Ehemalige Drittligisten #8: Rot-Weiß Erfurt

Insgesamt 57 Mannschaften spielten seit der Saison 2008/2009 in der 3. Liga. Während einige Klubs den Sprung in die Bundesliga geschafft haben, sind andere Vereine vom Radar der breiten Öffentlichkeit verschwunden. liga3-online.de holt diese Klubs nun wieder hervor. Heute: Gründungsmitglied FC Rot-Weiß Erfurt, das lange Tabellenführer der Ewigen Tabelle der 3. Liga war.

Zehn Jahre in Serie in der 3. Liga

Der FC Rot-Weiß Erfurt gehörte lange Zeit zu den Dauerbrennern der 3. Liga. Als Gründungsmitglied waren die Thüringer von 2008 bis 2018 durchgängig drittklassig am Ball. Dadurch führte der ehemalige DDR-Oberligist und UEFA-Cup-Teilnehmer 1991/92 auch viele Jahre die Ewige Tabelle an. Erst Ende der Saison 2017/18, in der die Rot-Weißen den schmerzhaften Gang in die 4. Liga antreten mussten, wurde Erfurt an der Spitze vom SV Wehen Wiesbaden abgelöst. Auch heute ist der jetzige Zweitligist aus Wiesbaden mit 549 Punkten noch Tabellenführer, dahinter folgen Ligakonkurrent VfL Osnabrück (527 Zähler), die SpVgg Unterhaching (485 Punkte) und auf Platz vier Rot-Weiß Erfurt (478 Zähler).

Bevor sich Erfurt 2018 aus der 3. Liga verabschiedete, hatte der Verein aus der Landeshauptstadt Thüringens selten etwas mit dem Abstieg zu tun. In sechs der insgesamt zehn Drittliga-Spielzeiten landeten die Rot-Weißen in der oberen Tabellenhälfte. Außerdem standen je einmal Platz zwölf, 13 und 14 zu Buche. Vor zwei Jahren endete die lange Drittliga-Reise dann aber vorerst. Mit Blick auf die aktuelle Situation ist davon auszugehen, dass Erfurt so schnell nicht mehr den Weg zurück in die 3. Liga findet. Dazu gleich mehr.

Neuanfang in der Regionalliga Nordost

Der Abstieg aus der 3. Liga bedeutete für die Erfurter einen kompletten Neuanfang – sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Erstmals in der Vereinsgeschichte spielte der langjährige Profiklub viertklassig, noch während der Abstiegssaison hatte Erfurt einen Insolvenzantrag gestellt. Mit vielen neuen Spielern und Ex-Nationalspieler Thomas Brdaric als neuen Trainer gab der Verein den Wiederaufstieg in die 3. Liga für die kommenden Jahre als Ziel aus.

Die erste Saison nach dem Neustart verlief zufriedenstellend. Auf den großen Umbruch im Sommer 2018 folgte eine solide Spielzeit, die auf Platz fünf abgeschlossen werden konnte. "Trotz des Umbruchs und einer turbulenten Phase mit finanziellen Problemen haben wir es geschafft, insgesamt eine ordentliche Saison zu spielen", sagte der frühere Bundesligastürmer Brdaric im Anschluss an sein erstes Amtsjahr als Erfurt-Coach: "Mit dem fünften Platz konnten wir sehr gut leben."

Einstellung des Spielbetriebs

Doch die Freude über den gelungenen Neuanfang hielt nur kurz an. Die finanziellen Sorgen verschwanden auch in der Regionalliga nicht. In der Winterpause der aktuell wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Saison 2019/20 wurde bekannt, dass sich Erfurt mit Gehaltszahlungen für Spieler und Angestellte in Verzug befand. Weil wirtschaftlich keine Besserung in Sicht war, ließ der Verein bereits Ende Januar einen drastischen Schritt folgen. Die Rot-Weißen verkündeten die Einstellung des Spielbetriebs in der Regionalliga Nordost, womit Erfurt früh als erster sportlicher Absteiger in die fünftklassige NOFV-Oberliga feststand.

Wie es nun genau mit dem zehnmaligen Landespokalsieger Thüringens weitergeht, ist offen. Ursprünglich geplant war Anfang des Jahres ein erneuter Neustart – diesmal in der 5. Liga. Dann kam aber die Corona-Krise, die den Fußball seit März lahm legt. Erfurt sieht plötzlich wieder eine Chance, doch noch in der Regionalliga bleiben zu dürfen. "Noch steht nicht fest, ob die Saison 2019/20 der Regionalliga Nordost abgebrochen oder zu einem späteren Zeitpunkt zu Ende gespielt wird", so Erfurts Insolvenzverwalter Volker Reinhardt gegenüber der "Thüringer Allgemeinen": "Wir sind mit dem Nordostdeutschen Fußballverband im Gespräch, um auszuloten, welche Möglichkeiten im Hinblick auf einen Verbleib in der Regionalliga bestehen.“

Realistische Chancen auf einen Nicht-Abstieg gibt es aber nicht. Zunächst einmal wurde die Mannschaft vom Spielbetrieb der Nordost-Staffel abgemeldet. Hinzu kommen die anhaltenden finanziellen Probleme sowie die fehlende Meldung für die neue Regionalligasaison. Vom Nordostdeutschen Fußballverband gab es bezüglich der Erfurter Hoffnungen auf einen Ligaverbleib noch keine Stellungnahme. Und somit bleibt vorerst offen, wie es für die Thüringer weiter geht.

 

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  • Robert B.

    Erfurt wird Deutscher Meister 2047. Ich weiß es!!!

    • Michael Vogel

      Meine Glaskugel sagt was anderes, da wird nämlich schon mein Lieblingsclub, der FK Pirmasens, Deutscher Meister.

      • Robert B.

        Vielleicht gibt es dann ja eine zweigleisige Bundesliga 🤔

      • Robert B.

        Möglich

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