Analyse: Darmstadt und Rostock verpassen Befreiungsschlag

In einem zerfahrenen Spiel trennten sich am gestrigen Sonntag der SV Darmstadt 98 und Hansa Rostock 1:1. "Das war heute ein sehr intensives Spiel. Wir waren ab der ersten Minute noch nicht so sortiert, waren nervös nach den bisherigen schlechten Auswärtsspielen. Das Gegentor ist sehr unglücklich gefallen", so Hansa-Trainer Wolfgang Wolf nach der Partie. liga3-online.de analysiert die Partie und erklärt, warum es für beide Teams nicht zu einem Sieg gereicht hat.

Schiedsrichter: Patrick Alt (Heusweiler)

Zuschauerzahl: 8600

Tore: 1:0 Kacper Tatara (22.Minute), 1:1 Nils Quaschner (67. Minute)

SV Darmstadt 98: Jan Zimmermann (C) – Michael Stegmayer, Benjamin Gorka (77. Cem Islamoglu), Christian Beisel, Andreas Gaebler – Uwe Hesse (82. Marc Schnier), Hanno Behrens, Danny Latza (63. Markus Steegmann), Elton da Costa, Preston Zimmerman – Kacper Tatara

FC Hansa Rostock: Kevin Müller – Rick Geenen (46. Tom Weilandt), Stephan Gusche, Patrick Wolf, Ronny Marcos – Ken Leemans – Nils Quaschner, Noel Alexandre Mendy, Edisson Jordanov (82. Denis Berger), Michael Blum – Johann Plat (80. Julien Humbert)

Karten: Benjamin Gorka – Ken Leemans (Gelb-Rot)

Szenen des Spiels:

5. Minute: Danny Latza spielt sich von rechts in den Strafraum, geht dabei an drei Rostockern vorbei. Sein Schuss findet dann jedoch nicht den Weg ins Tor.

13. Minute: Uwe Hesse spielt von rechts auf Hanno Behrens, doch der schießt über das Tor.

18. Minute: Die Hansa-Abwehr bekommt den Ball nach einer Ecke nicht geklärt,  Hesses Schuss wird aber geblockt.

22. Minute: Tor für den SV Darmstadt 98 (1:0)! Katastrophales Missverständnis zwischen Hansa Keeper Kevin Müller und Stephan Gusche nach dem Motto „Nimm du ihn, ich hab ihn sicher“: Preston Zimmerman spritzt an der rechten Strafraumkante dazwischen und kann den Ball noch kurz vor der Grundlinie quer legen. Frei vorm leeren Tor muss Kacper Tatara nur noch den Fuß hinhalten.

32. Minute: Erste Chance für Rostock – und was für eine: Nach einer Ecke schraubt sich Johann Plat hoch und bringt den Ball platziert aufs Tor. Mit einer Glanzparade kann Jan Zimmermann den Ball noch an die Latte lenken.

42. Minute: Ein strammer Schuss aus der Distanz von Hansa-Spieler Michael Blum saust zwei Meter links am Lilientor vorbei.

 

Halbzeit

 

57. Minute: Hansa kommt durch einen Kopfball von Ken Leemans zur ersten Chance der zweiten Hälfte, dieser gerät jedoch zu unplatziert.

66. Minute: Dicke Chance zum 2:0: Darmstadts Rechtsverteidiger Andreas Gaebler flankt von rechts auf Kacper Tatara, der den Ball auch aufs Tor köpft. Der Kopfball gerät jedoch zu zentral, sodass ihn Kevin Müller halten kann.

67. Minute: Tor für Hansa Rostock (1:1)! Nils Quaschner dribbelt auf der rechten Seite in Richtung Darmstädter Tor. Benjamin Gorka bedrängt Hansa’s Nummer 18, rutscht jedoch etwas weg. So dringt Quaschner in den Strafraum ein und haut den Ball aus 4 Metern direkt unter die Latte.

78. Minute: Gelb-Rot für Ken Leemans. Der Hansa-Kapitän sieht nach einem taktischen Foul im Mittelfeld die Ampelkarte.

84. Minute: Der eingewechselte Markus Steegmann schickt Kacper Tatara steil, aber Hansa-Keeper Kevin Müller hat aufgepasst und klärt vor Tatara.

 

 

Spielanalyse:

Darmstadts Coach Kosta Runjaic nahm im Vergleich zum letzten Spiel in Burghausen zwei Änderungen in seiner Startelf vor: Elton da Costa und Andreas Gaebler begannen für Sebastian Zielinsky und Marc Schnier. Gästetrainer Wolfgang Wolf ersetzte ebenfalls zwei Akteure im Vergleich zum DFB-Pokal gegen Kaiserslautern: Nils Quaschner und Johann Plat verdrängten Ondrej Smetana und Denis Berger auf die Bank.

Die Partie begann flott, denn beide Mannschaften suchten den Weg nach vorne. Danny Latza konnte sein Solo aus der fünften Minute jedoch nicht veredeln. Darmstadt 98 bestimmte in der Folge das Spiel. Hansa stand defensiv jedoch kompakt, fand aber offensiv in dieser Anfangsphase gar nicht statt. Die Pässe nach vorne kamen meist nicht an. Die „Lilien“ waren sichtlich bemüht, doch musste ein Missverständnis der Hansa-Abwehr zum 1:0 herhalten: Zimmerman schnappte sich den Ball und lieferte die Vorlage für Tatara, der nur noch den Fuß hinhalten musste.

