Am Längeren Hebel #56: Eigene Liga, oben wie unten

Heidenheim. Eigene Liga. Leipzig und Darmstadt. Wehen, das Beste vom Rest. Viel Mittelfeld, Abstiegszone. Saarbrücken und Burghausen. Ich hab mal versucht, die Liga ganz spärlich zu beschreiben. Obwohl, die Fastenzeit ist doch vorbei, also was soll der Geiz? Drei Spiele noch zu gehen und so ganz ist uns die Tabelle nicht klar, aber sie nimmt Formen an. Keine Spannung in Deutschlands Profiligen? Ja, vielleicht aber wen kümmerts? Gewinner des Spieltages, Gewinner der Saison, Gewinner von so ziemlich jedem Spiel, Gewinner von einem Platz in der zweiten Liga. Heidenheim ist zweitklassig. Ein Punkt gegen Elversberg reichte Frank Schmidts Jungs zum Aufstieg. Endlich. Nicht, dass jetzt der Eindruck entsteht, ich will dir raus haben aus der Liga, nein. Heidenheim hat es einfach verdient. Und sie sind eben nicht unaufsteigbar. Parallelen zu Fürth. Cinderella-Story, ihr kennt das.

Drei Spieltage sind noch zu gehen und der FCH zieht ganz einsam seine Kreise. Vergleiche mit den Top-Teams der Geschichte, Superlative, Hochstilisierung zum FC Bayern der 3. Liga, ihr wisst schon. Frank Schmidt und seine fast familiäre Außenwirkung sind sowieso schon längst mindestens zweitklassig. Konzeptrainer-Aufreihung, Schwaben-Kloppo, alles dagewesen. Was kann man überhaupt noch sagen, das nicht schon gesagt wurde? Saisonausblicke, Saisonrückblicke, Schwärmereien, wir wussten es doch alle. Es ist schlicht und ergreifend alles gesagt – nur von mir noch nicht ganz: Glückwünsch an den 1. FC Heidenheim. Mögen wir uns nie wieder sehen!

Osterfest = Fußballfest

Etwas, das mich sehr freute hat einen ganz besonderen Platz in der Ausgabe verdient. Hinleitung, historische Einordnung, würde man sich hier wünschen.  Fast 40.000 Fans (!!!) fanden den Weg ins Stadion, als RB Leipzig und der SV Darmstadt 98 das Duell um den direkten Aufstiegsplatz ausspielten. Das Ende ist bekannt, RB Leipzig gewann mit 1:0 (Dirk Schuster ist trotzdem mein Trainer des Jahres. Das ist so sicher, wie die die kleine rothaarige Tochter von Boris Becker.) Rein zahlentechnisch war es ein Fest, sportlich war es überragend intensiv. Lobhudeleien, einzelne Spieler huldigen, wäre angebracht. Aber noch wichtiger ist, alles blieb ruhig. RB ist eher so der Markus Lanz der 3. Liga (ihr habt vielleicht davon gelesen) und Darmstadt – als Gast – gibt Til Schweiger und die „Kein-Tor-Hasen“. Den musste ich unterbringen. Großes Lob an ALLE Beteiligten. Großes Lob an beide Fan-Lager und großes Lob an die Spieler. Mehr davon!

Time to say: „Bis bald“

Verlierer des Spieltages werden in dieser Phase oft auch zu Verlierern auf ganzer Linie. Für Saarbrücken und Wacker Burghausen sieht es nach erneuten Niederlagen echt schlecht aus, was den Klassenerhalt betrifft. Schwarzmalereien, düstere Zukunftsprognosen, Neuaufbau, was soll man sonst schreiben?  Zu allem Überfluss treffen sich beide Mannschaften am kommenden Wochenende auch noch. One and done, nennt man sowas. Dann wird’s wohl manifestiert. Die Wacker-Fans haben ihrem Klub gegen Rostock einfach mal die Anfeuerung verweigert. Schönen Gruß aus Bremen. Die Werder-Fans bejubelten ihr Team minutenlang nach einer Niederlage, Grund: „Wenn wir buhen macht es das auch nicht besser.“  In diesem Sinne, bitte ich euch: Gebt noch einmal Vollgas – also auch die Saarbrücker! Denn kein Fußballspieler der Welt verliert gern Spiele oder steigt gar gerne ab. Romantik, Moralapostel, also bitte, als wenn ich das noch erklären müssten.

Viele von euch wissen, Burghausen ist mein Heimatverein, meine Heimatstadt. Ich habe über all die Jahre Burghausen begleitet und über Negatives, wie Positives berichtet. Melancholie, Appelle, Verabschiedungen, das wird sicher kommen. Noch aber, sind drei Spiele zu gehen. Mut, Durchhalteparolen, hättet ihr erwartet. Nicht mit mir! Ich sehe es positiv, denn jeder Schlussstrich ist ein Neuanfang. Das Profigeschäft Fußball lässt uns wenig Zeit für langes Schwelgen in der Vergangenheit. Spieler werden weiterziehen, Klubs sich neu formieren, ich über 4. Liga berichten? Alles kommt und geht. Kluge Sprüche, plötzliches Ende, denn: Für heute ist aber erst einmal Schluss.

„stay tuned“ und eine entscheidungsreiche Woche

Uli Hebel

Folgt ihm auf Twitter: @ulihebel

 

FOTO: Marcel Junghanns / Klettermaxe Photographie / Fototifosi

   

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