Das Zwischenzeugnis #1: Die untere Tabellenhälfte

Fünf Spieltage sind es noch bis zur kurzen, einmonatigen Winterpause in der 3. Liga. Die nun begonnene, letzte Länderspielpause des Jahres bietet nicht nur den Klubs eine Chance, durchzuschnaufen: liga3-online.de analysiert die bisherige Saison aller 20 Vereine kurz und knackig – und stellt am Ende des Zwischenzeugnisses auch eine Note aus. Den Anfang machen wir mit den Plätzen 20 bis 11.

Schlusslicht, erst ein Sieg und schon sechs Punkte hinter dem rettenden Ufer: Der MSV Duisburg spielt bislang die schwächste Saison seine Vereinsgeschichte. Torsten Ziegner war überfordert, Interimscoach Engin Vural vielleicht der gesuchte Mann, er hatte zumindest Kredit von den Rängen. Boris Schommers hat diesen nicht, seine Bilanz (ein Punkt aus vier Spielen, dazu das Landespokal-Aus in Uerdingen) ist allerdings auch keine, mit der sich Sympathien gewinnen lassen. Nur noch gut 8.000 Fans kamen zuletzt an die Wedau, die meisten von ihnen wendeten sich nach der achten Saisonniederlage ab. Gelingt keine 180-Grad-Wende, kann in Meiderich für die Regionalliga geplant werden. Ob dies ohne Zahlungsunfähigkeit vonstattengeht, ist die nächste Frage, die sich unweigerlich stellt. Die Hoffnungen ruhen auf dem Transferfenster im Winter, in dem die Mannschaft deutlich verstärkt werden muss.

Note: 6

 

Im Vorjahr noch Vizemeister, nun abgeschlagen auf dem vorletzten Tabellenplatz und noch ohne einen einzigen Heimsieg: Der Qualitätsverlust der Freiburger war im Sommer ein gigantischer, die Folgen trägt die SCF-Reserve nun klar ersichtlich durch die Hinrunde. Aus den immer noch beachtlichen Ballbesitzzeiten und Passquoten resultieren so gut wie keine hochkarätigen Chancen mehr – 10 tatsächlich erzielte Tore sind der zweitschwächste, 13 erwartete Tore der klar schwächste Wert der 3. Liga. Ob es nun an den regelmäßigen Abstellungen zu den Profis liegt oder vielleicht auch Trainer Thomas Stamm die Lösungen ausgehen: Die diesjährige "Zwote" des Sportclubs ist zu leicht für die 3. Liga, und wenig deutet darauf hin, dass sich das zeitnah ändern wird.

Note: 4-

 

Ohne Namen wie Martinovic, Winkler, Kother und Rossipal ging der SV Waldhof in die Saison, dafür blieb die 65-Tore-Defensive des Vorjahres gerade im Zentrum ziemlich unangetastet. Das Ergebnis ist erschreckend: Der Waldhof kann nicht mehr verteidigen, er kann keinen Ballbesitzfußball aufziehen und seine Konter seit Wochen nur noch höchst ungefährlich zum Abschluss bringen. So enden selbst die guten Spielphasen brotlos – und die Ergebnisse serienweise in Niederlagen. Geht es so schnell etwa bergab in die Regionalliga Südwest? Resignation hält jedenfalls schon Einzug, bis dato wird Rüdiger Rehm aber weiterhin die Wende zugetraut. Tatsächlich ist das Problem wohl längst bedeutend größer und schwerer geworden, als dass es auf die Schultern eines Trainers verteilt werden kann.

Note: 5

 

Drei Aufsteiger surfen die Drittliga-Welle entspannt fernab der Abstiegszone, einem fehlt noch Technik und das Quäntchen Glück: Der VfB Lübeck hängt trotz vieler ausgeglichener Spielverläufe im Keller fest, das Gewinner-Gen geht den Nordlichtern (zwei Siege, sieben Remis, sechs Niederlagen) noch etwas ab. Dass Routiniers wie Hanno Behrens, der noch keinmal auflaufen konnte, und Pascal Breier zuletzt fehlten, schwächt den Kader weiter. Dennoch strahlt der VfB mit Blick auf den Posten von Trainer Lukas Pfeiffer bislang Ruhe aus, völlig unerwartet treffen die Startschwierigkeiten niemanden. Das rettende Ufer ist angesichts von nur einem Punkt Rückstand in Sichtweite, zumindest offensiv sollte aber schon jetzt über Wintertransfers nachgedacht werden.

