Aus oder Rettung? Woche der Entscheidung für Türkgücü

Kann Türkgücü München die Saison regulär zu Ende spielen, oder ziehen sich die Münchner vorzeitig zurück, was die Annullierung aller Partie zur Folge hätte? Diese Woche, wohl am Donnerstag im Rahmen einer Betriebsversammlung, fällt die Entscheidung. Eine klare Tendenz gibt es noch nicht.

Eine Szene mit Symbolkraft

Sie hatte durchaus Symbolkraft, die möglicherweise letzte Aktion von Türkgücü München in dieser Spielzeit: Es lief die dritte Minute der Nachspielzeit bei der Partie in Wiesbaden, als Torhüter Franco Flückiger nochmal an den Ball kam – und ihn unbedrängt ins Aus schoss. Direkt danach pfiff Schiedsrichter Benjamin Brand das Spiel ab – und damit auch die Saison für die Münchner? Einiges spricht derzeit dafür. Bekanntlich sind die Gehälter der Spieler und Angestellten über das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit nur noch bis Ende des Monats gesichert.

Damit es weitergeht, braucht es frisches Geld. Ob dieses aufgetrieben werden konnte, wird sich wohl am Donnerstag zeigen. Für diesen Tag hat Insolvenzverwalter Max Liebig zu einer Betriebsversammlung geladen. "Dann bekommen wir gesagt, wie es aussieht", sagte Trainer Andreas Heraf nach der 0:1-Niederlage in Wiesbaden am Mikrofon von "MagentaSport". Nähere Informationen von der Vereinsführung habe er zuletzt nicht erhalten, so der Österreicher. Und auch am Montag konnte der Verein auf Anfrage unserer Redaktion keine genaueren Details nennen.

Heraf ist "sehr, sehr stolz"

Sportlich haben sich die Münchner trotz der Pleite achtbar aus der Affäre gezogen. Entsprechend war Heraf "sehr, sehr stolz, weil wir wirklich mit dem letzten Aufgebot angereist sind. Wie sich die Jungs präsentiert haben, davor kann man nur den Hut ziehen". Einen Punkt, so der 54-Jährige, hätte seine Mannschaft verdient gehabt. "Die Jungs haben alles reingehauen. Die Niederlage tut daher ein bisschen weh." Nach den – vor allem mental – kräftezehrenden Spielen der letzten Wochen gab Heraf seiner Mannschaft nun bis einschließlich Dienstag frei.

Sollte es tatsächlich weitergehen, würde am 3. April mit dem Heimspiel gegen die Würzburger Kickers ein echtes Endspiel im Kampf um den sportlichen Klassenerhalt anstehen. Bei einer Niederlage könnte Türkgücü wohl endgültig sämtliche Resthoffnungen auf den Ligaverbleib begraben. Denn schon jetzt beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer acht Punkte – bei nur noch sieben Spielen. Die Verantwortlichen hoffen zwar, dass der erneute Einspruch gegen den Neun-Punkte-Abzug aufgrund der Insolvenz erfolgreich sein wird und der DFB eine mildere Strafe verhängen wird, doch die Regularien sind diesbezüglich eindeutig.

Kautionsfonds als Rettung?

Ebenso eindeutig sind auch die Meinungen der Liga-Konkurrenten über die Lage bei den Münchnern. Die Tatsache, dass mit Türkgücü nach dem KFC Uerdingen im Vorjahr ein weiterer Klub während der Saison plötzlich zahlungsunfähig ist und das Lizenzierungsverfahren offensichtlich seinen Zweck verfehlt hat, bezeichnete Wiesbadens Geschäftsführer Nico Schäfer am Samstag als "Skandal". Auch am Verband übten zahlreiche Klubs zuletzt Kritik, darunter der 1. FC Saarbrücken. Die Saarländer in Person von Vereinssprecher Peter Müller nahmen den DFB am Freitag in die "verdammte Pflicht", für ein reguläres Ende der Saison zu sorgen.

Der Verband hält für Fälle wie bei Türkgücü einen Kautionsfonds bereit, aus dem 250.000 Euro abgerufen werden könnten. Die Frage ist allerdings, ob das Geld reicht, um den Spielbetrieb fortsetzen zu können. Hinzukommt: Das Geld muss zurückgezahlt werden. Gelingt das nicht, würde sich die im Mai anstehende Auszahlung der TV-Gelder (etwa 250.000 Euro pro Klub) für alle Vereine (U23-Teams ausgenommen) um etwa 14.000 Euro verringern – aus diesem Topf hält der DFB das Geld bei Inanspruchnahme des Kautionsfonds nämlich zunächst zurück. Doch wenn Türkgücü die Saison über diesen Weg zu Ende spielen kann, dürften die meisten Klubs damit leben können. Denn ein reguläres Saisonende ist immer noch die mit Abstand beste Lösung. Auch für Türkgücü, um sich mit Anstand zu verabschieden. Damit der Schuss ins Aus bei der Partie in Wiesbaden doch keine Symbolkraft hatte und nicht die letzte Aktion in dieser Saison war.

   
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