auf der rechten Seite. Allerdings sah er auch Schwachpunkte und war besonders mit Mirko Boland auf der linken Seite nicht zufrieden, der mehr könne und aufpassen müsse, dass Benjamin Kragl von der Bank aus nicht plötzlich an ihm vorbei ins Team rutsche. Das im Training intensiv geübte Verschieben der Mannschaft in bestimmten Spielsituationen hätte bereits Früchte getragen. Er machte Trainer Mausch für die Zukunft des Dresden-Teams Mut, indem er feststellte, in der neuen Mannschaft dort viel Entwicklungspotential gesehen zu haben: „Das wird eine starke Mannschaft!"
Braunschweig tritt nun nach der gezeigten Leistung als Favorit beim folgenden Auswärtsspiel beim Aufsteiger aus Saarbrücken an und will sich gleich in der Spitze festsetzen. Dresden dagegen wird es auch im nächsten Spiel nicht leicht haben, noch halbwegs erfolgreich in die Saison zu starten. Daheim spielen sie im Ost-Derby gegen Jena.

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Aufstellung Eintracht Braunschweig (4-4-2):
Petkovic – B. Fuchs , Henn , Dogan , Reichel – Bellarabi (90.Reinhardt), Pfitzner, Vrancic, Boland -Kumbela (80.Calamita), Kruppke

Aufstellung Dynamo Dresden (4-2-3-1):

Keller – Strifler (84. Kister), T. Franke, Hübener, Bührer (62. Gundersen)  -Jungnickel, Schuppan – Herzig, Kegel, Koch – Sand (62. Biran)

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JURO

 
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