Der Winter-Transfermarkt unter der Lupe

Jetzt ist Schicht im Schacht: Seit Freitag dürfen keine Spieler mehr verpflichtet werden. Den Januar haben zahlreiche Drittligisten genutzt, um sich personell zu verstärken – aber auch von Bankdrückern zu trennen. Wir zeigen, wer die meisten Transfers tätigte, wer nicht aktiv wurde und welche Namen mit gewisser Prominenz neu in der 3. Liga sind.

Zugänge gesamt

Insgesamt stießen 46 neue Spieler zu den Drittligisten hinzu – nach Adam Ries macht das im Durchschnitt etwas mehr als zwei neue Vertragsverhältnisse pro Klub. Der Rekord liegt bei 69 Winter-Zugängen aus der Saison 2013/14, im Vorjahr hatten die Klubs 67 Mal zugeschlagen.

Abgänge gesamt

Dass sich die quantitativen Kaderstärken insgesamt nur geringfügig verändert haben, unterstreicht die Zahl von 42 Abgängen: Es wurden ähnlich viele Spieler abgegeben wie neu ins Boot geholt. 

Wechsel innerhalb der Liga

Gerade einmal zwei Kicker vollzogen in diesem Winter einen internen Liga-Wechsel, um sich im Alltag der 3. Liga besser zu stellen. Tabellarisch gelang dies in erster Linie Janek Sternberg, der nach sechs Spielen als Roter Teufel keine Chance mehr am Betzenberg hatte – es ging drei Plätze rauf zum Halleschen FC. Zum Einsatz kam er noch nicht. 

Anders sieht es bei Marco Königs aus, der wurde nach seiner Münster-Rückkehr bereits zwei Mal eingewechselt. In der letzten Saison noch bei Hansa gesetzt, soll er nun den SCP vor dem Abstieg retten.

Wechsel aus und in höhere Spielklassen

Die Transfers in höherklassige Ligen sind leicht an einer Hand abgezählt: Es gibt nämlich keine, zumindest nicht innerhalb Deutschlands. Mit dem Wechsel zum Phoenix Rising FC konnte sich Rufat Dadashov einem amerikanischen Zweitligisten anschließen. Über die Qualität dieses Aufstiegs lässt sich sicherlich geteilter Meinung sein.

Daneben zog es auch Großaspachs Dimitry Imbongo zu einem Erstligisten, nämlich nach Lahti in Finnland. In den letzten zehn Jahren erreichte der Klub immerhin dreimal die Europa League-Qualifikation und Imbongo soll die Finnen mit seinen Toren wieder dorthin führen.

Der Transferkönig 

Zugeschlagen hat vor allem ein Klub: Viktoria Köln. Schon Ende November vermeldeten die Domstädter, dass sich Stürmer Michael Seaton dem Klub von Trainer Pavel Dotchev anschließen wird – es folgten in der Winterpause noch Steven Lewerenz, Jonas Carls, Sead Hajrovic und André Weis. In beiden Spielen nach dem Jahreswechsel standen alle fünf auf dem Platz und die Viktoria holte vier Punkte, inklusive dem ersten Sieg nach 13 Partien ohne Erfolg.

Auf der Abgangsseite thront derweil die SpVgg Unterhaching, die aufgrund ihrer Kooperation mit dem TSV 1860 Rosenheim gleich vier Spieler für die restliche Saison an den Jugendklub von Bastian Schweinsteiger abgab. Während die Akteure Ehlich, Anspach, Kaltner und Mensah nun leihweise in der Regionalliga auflaufen, löste Linksverteidiger Thomas Hagn seinen Vertrag mit den Oberbayern komplett auf und auch Maximilian Bauer verließ die Hachinger fix in Richtung Schweinfurt. Kein anderer Verein gab mehr als sechs Akteure ab.

Die Zurückhaltenden

Manche Vereine waren auf dem Transfermarkt auch gar nicht aktiv. So zum Beispiel der FC Ingolstadt, der das Gesicht der Mannschaft als Tabellenzweiter über den Jahreswechsel komplett unverändert ließ. Wenig los war auch auf der Abgangsseite des FSV Zwickau – alle Spieler sind geblieben. Genauso wenig agierte der Überraschungs-Dritte der Liga, denn auch Mannheim konnte alle Profis von einem Verbleib überzeugen.

Beim SV Meppen und dem TSV 1860 München tat sich dafür auf Seiten der Zugänge nichts: Bis auf Jugendspieler Niels Grevink, der bei den Emsländern im Winter hochgezogen wurde, passierte auf dem externen Markt für beide Vereine nichts. Kurios dabei: Ausgerechnet die Münchener Löwen erzielten in der Winterpause einen unerwarteten Geldsegen von 2,4 Millionen Euro durch Transfers, weil die ehemaligen 1860er Julian Weigl und Marin Pongracic für Millionensummen wechselten.

