Am Längeren Hebel #42: Das erste Mal

Wer kann sich nicht daran erinnern? Das erste Mal. Mein erstes Mal war ziemlich spät, muss mit 14 gewesen sein. Ich bin ein Spätzünder – weiß ich. Oft läuft es noch nicht rund, aller Anfang ist schwer. Technisch ist längst nicht alles ausgereift und irgendwie hat jeder den Druck: Langsam muss es doch einmal… Bei mir war es der zögernden Einstellung geschuldet, dass 14 Jahre meines Lebens vergingen. Als es dann soweit war, war ich nervös, trotz gewohnter Umgebung – Ihr kennt das. Irgendwie rein gewürgt, ohne zu wissen, was ich da tue. Mit der Zeit bekommt man eine gewisse Routine und wird abgeklärter. Dann und wann folgen Sprüche. Nicht aber beim ersten Mal. Ich war einfach nur froh, als es geschafft war.  Es gibt aber auch Naturtalente, die bereits beim ersten Mal alles richtig machen – und damit herzlich Willkommen bei Am Längeren Hebel.

18-Jähriger hat Mojo

Pascal Köpke von der SpVgg Unterhaching ist so einer. Im zarten Alter von 18 Jahren zelebrierte er seinen großen Tag. Fürs erste Mal – fantastisch. Viel besser geht es nicht – sein Colt war definitiv geladen. Euch war schon klar, dass ich vom ersten Tor spreche? Sagt einmal… 20 Minuten nach seiner Einwechslung nahm der 18-Jährige, der noch für die A-Junioren spielberichtigt ist, Maß. Dem voraus ging ein Ballgewinn in der Vorwärtsbewegung, Pass auf die rechte Seite, Flanke vom starken Bichler, Fallrückzieher Köpke und drin. Der Rest muss auf DVD gebrannt werden. Ein Klassiker.  Keine Chance für den Torwart und über das Tor des Monats (wenn nicht auch über das Tor des Jahres) müssen wir uns für November nicht mehr unterhalten. Den hätte nicht einmal Weidenfeller gehabt, dem Köpkes Vater, Bundestorwarttrainer Andreas, das Vertrauen aussprach. Nicht einmal Neuer. Sehenswert auch die Reaktion von Trainer Schromm. Ein Grinser und Köpfschütteln, auch er konnte dieses Tor nicht fassen. So eine Hütte beim Drittligadebüt ist schwer zu toppen, nicht beim Drittligadebut… Das Spiel, im Übrigen, gewann die SpVgg mit 4:0 gegen Stuttgart II. Gewinner des Spieltages ein Rookie. Glückwunsch Pascal Köpke – er hat das Mojo, von Geburt an.

Breaking: Hildebrand zu Hansa Rostock

Entwarnung. Und ich dachte schon, dass S04-Torhüter Hildebrand kurzerhand zu Hansa Rostock gewechselt sein muss. Ich habe mich da nur getäuscht. Zurück zum Ernst der (schiefen) Lage. Der Verlierer der Woche zeigt, dass auch beim 16. Mal noch richtig etwas schief gehen kann. Manchmal kommt ein Schuss zu früh und manchmal auch gar nicht – so geschehen bei Johannes Brinkies, Torhüter bei Hansa Rostock. Wie beschreibe ich die Szene am besten? Ich versuch es mal so: Im Spiel gegen den SV Wacker gab er den Hildebrand. Kopf hoch, immerhin Champions-League-Niveau. Rückpass auf Brinkies, der säbelt über den Ball. Nutznießer Bencik, der den Ausgleich für die Gäste besorgte – mit der Routine eines alten Hasen. Bitter, denn das Unentschieden ist schmeichelhaft für die Burghauser. Mit einem muss ich jedoch aufräumen. Ich habe viel von Torwartfehlern gelesen. Dieser Fauxpas ist natürlich kein Torwartfehler im eigentlichen Sinne. Hier ist mitnichten das Torwartspiel betroffen. Dies ist ein Fehler, der jedem Feldspieler genau so hätte passieren können. Nur beim letzten Mann ist die Tragweite bedeutend größer – wie auch die Häme. Und die Analogie zum Schalker Schlussmann ist ebenso klar, wie abgedroschen. Klarer Fall also für unsere Kolumne. Auch hier wird nach dem 42. Mal scharf geschossen.

Die „letzte deutsche Diva“ Hildegard Knef fragte sich zu Lebzeiten, „warum hinsichtlich der Sexualität alles so sportlich geworden ist“. Ich drehe die Frage um: Warum konnte ich anfangs nur falsch verstanden werden. Ich bedanke mich und sage abschließend doppeldeutig: Macht es gut!

„stay tuned“ und eine fruchtbare Woche wünscht

Uli Hebel

 

   

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