Eilers: "Ich will noch einmal mein Top-Niveau erreichen"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Justin Eilers über sein Comeback in der 3. Liga, Ziele mit seinem neuen Verein SC Verl und die zurückliegenden Monate, in denen er für seine letzte Chance im Profifußball kämpfte.

"Wusste, dass ich noch gut genug für die 3. Liga bin"

liga3-online.de: Nach mehr als 14 Monaten haben Sie mit dem SC Verl einen neuen Verein gefunden. Wie groß ist die Freude darüber, Herr Eilers?

Justin Eilers: Natürlich riesig. Vor allem bin ich stolz auf mich. Es waren harte Monate, in denen ich mit meinem Fitnesstrainer kontinuierlich für mein Comeback gearbeitet habe. Die Ungewissheit, ob sich der Aufwand lohnt oder ich meine Profikarriere bereits beenden muss, schwang immer mit. Die Vertragsunterschrift in Verl war daher eine große Erleichterung. Ich bin dem Verein sehr dankbar für das Vertrauen und werde alles geben, um es so schnell wie möglich zurückzugeben.

Sie sagten in einem früheren Interview mit liga3-online.de, dass es dieses Jahr Ihre letzte Chance sei, noch einmal im Profifußball anzugreifen. Hatten Sie zwischenzeitlich schon den Glauben verloren – vor allem, nachdem Sie sich bei einem Probetraining beim VfB Lübeck verletzten?

Nein, im Gegenteil: Nach dem Probetraining in Lübeck wusste ich, dass ich noch gut genug für die 3. Liga bin. Ich habe gemerkt, dass ich es noch drauf habe. Der Muskelfaserriss war zwar ein kleiner Rückschlag, aber er hat mich nicht umgehauen. Ich habe weiter gekämpft und auf meine Chance gelauert. Diese Chance bekomme ich jetzt.

Sie konnten die Vereinsverantwortlichen in Verl von sich überzeugen. Wie fit fühlen Sie sich jetzt?

Es fehlen sicher noch ein paar Prozente. Aber ich bin einsatzbereit und voller Tatendrang. In einigen Testspielen konnte ich bereits treffen und zeigen, dass ich es nicht verlernt habe. Ich freue mich extrem auf meine ersten Drittliga-Einsätze für Verl.

In Verl spielen Sie nun bei einem Aufsteiger aus der Regionalliga West, der erstmals in der 3. Liga kickt. Hand aufs Herz: Wie viel wussten Sie vorher vom Verein?

Einiges. Schließlich kenne ich mich gut aus im Fußball – auch unterhalb der 3. Liga. Der Aufstieg war für den SC Verl ein großartiger Erfolg. In der Regionalliga West hat man eher Traditionsklubs wie Rot-Weiss Essen, Rot-Weiß Oberhausen und Alemannia Aachen als Favoriten auf dem Zettel. Es ist bewundernswert, dass sich Verl gegen diese große Konkurrenz durchsetzen konnte.

 

"Habe es unglaublich vermisst, Teil einer Mannschaft zu sein"

Am Samstag hat Verl im ersten Drittliga-Heimspiel der Vereinsgeschichte die U23 des FC Bayern München zu Gast. Sehen wir Sie dort schon auf dem Platz?

Das fragen Sie am besten unseren Trainer Guerino Capretti fragen. (lacht) Fakt ist, dass ich meine Spielberechtigung habe und dem Team zur Verfügung stehe. Von Beginn werde ich aber mit ziemlicher Sicherheit noch nicht auflaufen. Mein Startelfdebüt peile ich für die kommenden Wochen an.

Es gab bestimmt einige Leute, die Ihnen das Karriereende prophezeiten. Wem wollen Sie es vor allem beweisen?

Zunächst einmal mir selbst. Ich will noch einmal angreifen und mein Top-Niveau erreichen, auf dem ich in der Saison 2015/16 bei Dynamo Dresden war (Drittliga-Torschützenkönig, d. Red.). Aber ich möchte es auch den neunmalklugen Menschen zeigen, die mir zu meinen besten Zeiten auf die Schulter geklopft und mich dann aber an meinem Tiefpunkt fallen gelassen haben, weil sie mir ein Profi-Comeback nicht mehr zutrauten. Es wäre eine Genugtuung für mich, wenn sie mit ansehen müssten, wie ich stärker denn je zurückkomme.

In Ihrem letzten kompletten Drittligajahr 2015/16 wurden Sie Torschützenkönig, Spieler der Saison und Meister mit Dynamo Dresden. Wie lauten nun Ihre Ziele mit Verl?

Das war damals in Dresden ein bilderbuchreifes Jahr. Die Auszeichnung zum "Tor des Monats" haben Sie in Ihrer Auflistung übrigens noch vergessen. (lacht) Mehr konnte ich in einer Saison in der 3. Liga nicht erreichen. In Verl haben wir jetzt aber natürlich eine komplett andere Ausgangslage. Wir sind Aufsteiger und das einzige große Ziel ist erst einmal der Klassenverbleib. Dennoch haben wir den Anspruch, eine gute Rolle zu spielen und bestenfalls nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Was uns zugutekommen könnte, ist, dass viele Vereine uns unterschätzen.

Apropos Dresden: Im Dezember kommt es zum Wiedersehen mit Ihrem Ex-Klub. Darauf sind Sie sicher besonders heiß, oder?

Es ist natürlich noch lange hin. Zunächst einmal will ich mich im Team integrieren, fit bleiben und zu meinen Einsätzen kommen. Ich habe es unglaublich vermisst, Teil einer Mannschaft zu sein und gemeinsam um Siege zu kämpfen. Trotzdem freue ich mich schon jetzt sehr auf das Wiedersehen mit Dynamo, das ist doch logisch. Dresden ist meine zweite Heimat und zu den Fans habe ich eine besondere Beziehung. Ich hoffe auf einen herzlichen Empfang. Wenn ich dort bin, möchte ich aber nicht nur die tolle Stadionatmosphäre genießen, sondern mit Verl gewinnen. Das müssen mir die Dynamo-Fans verzeihen. (lacht)

   
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