Krawalle und Pyro-Unterbrechung überschatten Ost-Derby

Das mit Spannung erwartete Ost-Derby zwischen dem F.C. Hansa Rostock und dem 1. FC Magdeburg wurde am Mittwochabend von Ausschreitungen überschattet. Unmittelbar nach Anpiff musste die Partie mehrmals und für insgesamt rund 18 Minuten unterbrochen werden, nachdem beide Fanlager Pyrotechnik zündeten und Raketen in den jeweils anderen Fanblock schossen. Auch vor und nach der Partie kam es zu unschönen Szenen, mehrere Personen wurden festgesetzt.

Raketen werden in vollbesetzte Blöcke gefeuert

Die Partie war keine 90 Sekunden alt, da musste Schiedsrichter Sven Jablonski zum ersten Mal unterbrechen, nachdem beide Fanlager Pyrotechnik zündeten. Nach knapp einer Minute konnte die Partie zwar mit einem Einwurf fortgesetzt werden, doch nur zwei Zeigerumdrehungen später war das Spiel wieder unterbrochen. Dichter Nebel zog durch das Ostseestadion, Schiedsrichter Jablonski suchte das Gespräch mit beiden Kapitänen, setzte die Partie kurz danach aber fort. In beiden Fanblöcken wurde jedoch weiter gezündet, aus dem Hansa-Block stürmten in der 10. Minuten zudem einige vermeintliche Fans in Richtung Gästeblock. Böller wurden gezündet, Feuerwerkskörper flogen in den jeweils anderen Fanblock. Schiedsrichter Jablonski unterbrach die Partie ein drittes Mal und schickte beide Mannschaften in die Kabinen.

"Fassungslos und wahnsinnig sauer"

Auf den Rängen setzten sich die unschönen Szenen derweil fort: Fortlaufend flogen Raketen und andere Feuerwerkskörper zwischen beiden nebeneinander liegenden Fanblöcken hin und her. Die Polizei schritt ein und positionierte sich zwischen den Blöcken – der Spielabbruch drohte. Erst nach und nach beruhigte sich die Lage auf den Rängen, sodass die Partie mit rund 15-minütiger Unterbrechung fortgesetzt werden konnte. In der Folge blieb es weitestgehend ruhig, die Partie konnte so trotz unrühmlicher Begleiterscheinungen regulär zu Ende gebracht werden. Der F.C. Hansa fand auf Twitter nach Abpfiff deutliche Worte in Richtung der eigenen Fans: "Diese Idioten!" und "Wir sind auch fassungslos und wahnsinnig sauer" war in den Tweets zu lesen. Und weiter: "An den kleinen (…) Rest: Wisst ihr eigentlich, was ihr uns – eurem Verein – mit solch sinnlosem Kräftemessen antut?!"

Vermummte bewerfen Magdeburger Zug

Zu diesem Zeitpunkt wusste der Verein noch nicht, dass es auch weit nach Abpfiff zu Ausschreitungen kommen sollte. Wie die Polizei mitteilte, haben etwa 100 Vermummte Hansa-Fans ein Polizeigebäude mit Steinen beworfen – dabei ging eine Scheibe zu Bruch. Auch bei der Anreise kam es zu Krawallen. Auf Höhe der Ortschaft Neu Lübstorf wurde der Fan-Zug des 1. FC Magdeburg durch mehrere vermummte Täter mit Gegenständen beworfen. Dabei gingen zwei Scheiben zu Bruch. 40 Minuten später besprühten unbekannte Täter auf Höhe Benitz den Zug während der Fahrt großflächig mit Farbe aus präparierten Feuerlöschern. Kurz vor Spielbeginn kam es vor dem Stadion zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen beiden Fanlagern. Die Polizei schritt ein und setzte 85 Personen fest – gegen sie wird nun ermittelt. Insgesamt waren 1.300 Polizeibeamte im Einsatz.

Ein Abend mit zwei Verlieren

Es sollte ein Abend mit einem packenden Derby und einer stimmungsvollen Kulisse werden. Doch letztlich zeigten sich beide Fanlager von ihrer schlechten Seite und ließen ihre Teams trotz der sportlichen Punkteteilung zu Verlierern werden. Vor der Partie unternahmen beide Klubs viel, um Vorfälle dieser Art zu verhindern – am Ende vergebens. Vorstandsvorsitzender Michael Dahlmann zeigte sich nach Abpfiff bei "Hansa-TV" ratlos: "Wir haben einen geschlossenen Kartenverkauf organisiert, einen Shuttle-Service für die Gäste-Fans und Sprengstoffspürhunde eingesetzt, zusätzliche HD-Kameratechnik installiert, keine Tageskarten verkauft und die Anzahl der Ordner um 40 Prozent erhöht – mehr kann man eigentlich nicht machen". Dennoch wird das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Kürze seine Ermittlungen aufnehmen und beiden Vereinen eine empfindliche Geldstrafe aufdrücken.

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