Art der Transfers

Insgesamt schlossen sich 29 Spieler den Drittligisten dauerhaft an, die meisten davon wechselten ablösefrei zu ihren neuen Klubs. Besonders bei den Kellerkindern in Köln, Münster, Großaspach oder Chemnitz wurden dabei keine finanziellen Risiken eingegangen – fast jeder Neuzugang erhielt zunächst einmal nur einen Vertrag bis 2020. Aber auch erfahrene Kräfte wie Patrick Möschl (1. FC Magdeburg) und Matthias Rahn (MSV Duisburg) erhielten nur ein Arbeitspapier bis zum Saisonende, um sich bei ihren Vereinen erstmal zu empfehlen.

Gleichzeitig kamen 13 Profis auf Leihbasis in die 3. Liga, um sich dort unmittelbar für höhere Aufgaben zu empfehlen. Dabei schlugen der Hallesche FC und der FSV Zwickau beim höherklassigsten Klub zu – dem SC Paderborn. Für Marcel Hilßner und Johannes Dörfler ging es von der Bundesliga in die 3. Liga, um sich wieder ins Gespräch zu bringen, denn bei ihrem Stammklub absolvierten sie kein einziges Saisonspiel. Zu guter Letzt verpflichteten die Vereine auch die Spieler, die noch vereinslos auf dem Markt zu haben waren. Mit Anthony Syhre (Halle), Aytac Sulu, Daniel Stanese (beide Jena) und Maximilian Oesterhelweg (Chemnitz) wurden somit vier Spieler vor einem Halbjahr ohne Profifußball "gerettet".

Die Last-Minute-Transfers

Allein 17 (!) Transfers gingen am berüchtigten Deadline-Day über die Bühne, die meisten von ihnen waren Abgänge zu anderen Klubs. Während das Verhältnis in Würzburg noch ausgeglichen war, indem zwei Akteure kamen und zwei gingen, konnte Viktoria Köln beispielsweise zwei Youngsters ohne Einsatzzeiten in die Regionalliga abgeben.

Andersherum schlug der Chemnitzer FC noch zweimal auf dem Markt zu und sicherte sich Verstärkungen im letzten Augenblick. Die Vierfach-Leihe von Unterhaching nach Rosenheim treibt die Zahl automatisch in die Höhe, während die bekanntesten Spieler wohl beim 1. FC Kaiserslautern abgegeben wurden: Während Janek Sternberg in der Liga blieb, zog es Jose-Junior Matuwila zum ambitionierten Viertligisten nach Essen.

Der Wandervogel

Echte Wandervögel schlossen sich dem KFC Uerdingen und Viktoria Köln an. Innenverteidiger Edvinas Girdvainis ist aktueller litauischer Nationalspieler und absolvierte bereits ein Spiel für die Uerdinger und damit erstmals auf deutschem Boden – ausgebildet wurde der Abwehrspieler bei Calcio Padova in Italien. Seit 2012 war Girdvainis bereits in Litauen, Spanien, Polen, Russland, Israel, Aserbaidschan und Lettland tätig. Nun fügte er seiner Karriere eine weitere Flagge hinzu.

Die Reise von Teamkollege Rijad Kobiljar ist dagegen nicht ganz so umfassend ausgefallen, allerdings stand der bosnische Stürmer in seinem Heimatland bereits bei fünf Vereinen unter Vertrag. Nach zwei weiteren Stationen in der Slowakei zog es den Mittelstürmer nun nach Uerdingen, um auf Torejagd zu gehen. Selbiges soll auch Michael Seaton in Köln erfüllen, der bereits in Amerika, Schweden und Israel für Jubel sorgte. Wer es dagegen etwas bodenständiger und dennoch ausgefallen mag: Auch Steven Lewerenz war schon vielfach aktiv: Neben Profi-Stationen in Leipzig, Trier, Mainz, Würzburg, Kiel oder Magdeburg stehen auch Karpfenberg in Österreich und Virton in Belgien in der Vita des Flügelspielers – und jetzt die Viktoria.

Der Prominenteste

Trotz des legendären Cornflakes-Spruchs ist Jan Löhmannsröben nicht der bekannteste Neuzugang in diesem Winter, denn diese Rolle geht an Marvin Pourié. Ein halbes Jahr, nachdem sich der Mittelstürmer beim Karlsruher SC mit 22 Treffern zum Torschützenkönig der 3. Liga krönte, ist der Angreifer zurück in seiner erfolgreichsten Spielklasse. Dort erhofft sich nun Eintracht Braunschweig, dass Pourié seinen Torriecher nicht eingebüßt hat.

Daneben sei aber auch Aytac Sulu erwähnt, der immerhin zum Überraschungsteam vom SV Darmstadt 98 gehörte – sportlich abgestiegen und bis in die Bundesliga aufgestiegen! Mit 60 Erstliga-Einsätzen ist Jenas neuer Abwehrchef mindestens der erfahrenste Neuzugang in diesem Winter. Eine Zahl, von der Youngster Nicolas Kühn noch träumt. Der Träger der goldenen Fritz-Walter-Medaille in der U19-Kategorie im letzten Jahr zählt zu den vielversprechendsten Talenten in ganz Deutschland – und wurde zum Abschluss der Transferperiode vom FC Bayern München II aus Amsterdam ausgeliehen.

   
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