Chemnitzer FC: Nachwuchszentrum droht das Aus

Die Krise beim Chemnitzer FC spitzt sich weiter zu. Wie "MDR" und "Freie Presse" berichten, hat Insolvenzverwalter Klaus Siemon allen Trainern und Mitarbeitern des Chemnitzer FC e.V. gekündigt. Dem Nachwuchszentrum droht damit das Aus.

Verträge mit Talenten gekündigt

Erst die Anzeige der Masseunzulänglichkeit im Insolvenzverfahren, nun die Kündigung sämtlicher Vereinsmitarbeiter: Beim Chemnitzer FC rumort es hinter den Kulissen momentan gewaltig. "Herr Siemon geht klar weiter auf Konfrontation. Wir müssen jetzt gemeinsam mit der Stadt an einer Lösung arbeiten", sagt Andreas Georgi aus dem Notvorstand im MDR. Laut Georgi sei unter anderem den Trainern der A- und B-Junioren sowie dem Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, Thomas Köhler, gekündigt worden.

U19-Trainer Kay-Uwe Jendrossek bestätigt in der "Freien Presse": "Ich hatte (…) ein Schreiben im Briefkasten, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich zum 31. August freigestellt bin. Bereits ab 1. August wird kein Geld mehr gezahlt." Der 47-Jährige befürchtet nun, dass das Nachwuchsleistungszentrum komplett aufgelöst werden könnte. "Ich kann nicht nachvollziehen, wie die Situation praktisch von heute auf morgen dermaßen eskalieren konnte," so Jendrossek. Wie CFC-Sportdirektor Thomas Sobotzik der Zeitung sagte, seien auch die Förderverträge mit den Talenten gekündigt worden. "Sie können damit ohne finanziellen Aufwand von anderen Clubs weggeholt werden."

Vorgehen "gesetzlich vorgeschrieben"

Insolvenzverwalter Klaus Siemon erklärt die Maßnahme gegenüber dem MDR so: "Die Verträge sind für die Insolvenzmasse gekündigt, durch den e.V. weiterführbar, weil das Nachwuchsleistungszentrum aus dem Beschlag freigegeben ist. Das Vorgehen ist bei Masseunzulänglichkeit, die Notvorstand und Gericht herbeigeführt haben, gesetzlich vorgeschrieben."

Wie geht es nun weiter? Der Notvorstand kündigt in einer Mitteilung an: "Wir werden unverzüglich alle Möglichkeiten prüfen und realisieren, die zum Erhalt des Nachwuchsleistungszentrums führen." Sobotzik sieht die Rettung des Nachwuchszentrum in einer externen Übernahme: "Es müsste von jemandem extern weitergeführt werden, der in die Verträge einsteigt und somit die Kosten übernimmt. Das muss nicht unbedingt ein Verein sein. Es kann sich beispielsweise auch um eine Privatperson handeln." Sollte das Nachwuchsleistungszentrums nicht erhalten werden können, könnte dies auch Auswirkungen auf die Drittliga-Zulassung haben. Denn nach den Richtlinien für das Zulassungsverfahren müssen die Vereine der 3. Liga mindestens fünf eigene Jugendmannschaften im Verbandsspielbetrieb, darunter A-, B- und C-Jugend, stellen.

Die Fans reagierten beim Auswärtsspiel in Halle (1:3) unterdessen mit "Siemon raus"-Rufen auf die neuerlichen Meldungen, die bereits am Samstagnachmittag die Runde gemacht hatten. Mehrere Anhänger verließen zudem den Block. Schwere Zeiten für den Chemnitzer FC, Sobotzik sieht den Profifußball in Chemnitz sogar "maximal gefährdet", wie er im MDR-Interview sagte.

Wechsel des Muttervereins?

In der Tat ist die Drittliga-Lizenz für die Saison 2020/21 gefährdet. "Mit Auflösung oder Verlust der Rechtsfähigkeit des Muttervereins verliert die Tochtergesellschaft ihr Antragsrecht für eine Zulassung für die folgende Spielzeit", erklärte der DFB am Freitag. "Eine bereits erteilte Zulassung erlischt mit dem Ablauf des Spieljahres, für das sie erteilt worden ist. Eine neue Zulassung wird nicht erteilt."

Eine mögliche Hintertür: Die Gründung eines neuen Vereins, der anschließend als Mutterverein für die GmbH fungiert. Aus einem Rechtsgutachten, das dem MDR vorliegt, geht hervor, "dass es durch eine ganze Anzahl von Gestaltungen möglich ist, den Verein durch einen anderen Verein zu ersetzen. (…) Dass dieser Dritte, beispielsweise der 'Rasenballsportverein Chemnitz', hierfür einen bestimmten Preis zahlen muss, sieht die Satzung indes nicht vor."

 
  • Sterneneisen

    Klar, noch mal weitere Millionen reinpumpen. Wie vor der Insolvenz. Und mit der Insolvenz. Ich glaube kaum, dass sich noch irgendjemand dermaßen verarschen lässt, auch die Stadt Chemnitz nicht.

Back to top button