Deichmann: "Eine Siegesserie kommt nie zum falschen Zeitpunkt"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Yannick Deichmann vom TSV 1860 München über die aktuelle Siegesserie seiner Mannschaft, den Saisonendspurt im Rennen um den Aufstieg, ein mögliche Trostpflaster und wofür es sich lohnt, sich auch mal "den Arsch aufzureißen".

"Es kann noch viel passieren"

liga3-online.de: Der Endspurt in der 3. Liga hat begonnen. Pünktlich dazu hat der TSV 1860 München in den letzten Spielen richtig Fahrt aufgenommen. Was macht die Löwen derzeit so bissig, Herr Deichmann?

Yannick Deichmann: Manchmal ist ein einfacher, als man denkt: Wir haben uns fest vorgenommen, uns in jeder Trainingseinheit ausschließlich auf die kommende Begegnung zu konzentrieren. Dabei spielt es keine Rolle, wer der nächste Gegner ist und wie gut er in Form ist. Schließlich können wir nur unsere eigenen Leistungen beeinflussen.

Zuletzt gab es vier Siege in Folge. Kommt der Positivlauf jetzt zum richtigen Zeitpunkt?

Eine Siegesserie kommt nie zu einem falschen Zeitpunkt (lacht). Aber im Ernst: Wir freuen uns, dass wir unsere derzeit guten Leistungen in Punkte ummünzen können. Jeder einzelne Sieg gibt uns noch mehr Selbstvertrauen für den Schlussspurt. Das könnte am Ende ein entscheidender Faktor sein.

Unter anderem hat der TSV 1860 mit dem 1. FC Kaiserslautern (2:1) auch bewiesen, dass er sich auch gegen die Spitzenteams durchsetzen kann. Nun steht die Partie beim punktgleichen SV Waldhof Mannheim auf dem Programm. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Wir treffen auf einen Gegner mit enormen Stärken in der Offensive. Der SV Waldhof hat zahlreiche erfahrene Spieler in den eigenen Reihen, die mit solchen Situationen umzugehen wissen. Aber darauf stellen wir uns ein und werden unsere Lösungen dagegen finden.

Wie richtungsweisend ist das direkte Duell für den weiteren Verlauf der Saison?

Es sind jetzt noch acht Spiele zu absolvieren. Das klingt vielleicht erst einmal nicht viel, aber in dieser Zeit kann noch viel passieren. Selbst wenn eine Mannschaft verlieren sollte, wäre sie aus dem Aufstiegsrennen noch nicht raus. Von daher ist das Spiel in Mannheim auch nur ein weiterer Schritt Richtung Saisonende.

Während die 3. Liga am nächsten Wochenende pausiert, kann 1860 München im bayrischen Landespokal beim Regionalligisten TSV Aubstadt das Endspiel erreichen. Wie wichtig wäre der Finaleinzug?

Wir haben in dieser Saison gezeigt, wie geil es ist, in einem Pokalwettbewerb vertreten zu sein. Diese Chance wollen wir unbedingt erneut nutzen und uns wieder für die erste Runde des DFB-Pokals zu qualifizieren. Wir wollen den Pokal gewinnen.

Falls alle Stricke reichen, würde auch der vierte Platz in der 3. Liga ausreichen, um in den DFB-Pokal einzuziehen. Wäre das ein passabler Trost?

Puh, so weit will ich gar nicht erst denken. Solche "Was-wäre-wenn"-Konstellationen sind für uns in der aktuellen Situation uninteressant. Mit dem Selbstvertrauen, das wir uns in den vergangenen Wochen erarbeitet konnten, haben wir einen besseren Verlauf in der eigenen Hand. Durch die beiden Möglichkeiten im Landespokal und in der 3. Liga ist die Chance für uns nicht gerade gering.

 

"Können am Ende viel gewinnen"

In der vergangenen Saison konnten Sie mit dem VfB Lübeck den Abstieg nicht abwenden. Nun stecken Sie mitten im Aufstiegsrennen in die 2. Bundesliga. Wie sehr unterscheiden sich jetzt die Situationen voneinander?

Es ist schwierig die beiden Situationen miteinander zu vergleichen. Fest steht: Es ist kein schönes Gefühl, gegen den Abstieg zu spielen. Nun sind wir in der Lage, am Ende viel gewinnen zu können. Druck ist in beiden Konstellationen da. So macht es aber deutlich mehr Spaß, auf dem Platz zu stehen.

Hätten Sie zum Zeitpunkt des Abstiegs damit gerechnet, dass es ein Jahr später so laufen könnte?

Wenn du mit einem Verein absteigst, bei dem du mehrere Jahre unter Vertrag gestanden hast, dann hast du erst einmal daran zu knabbern. Ich habe viel Zeit gebraucht, um den Abstieg zu verkraften. Dass es dann mit meinem Wechsel zum TSV 1860 München auf Anhieb so gut geklappt hat, freut mich umso mehr. Ich sehe es nicht als selbstverständlich an, für solch einen Klub auflaufen zu dürfen und bis zum Schluss noch die Möglichkeit zu haben, um den Aufstieg zu spielen.

Hamburger SV, FC St. Pauli, VfB Lübeck und 1860 München: Bei der Auswahl Ihrer bisherigen Vereine ist eine gewisse Tradition unverkennbar. Welche Rolle spielte das auf der Suche nach einem neuen Klub?

Es ist immer ein besonderes Gefühl, in einem vollen Stadion zu spielen. Leider hatten wir in dieser Saison aufgrund der Situation mit Corona nicht so häufig die Gelegenheit, vor vollem Haus aufzutreten. Ich erinnere mich aber gerne an das Pokalspiel vor 15.000 Zuschauern zurück. Das sind die Spiele, für die man gerne Fußballer geworden ist. Damit dich so viele Fans antreiben, lohnt es sich auch mal den Arsch aufzureißen.

Hauptsächlich wurde Sie auf der Rechtsverteidigerposition eingesetzt. Allerdings haben Sie auch schon auf mehreren Positionen im Mittelfeld gespielt. Wo fühlen Sie sich am wohlsten?

Für mich geht es vor allem darum, wo ich der Mannschaft am besten helfen kann. Wenn mich der Trainer dann im offensiven Mittelfeld sieht, dann ist das so. Für mich ändert sich dabei nichts. Ich versuche immer das umzusetzen, was ich als Aufgabe bekomme. Persönliche Eitelkeiten müssen dabei hinten angestellt werden.

   

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