Die Gründe für die erste Heimniederlage von RB Leipzig

Nun ist es also doch passiert. Nach insgesamt 591 Tagen musste RB Leipzig mal wieder eine Ligapleite im eigenen Stadion hinnehmen. Die Sachsen verloren das Ostduell gegen den FC Hansa Rostock nicht unverdient mit 1:2. Der Spielverlauf spielte den Gästen dabei voll in die Karten. David Blacha vor der Halbzeitpause (37.) und Johan Plat wenige Minuten nach dem Seitenwechsel (52.) brachten die Norddeutschen mit 2:0 in Führung, mehr als der Anschlusstreffer durch Dominik Kaier (61.) wollte den Leipzigern bis zum Ende nicht mehr gelingen. Großartige Auswirkungen in der Tabelle hat diese Niederlage für die Rasenballsportler allerdings nicht, die mit einem Punkt Vorsprung auf Erfurt weiterhin auf Platz zwei liegen. Trotzdem ärgerte sich RB-Trainer Alexander Zorniger natürlich über die erste Heimpleite in einem Ligaspiel seit April 2012, deren Gründe wie so oft vielfältig sind.

1.  Der Gegner

Auch der Leipziger Trainer erkannte nach dem Spiel die starke Leistung der Rostocker neidlos an. Die Hanseaten wurden von ihrem Coach Andreas Bergmann geschickt auf die favorisierten Sachsen eingestellt und bearbeiteten RB über die vollen 90 Minuten äußerst effektiv. Gerade in den entscheidenden Zonen im und um den eigenen Strafraum agierte die Hansa-Defensive bis auf wenige Ausnahmen aufmerksam und kompromisslos. Auf der Gegenseite nutzte die Bergmann-Elf ihre beiden ersten echten Großchancen eiskalt aus und fand sich auch nach dem Leipziger Anschlusstreffer in der komfortablen Lage wieder, aus einer guten Ordnung heraus gegen einen immer weiter öffnenden Gegner wiederholt gefährliche Konter setzen zu können. Dabei verpassten es die Rostocker allerdings, eine ihrer zahlreichen Großchancen zu nutzen und den Sack frühzeitig zuzumachen. Dass die Norddeutschen die Führung trotzdem über die Runden brachten, lag schließlich auch an ihrer Cleverness in der Schlussphase. Immer wieder schraubte Hansa bei Spielunterbrechungen erfolgreich an der Uhr und schaffte es zudem gerade in den letzten Zügen der Partie, die Leipziger weitgehend vom eigenen Tor fernzuhalten.

2. Die erste Halbzeit

Sowohl die RB-Spieler als auch ihr Trainer monierten nach Abpfiff die eigene Leistung im ersten Durchgang. „Wir sind nicht richtig ins Spiel reingekommen und haben die Anspielpositionen im Mittelfeld und Sturm überhaupt nicht gefunden“, gab Zorniger zu Protokoll. Ein Stück weit ließen sich die Sachsen von den aggressiven Rostockern, die laut Leipzigs Trainer „vor allem in der Arbeit direkt am Mann überlegen waren“, den Schneid abkaufen. So kam es, dass Yussuf Poulsen nach einem genialen Anspiel von Dennis Thomalla über die gegnerische Verteidigungsreihe die einzige RB-Torchance in den ersten 45 Minuten hatte und aus spitzem Winkel vergab. Das Offensivspiel der Zorniger-Elf beschränkte sich zumeist auf lange Bälle in den Lauf des flinken Poulsen, auf die sich die hanseatische Verteidigung aber schnell einstellte. Das i-Tüpfelchen auf den verkorksten ersten Durchgang war schließlich der unnötige Gegentreffer. Dieser resultierte aus einem langen Ball, der die bis dahin sicher stehende Leipziger Defensive aushebelte, und einem starken Abschluss von David Blacha, bei dem der in der Anfangsphase für den verletzten Stammkeeper Fabio Coltorti eingewechselte Erik Domaschke vielleicht ein paar Schritte zu weit vor dem eigenen Gehäuse stand

3. Die Effektivität

In der bisherigen Saison konnten die Roten Bullen vermeintlich schwächere Auftritte häufig durch ihre gnadenlose Effektivität kaschieren. Gegen Rostock jedoch hatte diesmal der Gegner das Abschlussglück in zwei Situationen auf seiner Seite. Der eingewechselte Timo Röttger hätte aus der Distanz ebenso beinahe den RB-Ausgleich erzielt wie Yussuf Poulsen, der kurz vor Schluss nach einer Ecke zudem per Kopf nur knapp vorbeizielte. Kapitän und Toptorjäger Daniel Frahn wurde nach etwa einer Stunde das einzige Mal wirklich gefährlich in Szene gesetzt, bugsierte einen Flankenball allerdings freistehend am Fünfmeterraum mit der Sohle am Tor vorbei. Der glücklos agierende Frahn blieb damit im vierten Spiel in Folge ohne Treffer, bekam von seinen Mitspielern allerdings auch wenig Verwertbares geliefert. Sieben Minuten vor dem Ende hätte der 26-Jährige trotzdem beinahe noch einen Elfmeter herausgeholt, den Schiedsrichter Robert Hartmann wohl hätte geben können, aber nicht müssen. So war es wie schon gegen Darmstadt Mittelfeldstratege Dominik Kaiser vorbehalten, für den einzigen Treffer seiner Mannschaft zu sorgen, der diesmal aber eben nicht ausreichte. Sein 5. Saisontor, gleichzeitig der Anschlusstreffer, erzielte Kaiser schlitzohrig mit einem direkten, flachen Freistoß in die Torwartecke. Alex Zorniger musste aber auch nach dem Spiel anerkennen, dass seine Mannschaft trotz einiger guter Gelegenheiten alles in allem „den Druck nach dem Anschlusstreffer nicht halten konnte.“

FOTOS: GEPA Pictures

 

   
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