Doch auch nach diesem Treffer in der 22. Minute wachte Rostock noch nicht auf, im Gegenteil: Darmstadt spielte weiter nach vorne, jedoch ohne zwingende Torchancen zu kreieren. Die Gäste wurden nur durch Standards ansatzweise gefährlich, aber in der 32. Minute hätte dies Johann Plat beinahe ausgereicht: Nur Torwart Zimmermanns Reaktionsvermögen und die Latte verhinderten den Ausgleich für die Rostocker. Trotzdem blieb die Spielweise der Norddeutschen seltsam anzuschauen, konnte man doch auch in der Folge kaum gezielt nach vorne spielen – Blums Distanzschuss bildete hier die Ausnahme. Darmstadt machte vor allem in den Zweikämpfen den griffigeren Eindruck. Vor der Pause konnten die „Lilien“ jedoch nicht nachlegen.

Die Halbzeitansprache von Wolfgang Wolf schien geholfen zu haben, denn in der zweiten Hälfte präsentierte sich sein Team entschlossener. Plötzlich klappte auch das Offensivspiel besser, die Partie bewegte sich jedoch noch immer auf unterem Niveau. Durch Ken Leemans kam Rostock zur ersten Gelegenheit nach der Pause, aber sein Kopfball stellte keine Gefahr für das Darmstädter Tor dar. Als ob die Hausherren solch einen Weckruf brauchten, schalteten sie einen Gang herauf und setzten die Gäste massiv unter Druck. Das 2:0 lag in der Luft und Tatara hätte beinahe seinen zweiten Treffer erzielt (66. Minute).

Nur eine Zeigerumdrehung später zappelte der Ball denn auch im Netz – allerdings im Darmstädter Tor. Nils Quaschner hämmerte die Kugel aus kurzer Distanz unter die Latte. Zuvor konnte Lilien-Abwehrmann Benjamin Gorka nicht hundertprozentig in den Zweikampf gehen, da er schon gelb vorbelastet war. Dieses 1:1 gab dem Zweitligaabsteiger neuen Schwung, besonders Edisson Jordanov strahlte Gefahr aus. Doch in der 78. Minute sah Ken Leemans die gelb-rote Karte und Rostock versuchte nun den Punkt mitzunehmen.

Darmstadt kam noch einmal auf, aber Marc Schnier verpasste eine Hereingabe um Zentimeter und Kacper Tatara kam gegen Torhüter Müller einen Schritt zu spät. Kurz darauf war Schluss und das 1:1 stand fest. Die Zuschauer sahen ein oftmals zerfahrenes Duell zweier Mannschaften auf Augenhöhe. Beiden fehlte es oftmals an der letzten Genauigkeit im Aufbauspiel. Aufgrund der klaren Leistungssteigerung der Rostocker im zweiten Abschnitt kann man von einem gerechten Unentschieden sprechen, allerdings hätten sie sich über einen höheren Pausenrückstand nicht beschweren dürfen. Darmstadt 98 wird ein wenig den vergebenen Chancen nachtrauern, die kämpferische Leistung stimmte aber an diesem Sonntag.

 

Schiedsrichter:

In der ersten Halbzeit ließ der Unparteiische viel laufen, manchmal zu viel. Nach dem Wechsel pfiff er plötzlich eine kleinlichere Linie und sorgte hiermit für Unverständnis. Der ein oder andere Schiedsrichter hätte zudem den Einwurf vor dem 1:1 wiederholen lassen. Dieser wurde nämlich gute 10 Meter weiter nach vorne „verlegt“.

 

Spieler des Spiels:

Kacper Tatara (SV Darmstadt 98) – Der Neuzugang spielte als Stoßstürmer in vorderster Front und war sehr gut in das Spiel der „Lilien“ eingebunden. Er erzielte das 1:0 und war nahe dran am entscheidenden zweiten Tor. Körperlich sehr präsent.

 

Enttäuschung des Spiels:

Ken Leemans (Hansa Rostock) – Versuchte Struktur in das Spiel der Gäste zu bringen, das gelang ihm jedoch zu selten. Gemessen an seinen Qualitäten und seiner Erfahrung stellte der Platzverweis das i-Tüpfelchen für eine ausbaufähige Leistung dar.

 

Stimmen zum Spiel:

 

Wolfgang Wolf (Trainer Hansa Rostock):

"Das war heute ein sehr intensives Spiel. Wir waren ab der ersten Minute noch nicht so sortiert, waren nervös nach den bisherigen schlechten Auswärtsspielen. Das Gegentor ist sehr unglücklich gefallen. In der zweiten Halbzeit haben wir umgestellt und verdient den Ausgleich gelandet. Nach der gelb-roten Karte ist es noch mal kritischer geworden, aber Darmstadt konnte nicht noch mal richtig gefährlich werden. Letztendlich war es ein verdientes Unentschieden."

 

Kosta Runjaic (Trainer SV Darmstadt 98):

"Wir sind gut in die Partie reingekommen, waren griffig, haben viele Diagonalbälle gespielt. Bis auf die eine Kopfballchance von Rostock haben wir nicht viel zugelassen. Nach der Führung haben wir gut gespielt, konnten dies aber in der zweiten Halbzeit nicht fortsetzen. Das Gegentor darf so nicht fallen, aufgrund des vorverlagerten Einwurfes. Das hat Hansa clever genutzt und wir haben schlecht ausgesehen. Nach dem Platzverweis haben wir versucht nach vorne zu spielen, waren aber glücklos. Wir wollten gewinnen, doch das ist uns leider nicht gelungen. Nun muss eben in Wiesbaden der 3er geholt werden. Die Mannschaft hat heute auf jeden Fall ein anderes Gesicht gezeigt. Noch ein Wort zu der Kulisse: So macht Fußball Spaß, es war sehr atmosphärisch. Die Hansa-Fans haben ordentlich Stimmung ins Stadion gebracht."

FOTO:  Sebastian Ahrens / rostock-fotos.de

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