Am Längeren Hebel #41: Mit der Ruhe der Kieler

Wie Ihr es von mir gewohnt seid, schließe ich nur allzu gerne von der Nummer der Ausgabe auf eine Rückennummer. Dazu begebe ich mich ausnahmsweise zu meiner heimlichen Affäre – dem Basketball. Und die 41? Dirk Nowitzki, fraglos einer der größten deutschen Sportler aller Zeiten. Nowitzki hat mich in vielerlei Hinsicht inspiriert – zusammengefasst in einem Satz: All dreams are crazy, until they come true. Wie bekomme ich jetzt den Dreh zurück zur 3. Liga? Ganz einfach. Jedes unserer 20 Teams ist voll mit jungen Menschen, die Tag für Tag für ihren Traum arbeiten. Der  Eine mehr, der Andere weniger.

Poulsen steht ganz früh auf

Fangen wir mal mit einer Art Zwitter an. Gewinner oder Verlierer des Spieltages? Ich würde sagen, er war zumindest besonders ausgeschlafen! Yussuf Poulsen hatte sich in der Vorwoche erst bei einer Pressekonferenz und dann beim Abschlusstraining verspätet und saß beim Spiel nur auf der Tribüne. Aus "disziplinarischen Gründen", so Trainer Zorniger. Und am Wochenende erzielt er das Siegtor gegen Borussia Dortmund II – dabei nutze er einen Sekundenschlaf der jungen Borussen. Aber das Beste kommt noch: In der zwölften Minute. Ich schätze Poulsen hat die Anweisung 11 (Busabfahrt) einfach anders interpretiert. Statt Treffpunkt 11 dachte er bestimmt: Treffer nach 11. Dann ist er wohl mit einer Vettel-artigen Karosse einfach nachgedüst und zack: Sieg – alles wie gehabt.  Küre ich ihn einfach mal zu Gewinner feat. Verlierer des Spieltages – eine Premiere. War bestimmt nur so etwas wie der Winterschlaf. Machen Bullen so einen? Poulsen scheint der Power-Schlaf Flügel verliehen zu haben. Haben Bullen Flügel? Ich meine jetzt nicht den Freund und Helfer…

Stoisch ruhige Störche

Mein ganz persönlicher Gewinner ist Holstein Kiel. Was, werdet ihr euch fragen? Ist der jetzt auch weggepennt? Nein, das meine ich ganz ernst. Haben die am Anfang noch die Liga gerockt, sind sie seit neun Spielen sieglos. Was mir dabei gefällt, ist die Ruhe mit der Trainer Neitzel die immer gleichen Fragen meiner Kollegen beantwortet. Keep calm and always believe. Diese Weisheit ist aber nicht von Nowitzki…. Und 18 aus 15 – das hätte Kiel vor der Saison unterschrieben. Und wie sagte der Trainer so schön vor einigen Wochen? Selbst (weite) Ziele wie Unterhaching sind Träume – denn dafür haben sie hart gearbeitet in der Vorsaison. Tolle Einstellung.

Ihr merkt schon, so richtig leicht fällt es in dieser Woche nicht, etwas super Kurioses zu finden. Vieles ist einfach Alltag. Aber Alltag kann doch auch mal schön sein. Was glaubt ihr, wie Hansa Rostock sich über diesen freut? Nach zwei Siegen in einer Woche sind die Fahrwässer der Kogge wieder ein wenig ruhiger. Kapitän Bergmann lenkt in die richtige Richtung. Das dachte man auch von Preußen Münster – aber die Wundertüte der Liga hat irgendwie ein Loch. Nach den 0:4-Orgien dachte ich, jetzt kriegen sie die Kurve. So kann man (oder ich mich) sich täuschen. Konstant ist die Unkonstanz. Wie würden die sich über Alltägliches freuen.

Ach und Frank Leber, Redaktionskollege, war heute ruhig. Stroh-Engel fiel aus allen Wolken, als Burghausen (in Unterzahl) gegen den Zweiten der Tabelle siegte. Ausgerechnet Burghausen, meine Heimatstadt. Die Kickers aus Stuttgart kriegen kurz vor Ende mal wieder einen Buzzerbeater vor den Latz geknallt und Heidenheim marschiert. Den Satz hab ich inzwischen auf der Kurzwahl. Alles in allem ist alles durchschnittlich. Aber: warum auch nicht? Ich hab mir so hochtrabende Sachen überlegt. Soll ich die Trainerwechsel und deren Wirkung untersuchen – oder doch einmal die Aufsteiger? Oder ich sag euch einfach wie es ist. Alles beim Alten.

„stay tuned“ und eine ganz normale Woche wünscht

Uli Hebel

 

FOTO: calcio-culinaria.de

   
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