Chemnitzer FC: Wohin geht die Reise?

Der Chemnitzer FC befindet sich tabellarisch in einer Patt-Situation. Vor dem Derby gegen den Halleschen FC stellt sich bei sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsrang, respektive fünf Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge, die Frage, ob der CFC zum Angriff bläst und der Konkurrenz einen heißen Herbst beschert oder die Sturmflaute anhält und graue Tristesse einzieht.

Heißer Herbst oder Sturmflaute?

Frei nach Goethes Worten aus dem bekannten „Faust 1. Teil“ dürfte die Gretchenfrage für den CFC wie folgt lauten: „Wie hältst du es mit dem Torschießen?“ Aus 13 Spielen stehen magere 13 Törchen zu Buche. Für die eigenen Ansprüche ist das natürlich zu wenig. Die Offensive läuft praktisch seit dem 1. Spieltag auf Sparflamme, will man aber den Funken Hoffnung auf den mittelfristigen Aufstieg in die 2. Bundesliga aufrechterhalten, sollte so langsam eine zündende Idee gefunden werden, um die Tormisere zu überwinden. Torjäger Anton Fink schultert die Verantwortung fürs Toreschießen mit 6 Toren praktisch im Alleingang. Sturmpartner Frank Löning, der immerhin schon zweimal traf, fällt auf unbestimmte Zeit aus. Und Hoffnungsträger Martin Fenin plagt sich Woche für Woche mit neuen Blessuren herum und konnte noch nicht an alte Bundesliga-Zeiten anknüpfen. "Es gab viele Torabschlüsse. Allerdings hat die letzte Konzentration und Präzision gefehlt“, monierte Karsten Heine nach dem letzten Punktspiel bei Mainz II. Das Unentschieden bei der starken Bundesliga-Reserve ließ zwar aufhorchen, doch war das Gastspiel in Rheinhessen bereits die fünft Partie ohne eigenen Treffer. Allerdings konnte erstmals seit dem 6. Spieltag wieder in der Defensive die „Null“ gehalten werden. Man darf gespannt sein, ob dies auch gegen den HFC gelingt. Die Böger-Elf schickte schließlich Bremen II am vergangenen Wochenende mit sechs Gegentoren auf die Heimfahrt gen Weser.

Ist die Taktik zu leicht auszurechnen?

Immer wieder hat Karsten Heine in der Vergangenheit seine Startaufstellung angepasst. Nur selten spielte die gleiche Elf zwei Spiele in Folge. Mag man der alten Fußballweisheit „Never change a winning team“ Glauben schenken, kann somit keine Erfolgsserie gestartet werden. Freilich sind schlaue Phrasen schnell gedroschen, doch bleibt im Kern die Frage bestehen: „Warum hat der CFC noch keine eingespielte Stammelf?“ Natürlich fehlen mit Frank Löning oder Tom Scheffel wichtige Spieler verletzungsbedingt. Doch rotieren bisweilen auch andere Spieler aus dem Kader, die sich zuvor dem Anschein nach erst in den Fokus spielten. Da wäre der talentierte Matti Steinmann, der zwischen dem 4. und dem 8. Spieltag gesetzt war und auf 528 Einsatzminuten kam, die letzten vier Spiele aber nicht einmal mehr dem Kader angehörte. Dafür durfte Stefano Cincotta, dem nach seiner Teilnahme am Gold Cup, dem nord- und mittelamerikanischen Pendant zur Europameisterschaft, angeblich die nötige Vorbereitung fehlte, nach 11 Spielen ohne Einsatz zuletzt 90 bzw. 76 Minuten Drittligaluft schnuppern. Die Rotation machte auch vor Reagy Baah Ofosu nicht halt. Immerhin 12 Ligaeinsätze kann der dribbelstarke Außenbahnspieler bisher für sich verbuchen, gegen Mainz II war er dann aber nicht einmal im Kader. Es scheint als gäbe es nur wenige Konstanten im Spiel der Himmelblauen. Neben Torhüter Kevin Kunz, Abwehrchef Marc Endres und dem starken Neuzugang Jamil Dem sowie Arbeitsbiene Fabian Stenzel trifft dies natürlich auch auf Anton Fink zu. In 1073 Einsatzminuten erzielte er bisher sechs Treffer und legte zweimal für die Mitspieler auf. „Am wohlsten fühlt sich Toni auf der Position hinter den Spitzen. Dort hat er in der vergangenen Saison seine besten Spiele gemacht“, weiß Karsten Heine. Der Verein kann froh sein, einen Goalgetter wie Anton Fink in seinen Reihen zu wissen. Letztes Jahr traf der gebürtige Dachauer für den CFC 17mal, die zweieinhalb Spielzeiten davor 42mal. Allerdings macht die Abhängigkeit von einem einzigen Spieler, der in der Offensive die komplette Last trägt, das eigene Spiel auch berechenbar. Insofern darf man auch hier gespannt sein, ob dies auch Stefan Böger seinen Hallensern einbläuen wird oder ob Fink seine Freiheiten als hängende Spitze für sich und die Himmelblauen zu nutzen weiß.

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