Am Längeren Hebel #45: Der etwas andere Stroh-Engel

Jetzt weihnachtet es doch schon sehr. Ein Spiel noch, dann ist auch schon Bescherung. Noch dreimal schlafen (bzw. zweimal). Das hat meine Mama mir früher immer gesagt. Alle Metaphern, alle Bilder, alle Wortspiele mit Weihnachten sind derart schlecht und abgedroschen, dass ich sie Euch (ausnahmsweise) heute erspare.

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Ein Wortspiel ist so mies, so billig, so schlecht, dass es der Gewinner des Spieltages wird. Es liegt so sehr auf der Hand und genau damit ist es so klasse. Wer mich kennt weiß: Die genannten Attribute sind keineswegs negativ konnotiert – im Gegenteil! „Der SV Darmstadt 98 verkauft Strohengel“, schrieb der Klub auf der Homepage um das geniale Spektakel zu vermarkten. Vor dem letzten Heimspiel sind diese zu kaufen. Jetzt dürfen Journalisten sich mit keiner Sache gemein machen – nicht einmal mit der Besten, sagte eins Hajo Friedrichs. Und ratet mal! Es ist mir sowas von egal. Sollen Sie mich rausschmeißen, die Kolumne entziehen. Sollen Sie mich schänden und der Glaubwürdigkeit freisprechen. Ich liebe diese Aktion. Punkt. Es kommt noch besser. 14, …Trommelwirbel….98 soll der Strohengel kosten – einen Euro für jeden erzielten Treffer des gleichnamigen Stürmers. Jetzt hat es auch der Letzte verstanden. Der Erlös der handgemachten Erzeugnisse kommt der Nieder-Ramstädter Diakonie zu Gute – die produzieren auch des Stürmers Abbild. Engelsgleiche Aktion. Stroh im Hirn hat nur der, der da nicht zugreift. Wenn es einen Gewinner gibt – der den Jahresaward bereits sowas von sicher hat, gibt es auch einen Verlierer. Auch der bewegt sich in diesen Sphären.

Auswärtssiege > Heimsiege?

Zunächst sei ein Wort darüber verloren, dass es fast wahnwitzig erscheint, dass die Stuttgarter Kickers nach sechs Heimsiegen in Folge nach wie vor auf einem Abstiegsplatz stehen. Ein wenig über dem Strich steht der SSV Jahn Regensburg, die zuletzt fünfmal in Folge zuhause unbesiegt sind. Ja sind denn die Auswärtspunkte mehr wert? Habe ich etwas verpasst? Einfache Antwort. Nein, es gibt aber halt keine Auswärtspunkte – oder kaum welche.

Keine Stille zur stillen Zeit

Ohne Überleitung zum eigentlichen Verlierer des Spieltages. Exemplarisch dafür steht der 1.FC Saarbrücken. Dort hat Coach Sasic schon zum zweiten Mal das Training abgeblasen. Grund: Überbelastung, die Spieler seien ausgepumpt und das Verletzungsrisiko zu hoch. Die Verletzungssorgen sind ohnehin schon da. Jetzt kann kein Trainer der Welt mit ausschließlich Regeneration arbeiten. Mir ist auch bewusst, dass Länder wie England ohne Pause größere Anzahlen an Pflichtspielen ableisten. Dort sind selbst in der 3. Liga die TV-Gelder höher, ergo die Etats der Klubs. Das wiederum wirkt sich auf die Breite und Tiefe der Kader aus. Dass genau das in der dritten Liga nicht der Fall ist, schmerzt schon und ist eine Kinderkrankheit, die von je her nicht angemessen behandelt worden ist. 38 Spiele sind schon Anstrengungen für Erwachsene. Die Pausen eines durchschnittlichen Drittliga-Profis liegen bei ca. 2 Wochen rund um Weihnachten. Bitte kommt mir jetzt keiner mit einer angemessenen Vergütung oder gar dem Begriff Schmerzensgeld. Das ist einfach zu viel. Nicht nur körperlich, vor allen Dingen mental. Mentalcoach Holger Fischer nannte einst die Psyche als Grund Nr.1 für schwere Verletzungen. Ich pflichte ihm da bei, mache aber angesichts des fehlenden Rahmens keine wissenschaftliche Arbeit daraus.

So damit genug der Maßregelungen. Strohengel kaufen, zwei oder drei Mal schlafen. Dazwischen noch einen Like für die Kolumne abdrücken. Mehr habt Ihr gar nicht mehr zu tun. Und – nachdem alle Geschenke schön verpackt sind – gönnt auch Ihr euch eine ruhige Zeit

 

„Stay tuned“ und eine stille Zeit

Uli Hebel

 

   
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