DFB denkt erneut über die Abschaffung der Stehplätze nach

Fußball-Deutschland blickt am heutigen Freitag gespannt nach Franfurt: Dort wird am Nachmittag das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) über eine mögliche Wiederholung des Relegationsspiels zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin entscheiden, das am Dienstag aufgrund eines verfrühten Platzsturmes der Fortuna-Fans für 20 Minuten unterbrochen werden musste. Unabhängig von der heutigen Entscheidung des Sportgerichtes denkt der DFB abermals über die Abschaffung der Stehplätze in Deutschen Stadien nach. 

"Stehplätze sind ein elementarer Bestandteil der Fankultur"

DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock, der im Übrigen auch für den Spielbetrieb der 3. Liga zuständig ist, erklärte am Mittwoch im "ARD Brennpunkt": "Wir sind die einzigen in Europa, die sich für den Erhalt der Stehplätze eingesetzt haben. Zu den Privilegien gehören auch die billigen Eintrittspreise und der Wegfall der Zäune. Nun muss auch erlaubt sein, über die Privilegien nachzudenken", sagte Sandrock im ARD-Brennpunkt. Mit Privilegien meint Sandrock an dieser Stelle die Vorzüge für Ultra-Gruppen, denen Räumlichkeiten in Stadien und zum Teil vergünstigte Tickets zu Verfügung gestellt würden. Fan-Forscher und Berater des Deutschen Fußball-Bundes Gunter A. Pilz sieht die Lage vollkommen anders. Der "Frankfurter Neuen Presse" erklärte der 67-jährige auf die Frage, ob die Abschaffung der Stehplätze sinnvoll wäre: "Ich hoffe, dass die Politik erkennt, dass das nichts bringt. Stehplätze sind ein elementarer Bestandteil der Fankultur. DFB und DFL heben zu Recht hervor, dass die Stehplätze nicht zur Disposition stehen. Seit die englischen Stadien reine Sitzplatzstadien sind, gehen dort die Zuschauerzahlen zurück, und die unvergleichliche Stimmung gibt es nicht mehr." Er ergänzt, dass auch auf Sitzplätzen gestanden werden könne und Bengalos gleichermaßen gezündelt werden würden.

Ex-DFB-Präsident Zwanziger fordert Abschaffung der Stehplätze

Erst im November vergangenen Jahres kündigte Dr. Theo Zwanziger, damals noch DFB-Präsident (mittlerweile durch Wolfgang Niersbach ersetzt), in einem Gastbeitrag für die “Rhein-Zeitung” an, möglicherweise die Stehplätze komplett oder teilweise abzuschaffen: “Das Spektrum der Maßnahmen, die wir ergreifen könnten, um die Gewalt aus den Stadien zu verdrängen, ist sicherlich recht breit. Dabei sollte man jedoch stets bedenken, dass der DFB und die Vereine nur für die Stadionbereiche verantwortlich sein können. Hier sind noch strengere Personenkontrollen, klarere Fantrennung, aber möglicherweise auch teilweise oder komplette Abschaffung der Stehplatzbereiche möglich.”

Für die erste Juli-Woche plant liga3-online.de eine umfangreiche Themenwoche zur möglichen Abschaffung der Stehplätze. Hierbei sollen Gegner und Befürworter von Stehplätzen gleichermaßen zu Wort kommen.

 

   
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