Am Längeren Hebel #46: Prominenz ist relativ

Wie lang kann man eigentlich an einem Einstieg feilen? Wie begrüße ich euch heute zu „Am Längeren Hebel“? Zusammenfassungen der bisherigen Runde oder doch einen Ausblick? Ich habe mich dann entschieden mal die Stimme des Volkes zu geben. Ich spreche für stellvertretend für euch aus, was wir alle denken: Nein, nicht dass Larissa einen Vogel hat. Auch nicht, dass irgendein C-Promi Spinnen isst, oder der Wendler eine Nervensäge ist. Was ich sage, spricht uns aus dem Herzen: Endlich. Endlich geht es wieder los. Irgendwie denke ich das jedes Jahr, aber selten kam mir eine Winterpause so lang vor wie diese. Genug geurlaubt – ab dafür! Der Gewinner des Spieltages ist nicht der 1.FC Heidenheim. Das langweilt mich  fast schon und das ist hochachtungsvoll gemeint. Ab sofort gilt: der 1.FCH wird nicht mehr genannt. Verständigen wir uns darauf, dass Heidenheim in einer eigenen Liga spielt. Irgendwo zwischen zweiter und dritter Liga. Eins scheint klar: Heidenheim spielt noch ein halbes Jahr Abschiedsrunde. Abschiedskür wäre das bessere Wort.

Wolf König des Dschungels

Den Gewinner der Woche finde ich diese Woche auf der anderen Seite der Tabelle. Es ist der SV Wacker Burghausen. Viele von euch wissen, dass ich den SV Wacker berichtend begleite. In meinem Fazit habe ich ja bereits prognostiziert, dass Wolfs Elf mit Schaum vor dem Mund aus dem Winterschlaf kommen dürfte. Aber so? Ein Sieg im eingefrorenen Leipzig? Defensiv diszipliniert und offensiv dann eiskalt. Das ist das Rüstzeug, welches das Unmögliche vielleicht doch noch möglich macht. Von der Meisterschaft oder dem Aufstieg reden Trainer immer ungern, Wolf wird nicht müde den Klassenerhalt als realistisches Ziel auszugeben. Understatement machen Andere. Hebel meint: Soviel Optimismus ist ansteckend. So könnte es etwas werden. Und jetzt bekommt Wolf auch noch Verstärkung aus der ehemaligen Heimat Nürnberg. Für heute hat der SVW seine Prüfung bestanden – volle Anzahl an Sternen. Fortsetzung folgt.

Erlaubt mir noch einen kurzen Schwenk weg vom tagesaktuellen Geschehen. Ein paar Impressionen zu den bisherigen Transfers der Winterpause.. Transfer-Winter-Meister 2014 für mich ist RWE. Qualität statt Quantität scheint hier das Motto. Der Hallesche FC ist dicht dahinter. RB Leipzig ist außer Konkurrenz gestartet – hier ist das Transferverhalten auf mehreren Ebenen erstklassig. Auch Saarbrücken war fleißig unterwegs. Es wird sich zeigen, ob alles fruchtet. Auf dem Papier sind da ein paar ganz nette Namen dabei. Schade nur, dass die Liga mit Koray Günter einen sehr talentierten Jungen verliert. Das ist wohl das Los der Dritten Liga…

Saarbrücken: Hunger und schlechte Stimmung

Apropos Saarbrücken und damit zurück zum Spielgeschehen. Der Verlierer der Woche ist irgendwie Milan Sasic, der starke Mann beim 1.FCS. Die oben angeschriebenen Neuzugänge, die kaum prominenter sein könnten. Aber eine Analogie zum Dschungelcamp zeigt: Prominenz ist relativ. Die Niederlage im Saar-Derby gegen die SV Elversberg dämpft das gute Gefühl der Transferperiode. Sasic ist seit September im Amt, in seiner Ägide hat sich –personell ausgenommen – wenig verändert. Die anfängliche Aufbruchsstimmung ist der Realität gewichen. Das Präsidium ist noch geduldig, die Fans fordern den Rücktritt. Vielleicht ruft Milan S. bald den Satz „Ich bin ein Star…“  Ja, der Witz stand schon vorgestern in der Zeitung. Aber ernsthaft: Sasics Truppe wirkt nicht besonders sicher und auch der Trainer selbst schreibt zu oft negative Schlagzeilen. Spätestens der Blick auf die Tabelle lässt jeden wissen: Es wird einen extrem langen Atem benötigen, um das Minimalziel zu erreichen. Ich bin immer ein Gegner von übereilten Trainerwechseln. In Saarbrücken ist – so glaube ich –  weniger die Personalie des Übungsleiters entscheidend, als die Einstellung der Mannschaft. Dem muss die schnelle Integration der Neuen voraus gehen. Der SV Wacker macht es vor. Aber Achtung: Momentaufnahme. Damit ist der Kreis auch geschlossen – manchmal ist Fußball so in sich schlüssig.

Fakt ist eines. Ganz oben ist es so spannend, wie die x-te Wiederholung von How I Met your Mother. Dort ist alles klar. Unten hingegen trügt der Blick auf die Tabelle. Die Mannschaften, die man geneigt ist abzuschreiben, begehren auf. Es hat mir sehr gefehlt, wieder meinen Senf zur Dritten Liga geben zu dürfen. Endlich wieder deutscher Fußball. Zwischenzeitlich ging ich mit meiner zweiten Liebe fremd, der englischen Premier League, die auch über den Winter spielt. Nun aber wieder 3.Liga, endlich. Ich habe den schönsten Job der Welt. Und wenn das Dschungelcamp dann auch noch aus den Medien verschwindet, schreie zumindest ich noch einmal: Endlich.

FOTO: Dieter Schmoll

   
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