Drube: "Bin mir sicher, beides bewältigen zu können"

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Im Interview mit liga3-online.de spricht Nils Drube, Trainer der Sportfreunde Lotte, über den Spagat zwischen Familienleben und Profifußball, erklärt, warum er sich über das 0:0 gegen Tabellenführer Osnabrück ärgert, und blickt auf das kommende Spiel gegen Uerdingen.

"Das gibt mir unfassbar viel Ruhe und Kraft"

liga3-online.de: Nils Drube, Sie sind seit fast einem Monat stolzer Papa von Tochter Leni. Wie sehr beflügelt Sie Ihr Papaglück auch im Fußballgeschäft?

Nils Drube: Papasein ist einfach fantastisch. Es ist total schön nach einem anstrengenden Tag nach Hause zu seiner kleinen Familie zu kommen. Das gibt mir unfassbar viel Ruhe, Kraft und auch Gelassenheit in Stresssituationen. Und es eröffnet mir auch wieder mehr den Blick für andere und wichtigere Dinge abseits des Fußballs.

Was bereitet Ihnen mehr arbeitsreiche Nächte: Der Fußball oder der Nachwuchs?

Natürlich ist das eine wahnsinnig intensive Zeit. Aber es ist eine sehr schöne Herausforderung, die ich gerne annehme und auch genieße. Ich bin mir sicher, beides bewältigen zu können.

Die Taktiktafel darf bei Ihnen nicht fehlen. Vor Ihrem Traineramt in Lotte haben Sie unter anderem auch Gegneranalysen für verschiedene Vereine umgesetzt. Wieso macht Ihnen diese Taktiktüftelei so viel Spaß?

Egal ob Tafel oder Videoanalyse, das sind Medien mit denen ich einfach sehr gerne arbeite. Auf dem Platz unterstreiche ich mit der Tafel gerne Anweisungen und Vorstellungen. Sie dient mir auch um Änderungen besser sichtbar zu machen. Das Schöne am Fußball ist: Man kann sich noch so viele Überlegungen und Gedanken im Vorfeld machen, es kommt manchmal doch anders als man dachte. Auch in der Länderspielpause haben wir wieder taktische Anpassungen vorgenommen, da ich die Mannschaft immer besser kennenlerne.

Haben Sie Trainer-Vorbilder wie beispielsweise Taktikfuchs Thomas Tuchel?

Ich finde es total interessant von verschiedenen Vereinen und Trainern Ansätze mitzunehmen. Ich beschäftige mich unheimlich gerne mit anderen Spielsystemen anderer Teams. Auch um gewisse Dinge auf meine Mannschaft zu übertragen. In der letzten Saison hat es Maurizio Sarri beim SSC Neapel beispielsweise mit den Mitteln, die er hatte, überragend gemacht. Auch bei Roger Schmidt habe ich einiges mitgenommen als er Trainer in Leverkusen war. Man kann Ideen nicht eins zu eins übernehmen – aber das ist dann die Kunst, daraus den richtigen Weg für sein eigenes Team zu finden.

Welchen Weg haben Sie für sich und die Sportfreunde Lotte gefunden?

Zu dieser Mannschaft passt es, sehr aktiv gegen den Ball zu arbeiten, in viele Pressing-Situationen zu kommen, enge Abstände zu haben und sich viel gegenseitig zu helfen. Wir versuchen den Gegner in Bereiche reinzubringen, wo wir den Ball erobern und schnell umschalten können. Die schnelle Umschaltbewegung ist sicher eine unserer Stärken. Wir sind aber noch nicht soweit, eine andere Mannschaft bei Ballbesitz zu beherrschen, daran arbeiten wir.

 

"War nach dem Spiel sehr unzufrieden"

Zuletzt haben Sie einen beachtlichen Punkt gegen Osnabrück geholt. Es hätte sogar mehr sein können, denn Sie hatten den Tabellenführer am Rande der Niederlage. Wie lang ärgern Sie sich über so etwas?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich nach dem Spiel sehr unzufrieden war. Es gab zwei Seiten der Medaille. Einerseits war ich stolz, weil die Mannschaft Ziele, die wir uns gesteckt haben, umgesetzt hat. Andererseits hatten wir viele Chancen. Ich habe mich echt geärgert, so lange bis ich abends zu Hause bei meiner Familie gelandet bin. Ich habe den Abend dann auch genutzt um mir das Spiel nochmal anzuschauen und schon ein wenig Videoanalyse zu betreiben. Nur so hat man den Kopf frei für die Nacht und den nächsten Tag.

Am Samstag wartet mit dem KFC Uerdingen der nächste Top-Gegner auf Sie. Was haben Sie sich konkret vorgenommen gegen das Starensemble der 3.Liga?

Es sind sicherlich einige Spieler, die bereits viel erlebt haben in der Fußballwelt. Sie sind extrem leistungsstark und es gibt eine klare Rollenverteilung. Der KFC ist der Favorit, wir die kleinen Sportfreunde aus Lotte. Darin liegt aber auch gleichzeitig der Reiz. Das ist ein super Spiel für uns, denn ich glaube, dass uns diese Mannschaften auch liegen.

In der Tat haben Sie bereits den KSC geschlagen und gegen Braunschweig und Osnabrück jeweils einen Punkt geholt. Wieso liegen Ihnen vermeintlich große Gegner?

In diesen Spielen sind wir nicht selbst gefordert in Ballbesitz zu kommen. Unser Ziel muss es sein, unsere Basisleistung abzurufen. In den Umschaltmomenten müssen wir auch gegen den KFC brutal gut sein. Ich glaube, dass Stefan Krämer genau weiß, was auf ihn zukommt. Wir dürfen uns nicht nur darauf beschränken, eine gute Umschaltmannschaft zu sein, wir müssen auch eigene Lösungen kreieren, um mehr Torgefahr auszustrahlen. Daran hat es gegen Osnabrück noch gehakt und daran haben wir unter der Woche gearbeitet.

Als Sie Lotte übernommen haben, war das Team sieglos Letzter. Unter Ihnen hat man sieben Spiele gemacht und nur eine Niederlage hinnehmen müssen, hängt aber trotzdem noch unten drin. Wie sehr beschäftigen Sie sich mit der Tabelle?

Gar nicht. Das haben wir nicht gemacht und werden wir nicht tun. Diese Liga ist so ausgeglichen, dass jeder jeden schlagen kann. Unser Ziel muss es sein, bis zur Winterpause in Schlagdistanz zu bleiben und uns weiterzuentwickeln. Dann sind wir der festen Überzeugung, dass wir am Ende über dem Strich landen.

Die 3. Liga kann für Spieler und auch Trainer ein Sprungbrett für höhere Aufgaben sein, für Sie auch?

Ich bin da total entspannt. Ich mache mir 0,0 Gedanken was im Winter oder Sommer passiert. Im Fußball gibt es keinen Masterplan. Man kann nur versuchen, seine beste Arbeit zu machen und zu schauen was passiert. Man muss zufrieden und demütig sein. Es ist für jeden Trainer ein großes Glück im Profibereich arbeiten zu können und dafür muss man dankbar sein.

   

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