Note: 4

 

An der Saale ist man es gewohnt, sich in Geduld üben zu müssen. Die Mannschaft hat einige spannende Profis zu bieten, in der Gesamtheit kann der HFC auch finanziell aber nur noch mit Mühe mithalten und muss kreativ werden. Sreto Ristic schaffte das zuletzt ordentlich, holte die Hallenser aus einer schweren Herbstdepression. Spektakel bietet sein Spielansatz immer, doch defensive Abläufe sind ein absolutes Fremdwort: 31 Gegentore stellen den Tiefstwert in der gesamten 3. Liga dar, nicht ein einziges Punktspiel hat der Hallesche FC bislang zu Null bestreiten können. Da kann der Fußball noch so attraktiv und mutig sein, so geht es perspektivisch kaum aus dem Keller – es sei denn Dominic Baumann (10 Tore), Toptransfer des Sommers und Toptorjäger der Liga, schraubt seine starke Quote noch höher…

Note: 4

 

Den FC Bayern im Pokal zu besiegen, das nimmt dem FCS keiner mehr. Was für eine Sensation! Doch leider wird die Stimmung auch maßgeblich vom Ligawettbewerb beeinflusst, und in diesem findet sich der Fast-Aufsteiger des Vorjahres bislang schlicht nicht zurecht. Das positive Torverhältnis gibt zwar schon Hinweise darauf, dass dieser momentane Abstiegskandidat dort eigentlich nicht lange ankern sollte, andererseits zeigte die Formkurve bei den zuletzt fünf sieglosen Punktspielen klar und erschreckend nach unten – gerade die Defensive, personell zum Vorjahr nur minimal verändert, ist kaum wiederzuerkennen. Rüdiger Ziehl fehlen derzeit die Mittel, weshalb der Sportchef und Coach in Personalunion derzeit der Erste ist, der um seinen (Trainer-)Posten bangen muss. Die Hoffnung ruht vor allem auf den beiden Nachholspielen gegen Dresden und Duisburg. Mit sechs Punkten könnten die Saarländer das Feld von hinten aufrollen.

Note: 4-

 

Zu Beginn wähnte sich Zweitliga-Absteiger Arminia Bielefeld weiter, als er tatsächlich war. Bis vor etwa fünf Wochen, dann schaltete der Klub ins andere Extrem, schien in Richtung Regionalliga zu taumeln. Dafür ist der Kader definitiv zu gut besetzt, auch wenn der Kreuzbandriss von Noah Sarenren Bazee ein echter Nackenschlag war. Zuletzt stabilisierte sich der DSC und entfernte sich mit einer kleinen Siegesserie, maßgeblich beeinflusst vom Wiedererstarken der Klubikone Fabian Klos, von den Abstiegsrängen. Für den Moment stellt das den leidgeplagten Anhang zufrieden. Doch die mittel- und langfristigen Ziele müssen mit dieser speziell in Mittelfeld und Angriff sehr stark besetzten Truppe ganz klar in Richtung oberes Drittel gehen.

Note: 4

 

Mit nur noch einem Erfolg aus den vergangenen sechs Partien ist Viktoria Köln gehörig abgerutscht, das 1:5 gegen Dresden am Freitagabend war fraglos der sportliche Tiefpunkt der so stark gestarteten Saison. Die Viktoria hatte den Trumpf, eingespielt zu sein, nutzte ihn unter anderem für den Pokalcoup über Erstligist Werder Bremen. Doch es fehlen in allen Mannschaftsteilen Eckpfeiler: in der wackligen Abwehr der bald zurückerwartete Lars Dietz, im Mittelfeld Bryan Henning, der mit einem Kreuzbandriss fast die gesamte Restsaison verpassen wird. Und vorne fehlt der torgefährliche Neuner, den die Viktoria gar nicht im Kader hat. Luca Marseiler machte dies mit einer richtig guten Saison bislang wett – eigentlich ist dies aber nicht seine Rolle. So verkauft sich die spielstarke Viktoria unter Wert.

Note: 4+

 

Ein äußerst durchschnittliches Jahr deutet sich auf Giesings Höhen an. Die zwei Auftaktsiege sorgten für leise Hoffnungen, die dieser Kader aber auf Distanz nicht halten kann. Positive Ausreißer sind immer wieder dabei, der 3:2-Auswärtssieg in Saarbrücken zuletzt war einer davon. Doch unter Maurizio Jacobacci will keine Konstanz einkehren, auch weil dafür die dauerhaft als Unterschiedsspieler vorangehenden Akteure fehlen und speziell die Offensive phasenweise doch sehr gelahmt hat. Wichtige Frage: Wie nimmt das Umfeld die neue Realität fernab der Aufstiegsränge an, die sich angesichts des Sparkurses im Sommer schon angebahnt hatte? Bislang wirkt das Löwenrudel abseits der üblichen Scharmützel in den Klubgremien noch ziemlich geeint.

Note: 3-

 

Fünf Siege, fünf Remis, fünf Niederlagen: Vor der Saison hätte das beim Aufsteiger wohl jeder unterschreiben. Doch wäre beim ursprünglich als stärkster Neuling eingeschätzten SCP noch mehr möglich gewesen? Die Elf von Sascha Hildmann hat, wie beim jüngsten 2:2 in Freiburg, immer wieder Spiele eingestreut, in denen sie an ihrer Chancenverwertung scheiterte. Beim Erarbeiten von Abschlüssen sind sie statistisch gesehen weit oben dabei und hätten eigentlich zehn Tore und fünf Punkte mehr auf dem Konto haben müssen. Das Ergebnis ist dennoch völlig im Rahmen, angesichts eines von wiederkehrenden langen Verletzungspausen gebeutelten Kaders ist das sehr respektabel. Einzig die Ausbeute in den prestigeträchtigsten Spielen (0:4 in Bielefeld, 0:1 in Essen, 0:0 in Duisburg) kann und muss besser werden.

Note: 2-

 

   
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