Der Hallesche FC und die neue mentale Stärke

Wenn man kein Pech hat, kommt manchmal sogar noch Glück dazu. Verkehrte Welt an der Saale, wo sich der Hallesche FC am Sonnabend gegen einen schwachen Absteiger aus Regensburg deutlich mit 4:1 durchsetzte. Hilfreichster Faktor dabei war die Naivität, mit der die Regensburger zu Werke gingen und dem Gastgeber damit Tür und Tor für Kombinationen und Abschlüsse öffneten. So ließen sich am Schluss alle vier HFC-Tore auf direkte oder indirekte Fehler der Jahn-Defensive zurückführen.

HFC zermürbt den Jahn mental

Die Regensburger begannen die Partie engagiert, aber ähnlich fahrig wie der Gastgeber, der, wie schon gegen Heidenheim, erst einmal den Willen des Gegners prüfte und die Gäste kommen ließ, ohne dabei ernsthaft in Gefahr zu geraten. Beeindruckend, wie sicher und selbstbewusst nahezu dieselbe Defensive der Saalestädter agierte, die vor der Winterpause noch einer luftig prallen Wolkenformation glich, durch die man einfach hindurchspazieren konnte. Auch in der Offensive diktierte der HFC wie schon gegen Heidenheim. Drängte man dem Tabellenführer vor gut einer Woche noch die eigene Defensivtaktik auf, so ließ  sich an diesem Sonnabend das Gefühl nicht verbergen, der HFC bestimme das Spiel ohne selbst zu agieren. Bis zur 21. Minute konnte man klar festhalten, dass der Jahn durchaus öfter am Ball war, gleichsam schienen Köhlers Gastgeber wie ein Panther in Lauerstellung den entscheidenden Fehler der Gäste zu erahnen um dann im richtigen Moment in Person von Akaki Gogia tödlich zuzuschlagen. Dieser traf nach stümperhaftem Ballverlust der Regensburger sehenswert ins kurze Eck zum 1:0. Danach: Psychokrieg! Der HFC überließ den Gästen immer wieder den Ballbesitz und zeigte dabei ungemeine mentale Stärke, was die Regensburger zunehmend verunsicherte und zermürbte. Die Folge waren Fehlpässe und Stockfehler im Minutentakt, die der HFC immer wieder gefährlich konterte. Innerhalb von drei (!) Minuten verlor der Jahn im Spielaufbau dreimal haarsträubend den Ball, den ersten darauf folgenden Konter parierte Schlussmann Hendl, den zweiten rettete Hendl ebenfalls knapp an die Latte, der dritte war schließlich drin. Bemerkenswert, dass Torschütze Furuholm den Ball im Strafraum noch fast verstolperte, die Jahn-Abwehr aber gnädig Spalier stand und der Finne in Seelenruhe einschießen durfte. Unmittelbar danach wechselte Regensburgs Trainer Stratos doppelt, zu demotiviert und desorientiert agierte seine Mannschaft.

Furuholm bejubelt ersten Doppelpack

Auch in der zweiten Hälfte verstand es der Jahn, dem HFC die Chancen nur so in den Schoß zu legen. In der 53. Minute zog Halles Linksverteidiger Daniel Ziebig mangels Anspielstationen einfach auf gut Glück in den Strafraum und wurde trocken und ohne jegliches Feingefühl von Güntner gelegt. Während Haudegen Ziebig ohne viel Schauspiel einfach wieder aufstand, hatte Schiedsrichter Blos längst korrekt auf Elfmeter entschieden. Auch der anschließende Fehlschuss von Bertram offenbarte die mentale Kraft des HFC. Während Trainer Köhler den enttäuschten Fehlschützen vom Feld nahm, spielte der Rest der Mannschaft fast schon schulterzuckend weiter sein Spiel hinunter. Mit Erfolg, denn nur neun Minuten nach dem Elfmeter zog Björn Ziegenbein in bekannter Manier einfach Mal aufs Tor ab und während der bemitleidenswerte Jahn-Keeper Hendl noch parieren konnte, ließ Finnenbomber Furuholm ihm im Nachschuss keine Chance und bejubelte seinen ersten Doppelpack in dieser Saison. Dass der HFC auch in der Tiefe mittlerweile bestens bestückt ist, offenbarte dann nur fünf Minuten später das eingewechselte Eigengewächs Toni Lindenhahn, der mit einem Zuckerpass den durchstartenden Gogia perfekt in Szene setzte, sodass dieser, technisch brillant, den zweiten Doppelpack des Tages sicherte. Das 4:1 durch Franziskus war dann lediglich Ergebniskosmetik, bevor sich der HFC, nahe am 5:1, zum Schlusspfiff konterte, allerdings noch mehrfach am glänzenden Jahn-Keeper Hendl scheiterte.

Köhler vor Vertragsverlängerung

Während die Regensburger nun mitten im Abstiegskampf stecken, fehlen dem HFC höchstens noch ein bis zwei Siege, um nun auch endgültig für die kommende Drittligasaison planen zu können. Und das, wo zur Winterpause noch die Aussichtslosigkeit eines Abstiegsplatzes im Herzen der Saalestadt brannte und man ernsthafter denn je über eine Entlassung von Erfolgstrainer Sven Köhler nachdachte. Dessen auslaufender Vertrag soll nun unbedingt in den nächsten Wochen verlängert werden, dass wünschen sich Vorstand, Mannschaft und mittlerweile vermutlich auch wieder die meisten Fans.

FOTO: Marcus Bölke

   

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