Am Längeren Hebel #57: NEIN zu Rassismus, JA zur Vielfalt

“Sport has the power to change the world.” Das sagte Nelson Mandela zu Lebzeiten. Schön zu sehen, dass es so sein kann. Eigentlich sollten wir uns mit Fußball beschäftigen. Eigentlich sollten wir Themen besprechen, die Menschen in unserer Zeitrechnung verdienen. MENSCHEN. Also jeder von uns. Eigentlich sollten wir uns in keinem Fall mit Rassismus auseinandersetzen – denn er sollte schlichtweg nicht mehr in den Köpfen und Herzen von uns allen sein. Sollte.

Ihr alle habt es mitbekommen. Der Bananenwurf von Villareal beim Gastspiel von Dani Alves FC Barcelona. Alves reagierte cool: nahm die Banane auf und verschlang sie. Danach trat er die Ecke. Und danach noch eine. Hinterher äußerte er sich souverän: “Ich weiß nicht, wer die Banane geworfen hat, aber ich möchte ihm danken. Er schenkte mir Energie für zwei weitere Ecken, die zu einem Tor führten”. Chapeau. In den sozialen Netzwerken folgte eine – wenn auch krumme -Solidaritätswelle. Roberto Carlos, Luiz Suarez, Wladimir Klitschko. Auch die Drittliga-Vereine beteiligten sich. Sie alle zeigten sich mit der Banane und dem Schlagwort: „We are all monkeys.“ Den Link mit der Banane und den Affen erkläre ich nicht. Ich zeige mich heute auch virtuell mit der Banane und diese Ausgabe von „An der längeren Banane“ widmet sich der Internationalität der 3. Liga. Vielen Dank für die Diversität. Ihr alle macht diese Liga ein wenig schöner.

NEIN zu Rassismus

Heute sind aber alle gleich, daher werde ich keinen Gewinner und keinen Verlierer bestimmen. Manchmal geht es nicht darum. Manchmal darf Sport (auch in diesen entscheidenden Zeiten) zur Verbesserung der Gesellschaft dienen. Klar hat mir Benjamin Förster, der Entscheider von Chemnitz, gefallen. Natürlich fiel mir Josep Landeka für den SV Darmstadt 98 auf. Und natürlich ist es bitter für Saarbrücken und Burghausen den Weg in die 4. Liga antreten zu müssen. Mir ist nicht entgangen, dass der MSV Duisburg in Kürze seinen neuen Trainer vorstellen wird, oder Münster seinen hält. Mit Ofosu-Ayeh verlässt ein starker Spieler die Liga verlässt. Der Spieltag gab allerhand her, die Saison noch mehr. Am Ende ist es nur ein Spiel. Das ist wahrscheinlich das Dümmste, was man über Fußball sagen kann. Denn seit dem Wochenende wissen wir, was dieser Sport leisten kann, vielleicht sogar muss.

Heute gibt es zur Feier des Tages kein Schwarz oder Weiß. Heute gibt es kein Grau und auch kein Blau. Die Veilchen werden lange warten, bis ich ihre Farbe aufrufe, genauso wie Freunde von Hellblau. Die Banane ist auf dem Vormarsch. Gelb oder braun. Grün oder halb-verfault. Zückt alle das Symbol dafür, dass wir das nicht mehr mit uns machen lassen. Say No to racism!

JA zur Vielfalt

Leider war es nicht der einzige rassistisch-motivierte Vorfall diese Woche. Donald Sterling, der Besitzer des NBA-Basketball-Teams Los Angeles Clippers hat seiner Freundin verboten, schwarze Menschen zu Spielen mitzubringen oder sich gar mit ihnen ablichten zu lassen. Die NBA reagierte rigoros. Lebenslange Sperre und Geldstrafe. Außerdem zwingen 29 andere Besitzer ihn dazu, sein Eigentum zu veräußern. Sport hat hier einen großen Teil dazu beigetragen, dass unsere Gesellschaft von diesem dummen Denken zu befreien. Ich würde mir auch wünschen, dass der DFB, dass die UEFA und auch die FIFA ebenso hart sanktionieren. Es ist ja nicht so, dass wir frei sind von all diesen Dingen. Die Empörung aller (und da nehme ich mich nicht aus) zeigt nur, dass unser Denken ein Stück weit naiv ist. Zeigt das, dass wir alle dachten, Rassismus sei kein Thema mehr in 2014? Oder gar, dass wir ihn besiegt haben? Können wir den Kampf dagegen vernachlässigen? Nein! Auf keinen Fall, damit dürfen wir nie aufhören.

In diesem Sinne: Bananen hoch! Zeigt es in den Stadien, auf den Straßen, egal wo ihr seid. Rassismus darf unser Menschheit nie wieder befallen. Dani Alves hat das souverän gelöst. Andere gehen vom Platz. Das ist verständlich. Wieder andere bekommen Unterstützung der Teamkollegen. Andere weinen. All das sind verständliche Reaktionen. Jeder nimmt das anders, denn jeder Mensch ist anders, aber eben ein Mensch. Insofern sind wir alle gleich. #Wereallmonkeys. Und vergesst nicht: Dani Alves könnte auch Kingsley Onuegbu sein. Oder auch einer von uns, wenn er im Ausland urlaubt…

 

„stay tuned“ und eine multikulturelle Woche

Uli Hebel

Folgt ihm auf Twitter: @ulihebel

 

FOTO: birgitH  / pixelio.de

   
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